• 12.04.2013, 20:46:19
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 13. April 2013 von Alois Vahrner "Sturm im Wasserglas um freie Tage"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Um die Zahl der Urlaubs- und Feiertage wird
derzeit ebenso heftig gestritten wie über eine Verteuerung von
Überstunden. Für gelernte Österreicher ist klar, dass dieses
Wunschkonzert bald wirkungslos verpuffen wird.

Im Superwahljahr 2013 liegen vielerorts die Nerven blank - und viele
Politiker und Interessenvertreter glauben, dass gerade jetzt der
Zeitpunkt günstig ist, ihre teils neuen, sehr viel öfter aber schon
ziemlich verstaubten Forderungen wieder auszupacken.
Angesichts der Landtagswahlen und der Nationalratswahl überschlagen
sich die Parteien etwa mit Vorschlägen zu billigerem Wohnen - nachdem
der Wohnungsneubau in der abgelaufenen Legislaturperiode erlahmt ist
und die Wohnkosten fast überall noch weiter angestiegen sind.
Unter den Sozialpartnern ist unterdessen ein regelrechter Wettlauf
ausgebrochen, wie die Kosten für Arbeit weiter gesenkt bzw. weiter in
die Höhe getrieben werden können. Auf Seiten der Gewerkschaften wird
der ewige Heuler Arbeitszeitverkürzung (natürlich bei vollem
Lohnausgleich) nur halbherzig gefordert. Dafür sollen die jährlich
300 Millionen Überstunden mit je einem Euro Aufschlag belegt werden,
um damit neue Jobs zu finanzieren. Dazu kommt der Ruf nach sechs
Wochen Urlaubsanspruch nach 25 Jahren Arbeit.
Was die Gewerkschaft kann, das kann auch die Industriellenvereinigung
und verlangt die Verlegung von Donnerstag-Feiertagen (heuer mit
Christi Himmelfahrt am 9. Mai, Fronleichnam am 30. Mai und Mariä
Himmelfahrt am 15. August gleich drei) jeweils auf den folgenden
Freitag. Früher war man nicht so bescheiden und verlangte gleich eine
Reduktion der jährlich 13 Feiertage bzw. die Verlegung auf den
Sonntag. Dass die Industriellenvereinigung trotz der verharmlosten
Forderung neben der Kirche ausgerechnet von der Wirtschaftskammer
kritisiert wurde, die im Sinne des Tourismus einen Einbruch bei
Kurzurlauben fürchtet, war so wohl nicht geplant.
Für gelernte Österreicher ist völlig klar, dass diese Wortgefechte
letztlich enden werden wie das legendäre Hornberger Schießen. Kurzum:
Es wird sich in all den genannten Punkten rein gar nichts ändern. Was
zum Teil schade ist, weil in Öster█reich über Forderungen beider
Seiten gar nie ernsthaft diskutiert wird. Bestes Beispiel sind
flexiblere Arbeitszeiten, die bei entsprechender Ausgestaltung sehr
wohl zum Vorteil aller Beteiligten sein können. Arbeitszeiten,
Überstunden, Urlaube, Feiertage - das alles gehört als Block
zusammen und entsprechend im Paket diskutiert. Im reformscheuen
Österreich scheint hingegen alles einbetoniert. Da sind andere Länder
schon weit mutiger. Italien und Portugal, beide katholisch, haben
Feiertage gestrichen, die Schweiz ließ über einen längeren Urlaub
abstimmen.

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