- 22.03.2013, 19:35:21
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Tiroler Tageszeitung Ausgabe vom 23. März 2013; Leitartikel von Mario Zenhäusern: "Abschied eines Unbequemen"
Innsbruck (OTS) - Utl: Drei Tage vor seinem 56. Geburtstag übergibt
Anton Steixner die Führung des Bauernbundes an Josef Geisler. Ein
machtbewusster Politiker und mit allen Wassern gewaschener
Interessenvertreter verlässt die öffentliche Bühne.
Heute beginnt der lange Abschied des Anton Steixner. Im Herbst des
Vorjahres hat das politische Schwergewicht seinen Rückzug
angekün█digt. Heute übergibt er den Bauernbund, den er seit 1988 als
Obmann geführt hat, an Josef Geisler. Nach den Wahlen im April legt
er auch sein Amt als Mitglied der Tiroler Landesregierung nieder.
Toni Steixner war in all seinen Funktionen ein Unbequemer. Ob als
Interessenvertreter seines Berufsstands, als Landtagsabgeordneter,
als Vizepräsident des Tiroler Landtags oder zuletzt als Mitglied der
Landesregierung und Landeshauptmannstellvertreter - Steixner war
immer einer, der sich nicht verbiegen wollte und sich auch nicht
verbiegen ließ. Hart in der sachlichen Auseinandersetzung, selten
untergriffig, nie persönlich verletzend.
Der Landwirt aus Mutters stand und steht symbolhaft für den
Bauernadel, in dessen mächtiger Hand viele das Land sehen. Wie kein
Zweiter im Land hat er polarisiert, die Menschen in Freunde und
Feinde geteilt. Tatsächlich versteckte sich Steixner nie, wenn es
darum ging, für seine Landwirte einzutreten. Er kokettierte mit
seiner Macht und der des Bauernbundes, nützte die Unerfahrenheit
vieler politischer Gegner ein ums andere Mal aus und war auch in
Sachen politischer Intervention ein Meister. Dabei hat Steixner, das
müssen nach Ablauf dieser Legislaturperiode auch seine Kritiker
zugeben, den Blick für das große Ganze nie verloren. Sein großes
Engagement in der Energiewirtschaft und im Bereich des öffentlichen
Nahverkehrs - um nur zwei von vielen Bereichen zu nennen - hat ihm
Anerkennung über die Grenzen Tirols hinaus eingebracht. Selbst
politische Gegner attestieren ihm eine Handschlagqualität, die selten
geworden ist heutzutage. Gerade in der Politik. Es gibt Schlechteres,
was man über einen sagen kann, der 25 Jahre "im Geschäft" war.
Steixner gibt die Führung des Bauernbundes drei Tage vor seinem
56. Geburtstag ab. Es ist also nicht das Alter, das ihn zum
Leisertreten zwingt. Wohl mehr der Frust, zwischen
Interessenvertretung auf der einen und Regierungsverantwortung auf
der anderen Seite zerrieben zu werden, und die Enttäuschung über den
zuletzt immer aggressiveren Stil einiger Gegner auf dem
Landhaus-Parkett.
Mit seinem Rücktritt hat sich Steixner aus der Schusslinie
genommen. Dort steht jetzt der neue Bauernbund-Obmann Sepp Geisler -
und der erhielt gleich einen Vorgeschmack, wie sich das anfühlt: Im
aktuellen Politiker-Vertrauensindex rutschte er hinter Steixner an
die letzte Stelle.
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