• 20.03.2013, 13:43:24
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Energiewende darf Stromkunden nicht überfordern

Oesterreichs Energie Trendforum thematisierte aktuelle Entwicklungen am Strommarkt

Utl.: Oesterreichs Energie Trendforum thematisierte aktuelle
Entwicklungen am Strommarkt =

Wien (OTS) - Beim Umbau des Systems in Richtung erneuerbare Energien
dürfe man nicht auf die Kunden vergessen, sagte Peter Layr, Präsident
von Oesterreichs Energie beim ersten Trendforum der heimischen
E-Wirtschaft diesen Jahres, das unter dem Motto "Strom kennt keine
Grenzen" stand.

In der Bevölkerung gebe es eine breite Akzeptanz für den Systemumbau
in Richtung erneuerbare Energie, dieser müsse aber mit Augenmaß und
im richtigen Tempo erfolgen. Layr plädierte dafür, die Mehrwertsteuer
die auf Basis der Ökostromförderung entsteht, für die Entlastung der
Konsumenten einzusetzen.

Künftig müssten nach Ansicht Layrs beim für die Energiewende
erforderlichen Ausbau der Strominfrastruktur verstärkt alle
Marktteilnehmer in die Pflicht genommen werden. Wer eine
Netzinvestition auslöse, solle dafür auch die Kosten übernehmen. Die
aktuellen Fördermechanismen für Ökostromanlagen in Europa,
insbesondere in Deutschland, würden zudem zunehmend die
Wirtschaftlichkeit von Investments in die für die
Versorgungssicherheit benötigten konventionellen Kraftwerke in Frage
stellen. Layr: "Wir brauchen ein neues Marktdesign, das bestehende
stammt noch aus der Zeit der Marktliberalisierung."

Das europäische Energiesystem hat im letzten Jahrzehnt einen
beispiellosen Umbau erfahren. Die fossile Stromerzeugung wurde
zurückgedrängt, dafür hat sich zwischen 1990 und 2008 die
Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen auf jährlich 200
Milliarden Kilowattstunden erhöht. Bis 2020 soll sie sich noch einmal
mehr als verdoppeln und die Marke von 500 Milliarden Kilowattstunden
erreichen. Und ab 2050 soll der Anteil
erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch sogar bis zu 75 Prozent
betragen - so sehe es die EU-Energy Roadmap 2050 vor, erklärte
Florian Ermacora, Mitglied der Generaldirektion für Energie der
Europäischen Kommission.

Erfolge der Energiewende absichern und fortsetzen

Für Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie ist
es aktuell notwendig, mit einer Anpassung der Rahmenbedingungen die
unbestreitbaren Erfolge der energiewende abzusichern und
fortzuführen. Schmidt: "Eine vorläufige Bilanz zeigt leider, dass die
drei wesentlichen Ziele der EU, den europäischen Strommarkt
wettbewerbsfähiger und nachhaltiger zu gestalten und gleichzeitig die
Versorgungssicherheit zu gewährleisten, nicht erreicht werden. Daher
müssen wir daran arbeiten, die Erfolgsgeschichte wieder auf Schiene
zu bringen." Die Probleme seien evident: In Deutschland mussten
Stromkunden allein im Vorjahr rund 20 Milliarden Euro an
Ökostromförderung aufbringen, der Marktwert des damit erzeugten
Stroms betrage aber nur drei Milliarden Euro. Gleichzeitig habe sich
der CO2-Ausstoß um zwei Prozent erhöht und für die Aufrechterhaltung
der Versorgungssicherheit würden auf Grund der zunehmenden
Einspeisung volatiler erneuerbarer Energien zunehmend Eingriffe
erforderlich. Schmidt: "Österreich ist zwar durch seinen hohen Anteil
an Wasserkraft und seinen frühen Verzicht auf Atomkraft in einer
besseren Lage, da Strom aber keine Grenzen kennt, sind die Probleme
der Nachbarländer bis zu einem gewissen Ausmaß auch unsere."

