• 04.04.2013, 08:57:59
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"An die Grenzen der Physik gegangen"

Walter Thirring nimmt den Paul-Watzlawick-Ehrenring 2013 der Wiener Ärztekammer entgegen

Utl.: Walter Thirring nimmt den Paul-Watzlawick-Ehrenring 2013 der
Wiener Ärztekammer entgegen =

Wien (OTS) - "Als Wissenschafter ist man natürlich immer mit der
Frage konfrontiert: ,Wie wahr ist die Wahrheit?', oder, mit
Watzlawick gesprochen: ,Wie wirklich ist die Wirklichkeit?' Ich habe
da immer den pragmatischen Standpunkt eingenommen, dass diese
Begriffe nur in einem bestimmten Gedankengut definiert werden können.
Da kann man sich nur herantasten. Sie sind ein Ziel, aber wir haben
nur stückweise den Weg", sagte Walter Thirring, Preisträger des
Paul-Watzlawick-Ehrenrings 2013 der Ärztekammer für Wien, anlässlich
seiner Rede im Rahmen einer Wiener Vorlesung gestern, Mittwoch, Abend
im Festsaal des Wiener Rathauses. ****

Übergeben wurde Thirring die Auszeichnung von Walter Dorner,
Kurator des Paul-Watzlawick-Ehrenrings.

Für Dorner reiht sich Thirring würdig in die Riege der bisherigen
Preisträger ein: "Vor allem beeindrucken mich sein tiefer
theologischer Ansatz, seine Humanität und die Schärfe seiner
naturwissenschaftlichen Erkenntnis - ein Diagnostiker, wie er auch
für uns Ärztinnen und Ärzte ein Vorbild ist, einer, der hinterfragt
und nicht ohne ausführliche, mehrdimensionale Betrachtung urteilt."
In seinen "Kosmischen Impressionen", aber auch in seiner
Autobiografie, werde dies besonders deutlich, so Dorner.

Ähnlich auch das Urteil der Jury, die Thirring einstimmig zum
Preisträger für 2013 gekürt hat: "Wie nur wenige andere hat Thirring
die Dimensionen seiner Disziplinen gesprengt und ist an die Grenzen
der Physik gegangen. In diesem Sinn ist er ein Meta-Physiker und
dekonstruierend im Sinne von Paul Watzlawick."

"Zeichen unseres Engagements für eine Humanisierung der
Medizin"

Walter Thirring, geboren 1927 in Wien und immer noch produktiv und
kreativ, zählt zu den bedeutendsten österreichischen
Naturwissenschaftern der Gegenwart. "Er ist einer der wenigen, die
ständig die Grenzen ihres Faches ausgelotet haben, interdisziplinär
forschten und nachhaltigen Einfluss auf die moderne Physik ausüben,
insbesondere in der Quantenphysik", betonte der Vorsitzende der Jury,
Hubert Christian Ehalt.

Thirring studierte Physik an den Universitäten Innsbruck und Wien.
Er war unter anderem am Institute for Advanced Study in Dublin bei
Erwin Schrödinger sowie bei Bruno Touscheck an der Universität
Glasgow sowie am Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen bei
Werner Heisenberg tätig. 1953/54 traf er am Institute for Advanced
Study in Princeton Albert Einstein. Seit 1959 ist er als Professor
für theoretische Physik an der Universität Wien tätig und emeritierte
1997.

Thirring war einer der Gründer des Erwin-Schrödinger-Instituts.
Von 1968 bis 1971 war er Direktor der Abteilung für theoretische
Physik am CERN sowie von 1976 bis 1978 erster Präsident der
International Association of Mathematical Physics.

Der Watzlawick-Ehrenring wurde bislang viermal vergeben - an den
Soziologen Peter L. Berger, die Kulturphilosophin Aleida Assmann, den
Autor und Philosophen Rüdiger Safranski sowie den
Architekturexperten, Schriftsteller und Polyhistor Friedrich
Achleitner - und ist mittlerweile einer der renommiertesten
Wissenschafts-Awards. Für die Ärztekammer ist er ein "Zeichen unseres
Engagements für den Dialog zwischen Medizin und Ethik und eine
Humanisierung der Medizin".

Der Paul-Watzlawick-Ehrenring wurde von der Meisterklasse Paolo
Piva der Hochschule für Angewandte Kunst geschaffen und zitiert die
"Möbiusschleife" als Metapher des permanenten Forschens und Denkens.
(hpp)

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