AVISO: Quadriga 15 - Nachhaltigkeit. Ein Begriff und viele Irrtümer

Podiumsdiskussion im Palais Epstein, Mittwoch, 17. April, 18.00 Uhr

Wien (PK) - Der Begriff der "Nachhaltigkeit" ist in den letzten Jahren in der Sprache der Wirtschaft, der Politik und der Medien omnipräsent. Die Quadriga 15 "Nachhaltigkeit. Ein Begriff und viele Irrtümer" widmet sich der Frage, ob hinter dem Nachhaltigkeitsdiskurs mehr steht als der Versuch, einen anhaltenden Zustand der planlosen Ressourcenverschwendung schönzureden. Global gesehen gibt es weder ökonomisch noch ökologisch oder politisch brauchbare Strategien, die über kurzfristige Zeiträume hinausreichen.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer lädt am Mittwoch, dem 17. April 2013, um 18.00 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in das Palais Epstein ein und wird die TeilnehmerInnen begrüßen. Die Diskussion führen Jürgen Reuß, freier Journalist, Übersetzer und Autor (Freiburg), Brigitte Röthlein, Physikerin, Journalistin, Autorin (München) und Karl Wagner, Director of External Relations, International Centre of the Club of Rome (Winterthur). Die Moderation übernehmen Zita Bereuter (FM4) und Peter Zimmermann (Ö1).

Diskussionsbasis sind vier Bücher, die sich in unterschiedlicher Weise dem Begriff der Nachhaltigkeit annähern.

Von der barocken Forstwirtschaft zum globalen Modewort

Ulrich Grober beschreibt in "Die Entdeckung der Nachhaltigkeit" (A. Kunstmann Verlag 2013) die Kulturgeschichte eines Begriffs der heute in aller Munde ist. Er plädiert dafür, die Nachhaltigkeit vor dem inflationären Gebrauch als Modewort, das alles und nichts mehr bedeuten kann, zu retten. Grober verweist auf das erste große Beispiel einer nachhaltigen Bewirtschaftung in der deutschen Forstwirtschaft zu Ende des 17. Jahrhunderts, als man erstmals ein Bewusstsein entwickelte, dass die natürlichen Reserven nicht unbegrenzt sind. Im Werk "Sylvicultura oeconomica" des Forstexperten Hans Carl Carlowitz, erstmals gedruckt 1713, findet Grober bereits die drei Eckpunkte einer nachhaltigen Wirtschaft beschrieben -Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts, ökonomische Sicherheit und soziale Gerechtigkeit.

Den Konsum aus der Wegwerffalle führen

Konsum ist der Motor einer wachstumsorientierten Gesellschaft. Das bringt nicht nur mit sich, dass wir immer mehr Konsumgüter besitzen, sondern auch, dass viele dieser Produkte bald auf dem Müll landen, weil sie kaputtgehen, sich nicht reparieren lassen, inkompatibel oder einfach langweilig werden. Jürgen Reuß und Cosima Dannoritzer stellen in "Kaufen für die Müllhalde. Das Prinzip der geplanten Obsoleszenz" (Orange Press 2013) die Strategien der Firmen dar, durch den programmierten Verschleiß ihrer Produkte den Umsatz anzukurbeln. Dargestellt werden auch Konzepte, mit denen Designer, Ökonomen und VerbraucherInnen versuchen, Auswege aus dieser Wegwerffalle zu finden. Das Buch basiert auf den mehr als drei Jahre dauernden Recherchen zum gleichnamigen Film von Cosima Dannoritzer.

Future revisited: Wie kann unsere Welt in vierzig Jahren aussehen?

Vierzig Jahre nach dem Aufsehen erregenden Buch eines Autorenkollektiv des "Club of Rome", das den Wachstumsoptimismus in Frage stellte, hat Jorgen Randers mit "2052. Der neue Bericht an den Club of Rome: Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre" (Oekom 2012) einen Blick in die Zukunft unseres Planeten versucht. In sein Buch sind die globalen Prognosen von 30 führenden WissenschaftlerInnen, ÖkonomInnen und ZukunftsforscherInnen eingeflossen.

Randers geht davon aus, dass 2052 die industrielle Revolution der reichen Länder abgeschlossen sein wird, und dass das vorrangige Paradigma nicht mehr das durch fossile Brennstoffe angetriebene Wachstum sein wird. Das Bestreben der Gesellschaften werde dem "nachhaltigen Wohlergehen" der Menschen gelten. Die Nachhaltigkeitsrevolution stecke aber noch in den Kinderschuhen, so der Befund. Für einen Systemwechsel und die Übergang zur Nachhaltigkeit braucht die Menschheit seiner Ansicht nach Antworten auf fünf Fragen, die unsere immateriellen System und Konzepte betreffen. Diese fasst Randers zusammen unter den Stichworten:
Kapitalismus, Wirtschaftswachstum, Demokratie, intergenerationelle Gerechtigkeit und unser Verhältnis zum Klima auf der Erde. Derzeit werde zu langsam auf die Herausforderungen reagiert, was befürchten lässt, dass der Wandel durch Krisen erzwungen werden wird, meint Randers. Dies solle uns nicht davon abhalten, den Kampf um eine bessere Welt zu führen.

Lösungsvorschläge für eine urbane Zukunft

Einen Überblick über denkbare "Lösungen für das urbane Leben der Zukunft" will der bei Hanser 2012 erschienene Band "Morgenstadt. Wie wir morgen leben" von Hans-Jörg Bullinger und Brigitte Röthlein bieten. Stadtplanung für die "Morgenstadt" ist für sie nicht nur eine Vision, sondern unbedingte Notwendigkeit. Städte belegen nur 2 % der Erdoberfläche, nehmen aber drei Viertel der Ressourcen in Anspruch. Diese Entwicklung wird weitergehen, denn das Wachstum der Weltbevölkerung wird in erster Linie eine Zunahme der Stadtbevölkerung mit sich bringen. Stadtentwicklung darf daher nicht dem Zufall überlassen werden, sondern braucht Stadtplanung. Diese hat viele Handlungsfelder, für die Lösungen gebraucht werden, wie die Begrenzung des Ressourcenverbrauchs und die Herbeiführung der Energiewende. Es müssen Herausforderungen von Mobilität, Demographie und Klimawandel berücksichtigt werden. Mehr Bürgerbeteiligung sowie die Nutzung der Potenziale von Information und Kommunikation sind unerlässlich. (Schluss) sox

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