Die EU-Kommission will indes ihre Steuerungsmechanismen für die
E-Wirtschaft nachjustieren, erklärte Ermacora. So habe man
beispielsweise in der Vergangenheit den einzelnen Ländern zu große
Freiheiten bei den Maßnahmen gelassen, wie sie ihre
Erneuerbaren-Energien-Vorgaben erreichen sollen. Dies habe zu völlig
unterschiedlichen Fördersystemen und in der Folge zu den
gegenwärtigen Verwerfungen auf dem Energiemarkt geführt. Zwar sei man
2009 mit einem EU-weiten Fördersystem vorerst an den nationalen
Interessen gescheitert, Überlegungen in diese Richtung würden aber
weiterhin verfolgt. Das schließe auch Maßnahmen mit ein, die den
Netzausbau, die Speicherung volatiler Energie und ein besseres
Demand-Side-Management, etwa durch Smart Grids beinhalte. "Die
Energiewende erfordert dringende Investitionen in die entsprechende
Infrastruktur und dazu ist ein gesamteuropäischer Ansatz notwendig",
so Ermacora. Da dafür auch die Investitionssicherheit gegeben sein
müsse, arbeite man derzeit an einer Rahmenformulierung, die über den
Zeitraum 2020/2030 hinaus Bestand haben soll.

E-Control-Vorstand Martin Graf sah nicht nur die Heterogenität der
Fördersysteme, sondern auch den fehlenden Blick auf die Gesamtheit
des Systems als Hemmschuh für die weitere Entwicklung. So stellt sich
die Frage, mit welchen Regulationsmechanismen die Erneuerbaren
Energien am besten in die Märkte integriert werden könnten. "Nur wenn
das gelingt, lassen sich die Verwerfungen auf den Strommärkten
beseitigen", so Graf.

Komplexität unterschätzt

Darauf, dass man die ganze Komplexität der Energiewende unterschätzt
habe, verwies Hubert Landinger, Energieexperte der
Ludwig-Bölkow-Systemtechnik und Mitglied der Task Force
Energiespeicherung der Energietechnischen Gesellschaft im VDE. Man
habe in Deutschland inzwischen zwar die Notwendigkeit des Netzausbaus
erkannt, dafür aber bisher der Speicherproblematik nicht die nötige
Aufmerksamkeit geschenkt. "Aber je höher der Anteil der Erneuerbaren
Energien am Strommix wird, desto virulenter wird dieses Thema",
warnte Landinger. Künftige Förderungen müssten daher verstärkt in
diese Richtung gelenkt werden. Eine zukunftsträchtige technische
Lösung, überschüssige erneuerbare Energie unterzubringen, sieht er in
der Produktion von Wasserstoff über Elektrolyse und der Erzeugung von
Methan aus diesem Wasserstoff und CO2. Diese Technologie werde
künftig auch zu einer zunehmenden Vernetzung der Energieformen von
Wärmemarkt, Elektrizität und Transport führen.

Christian Schönbauer, Energie-Sektionschef im Wirtschaftsministerium
erklärte, Österreich sei zwar bei der Sicherung einer nachhaltigen
und sicheren Energieversorgung gut positioniert, wie die Energiewelt
im Jahre 2030 aussehen werde, ließe sich aber nur schwer sagen.
Sicher sei nur, dass wir durch die weitere Vernetzung der
Energiemärkte und die Fortschritte in der Technik vor enormen
Veränderungen stünden. "Dafür ist ein neues Marktdesign nötig, das
weniger von Seiten der Nachfrage als vielmehr von Seiten der
Erzeugung die Schaffung neuer Strukturen benötigt", so Schönbauer.

Über Oesterreichs Energie

Oesterreichs Energie vertritt seit 1953 die gemeinsam erarbeiteten
Brancheninteressen der E-Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und
Öffentlichkeit. Als erste Anlaufstelle in Energiefragen arbeiten wir
eng mit politischen Institutionen, Behörden und Verbänden zusammen
und informieren die Öffentlichkeit über Themen der
Elektrizitätsbranche.

Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erzeugen mit knapp 21.000
Mitarbeitern mehr als 90 Prozent des österreichischen Stroms und
betreiben die Transport- und Verteilnetze Österreichs. Die
Stromproduktion der Mitglieder von Oesterreichs Energie erreichte
2010 rund 60 Milliarden Kilowattstunden, davon 60 Prozent aus
nachhaltiger Wasserkraft.

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