- 16.04.2013, 09:04:05
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AVISO: Quadriga 15 - Nachhaltigkeit. Ein Begriff und viele Irrtümer
Podiumsdiskussion im Palais Epstein, Mittwoch, 17. April, 18.00 Uhr
Utl.: Podiumsdiskussion im Palais Epstein, Mittwoch, 17. April,
18.00 Uhr =
Wien (PK) - Der Begriff der "Nachhaltigkeit" ist in den letzten
Jahren in der Sprache der Wirtschaft, der Politik und der Medien
omnipräsent. Die Quadriga 15 "Nachhaltigkeit. Ein Begriff und viele
Irrtümer" widmet sich der Frage, ob hinter dem Nachhaltigkeitsdiskurs
mehr steht als der Versuch, einen anhaltenden Zustand der planlosen
Ressourcenverschwendung schönzureden. Global gesehen gibt es weder
ökonomisch noch ökologisch oder politisch brauchbare Strategien, die
über kurzfristige Zeiträume hinausreichen.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer lädt am Mittwoch, dem 17.
April 2013, um 18.00 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in das Palais
Epstein ein und wird die TeilnehmerInnen begrüßen. Die Diskussion
führen Jürgen Reuß, freier Journalist, Übersetzer und Autor
(Freiburg), Brigitte Röthlein, Physikerin, Journalistin, Autorin
(München) und Karl Wagner, Director of External Relations,
International Centre of the Club of Rome (Winterthur). Die Moderation
übernehmen Zita Bereuter (FM4) und Peter Zimmermann (Ö1).
Diskussionsbasis sind vier Bücher, die sich in unterschiedlicher
Weise dem Begriff der Nachhaltigkeit annähern.
Von der barocken Forstwirtschaft zum globalen Modewort
Ulrich Grober beschreibt in "Die Entdeckung der Nachhaltigkeit" (A.
Kunstmann Verlag 2013) die Kulturgeschichte eines Begriffs der heute
in aller Munde ist. Er plädiert dafür, die Nachhaltigkeit vor dem
inflationären Gebrauch als Modewort, das alles und nichts mehr
bedeuten kann, zu retten. Grober verweist auf das erste große
Beispiel einer nachhaltigen Bewirtschaftung in der deutschen
Forstwirtschaft zu Ende des 17. Jahrhunderts, als man erstmals ein
Bewusstsein entwickelte, dass die natürlichen Reserven nicht
unbegrenzt sind. Im Werk "Sylvicultura oeconomica" des Forstexperten
Hans Carl Carlowitz, erstmals gedruckt 1713, findet Grober bereits
die drei Eckpunkte einer nachhaltigen Wirtschaft beschrieben -
Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts, ökonomische Sicherheit und
soziale Gerechtigkeit.
Den Konsum aus der Wegwerffalle führen
Konsum ist der Motor einer wachstumsorientierten Gesellschaft. Das
bringt nicht nur mit sich, dass wir immer mehr Konsumgüter besitzen,
sondern auch, dass viele dieser Produkte bald auf dem Müll landen,
weil sie kaputtgehen, sich nicht reparieren lassen, inkompatibel oder
einfach langweilig werden. Jürgen Reuß und Cosima Dannoritzer stellen
in "Kaufen für die Müllhalde. Das Prinzip der geplanten Obsoleszenz"
(Orange Press 2013) die Strategien der Firmen dar, durch den
programmierten Verschleiß ihrer Produkte den Umsatz anzukurbeln.
Dargestellt werden auch Konzepte, mit denen Designer, Ökonomen und
VerbraucherInnen versuchen, Auswege aus dieser Wegwerffalle zu
finden. Das Buch basiert auf den mehr als drei Jahre dauernden
Recherchen zum gleichnamigen Film von Cosima Dannoritzer.
Future revisited: Wie kann unsere Welt in vierzig Jahren aussehen?
Vierzig Jahre nach dem Aufsehen erregenden Buch eines
Autorenkollektiv des "Club of Rome", das den Wachstumsoptimismus in
Frage stellte, hat Jorgen Randers mit "2052. Der neue Bericht an den
Club of Rome: Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre" (Oekom
2012) einen Blick in die Zukunft unseres Planeten versucht. In sein
Buch sind die globalen Prognosen von 30 führenden
WissenschaftlerInnen, ÖkonomInnen und ZukunftsforscherInnen
eingeflossen.
Randers geht davon aus, dass 2052 die industrielle Revolution der
reichen Länder abgeschlossen sein wird, und dass das vorrangige
Paradigma nicht mehr das durch fossile Brennstoffe angetriebene
Wachstum sein wird. Das Bestreben der Gesellschaften werde dem
"nachhaltigen Wohlergehen" der Menschen gelten. Die
Nachhaltigkeitsrevolution stecke aber noch in den Kinderschuhen, so
der Befund. Für einen Systemwechsel und die Übergang zur
Nachhaltigkeit braucht die Menschheit seiner Ansicht nach Antworten
auf fünf Fragen, die unsere immateriellen System und Konzepte
betreffen. Diese fasst Randers zusammen unter den Stichworten:
Kapitalismus, Wirtschaftswachstum, Demokratie, intergenerationelle
Gerechtigkeit und unser Verhältnis zum Klima auf der Erde. Derzeit
werde zu langsam auf die Herausforderungen reagiert, was befürchten
lässt, dass der Wandel durch Krisen erzwungen werden wird, meint
Randers. Dies solle uns nicht davon abhalten, den Kampf um eine
bessere Welt zu führen.
Lösungsvorschläge für eine urbane Zukunft
Einen Überblick über denkbare "Lösungen für das urbane Leben der
Zukunft" will der bei Hanser 2012 erschienene Band "Morgenstadt. Wie
wir morgen leben" von Hans-Jörg Bullinger und Brigitte Röthlein
bieten. Stadtplanung für die "Morgenstadt" ist für sie nicht nur eine
Vision, sondern unbedingte Notwendigkeit. Städte belegen nur 2 % der
Erdoberfläche, nehmen aber drei Viertel der Ressourcen in Anspruch.
Diese Entwicklung wird weitergehen, denn das Wachstum der
Weltbevölkerung wird in erster Linie eine Zunahme der
Stadtbevölkerung mit sich bringen. Stadtentwicklung darf daher nicht
dem Zufall überlassen werden, sondern braucht Stadtplanung. Diese hat
viele Handlungsfelder, für die Lösungen gebraucht werden, wie die
Begrenzung des Ressourcenverbrauchs und die Herbeiführung der
Energiewende. Es müssen Herausforderungen von Mobilität, Demographie
und Klimawandel berücksichtigt werden. Mehr Bürgerbeteiligung sowie
die Nutzung der Potenziale von Information und Kommunikation sind
unerlässlich. (Schluss) sox
Für die Teilnahme an der Veranstaltung ist aus organisatorischen
Gründen eine verbindliche Anmeldung (Name/Vorname) unter
[email protected] erforderlich.
HINWEIS: Fotos finden Sie nach dieser Veranstaltung im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.
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