• 19.03.2013, 19:53:59
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Tiroler Tageszeitung vom 20. März 2013; Leitartikel von Michael Sprenger: "Straches Klotz am Bein"

Innsbruck (OTS) - Utl: Als FPÖ-Obmann Strache die Kärntner
Freiheitlichen wieder im Schoß der blauen Familie begrüßen konnte,
ließ er sich als Stratege feiern. Jetzt droht er, von den Trümmern
der auseinanderbrechenden Partei getroffen zu werden.

Immer dann, wenn bei den Freiheitlichen Parteifreunde zu diese
Herrschaften mutieren, droht sich die Partei einmal mehr zu spalten.
Und die jüngere Geschichte des Dritten Lagers ist reich an
Herrschaften. Die Spaltungs█geschichte spannt sich vom Liberalen
Forum über das BZÖ und ist nun bei den Kärntner Freiheitlichen
angelangt.
Doch im Unterschied zu dem vielleicht ernsthaften Versuch von
Heide Schmidt und Co., eine liberalere Note zu verfolgen, und
aufgrund der orangen Abspaltung unter Jörg Haider, um einen zweiten
Aufstand (nach Knittelfeld) gegen die seinerzeitige
Regierungsmannschaft zu verhindern, stellt sich das aktuelle
Spaltungskapitel anders dar. Vor allem für FPÖ-Obmann Heinz-Christian
Strache.
Denn er war es, der gemeinsam mit dem damaligen FPK-Obmann Uwe
Scheuch die Kärntner Freiheitlichen aus dem BZÖ herausbrach. Strache
ließ sich als Stratege feiern, beschädigte er doch die orangen
Herrschaften und riss sich zugleich die stärkste freiheitliche
Landesgruppe unter den Nagel. Damals, am 16. Dezember 2009, wurde
dieser Schachzug pathetisch gefeiert. "Willkommen daheim", begrüßte
Strache die alten Freunde aus Kärnten. Und Scheuchs Antwort: "Es tut
gut, wieder zu Hause zu sein."
Jetzt hatte Strache die Herrschaften in der Partei sitzen - und
mit ihnen die Kärntner Korruptionsskandale und die Machenschaften von
Haider und seinen Epigonen am Hals. Bis zum Wahltag am 3. März hoffte
Strache bei sich noch, mit einem blauen Auge aus der von ihm
eingefädelten Parteifusion herauszukommen. Eine glatte
Fehleinschätzung. Die FPK stürzte von 44 Prozent auf unter 20 Prozent
ab. Sie verlor nicht nur den Landeshauptmann, sondern ist drauf und
dran, auch noch den Klubstatus zu verlieren, weil drei Herrschaften,
die man einst so freudig begrüßte, jetzt ihr Mandat an█nehmen wollen.

Strache muss nun rasch eine Gegenstrategie entwerfen, will er nicht
mit diesem Klotz am Bein in den Nationalratswahlkampf humpeln. Und in
der Logik der FPÖ kann das nur heißen, dass man mit diesen
Herrschaften nichts mehr zu tun haben will. Der Unterschied zu den
bisherigen freiheitlichen Parteispaltungen ist nur, dass dieses Mal
Strache aktiv die Spaltung durchführen - und die Schwesterpartei
wieder aus dem Haus der Blauen ent█fernen muss. Derweil fliegen ihm
aber die Kärntner Trümmer, die er indirekt mitverursacht hat, um die
Ohren.

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