- 14.03.2013, 10:30:31
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Herzinsuffizienz: Telemedizinische Betreuung von Hochrisiko-Patienten soll Behandlung und Prognose verbessern
Wien/Graz (OTS) - Die telemedizinische Betreuung von Menschen mit
Herzinsuffizienz (HI, "Herzschwäche") mittels Mobil-Telefon
("Smartphone") und "Near Field Communication"-Technologie soll die
Überwachung der Patienten zu Hause verbessern, ihre Behandlung
optimieren, Verschlechterungen der Krankheit verhindern und damit
erneute stationäre Aufnahmen vermeiden. Mit INTENSE-HF (INtegrated
TElemonitoring and Nurse Support Evaluation in Heart Failure) startet
jetzt die bisher größte in Österreich durchgeführte Studie zur
Telemedizin bei HI. Diese Studie der MedUni Graz mit mehr als 300
Teilnehmern wird in Kooperation mit dem Ludwig Boltzmann Institut für
Translationale Herzinsuffizienzforschung (LBI.HF) durchgeführt.
Ein Schwerpunkt der Tätigkeit des LBI.HF ist die Versorgung von
HI-Patienten, die wegen einer Verschlechterung dieser Krankheit
soeben aus dem Krankenhaus entlassen wurden und ein sehr hohes
Sterberisiko haben. "Hier untersuchen wir neue Ansätze, z. B. in Form
einer telemedizinischen Betreuung", sagt LBI.HF-Direktor Univ.-Prof.
Dr. Burkert Pieske (Leiter der Klin. Abt. für Kardiologie an der
MedUni Graz, Präsident der Österreichischen Kardiologengesellschaft)
bei einem Pressegespräch in Wien. "Die mit Hilfe von Telemonitoring
möglich gewordene enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt soll
es ermöglichen, bei diesen Patienten so rechtzeitig gegen zu steuern,
dass eine neuerliche Verschlechterung der Krankheit verhindert werden
kann."
In der INTENSE-HF-Studie werden HI-Patienten unmittelbar nach der
Entlassung aus dem Krankenhaus in das Telemonitoring-System
aufgenommen. Sie bekommen ein Telemonitoring-Set mit
Blutdruckmessgerät, Körperwaage, Mobiltelefon und Symbolkarte und
werden eingeschult. Mit telemedizinischer Unterstützung übermitteln
sie täglich via Smartphone und "Near Field Communication"-Technologie
- mit ihr ist die Übertragung der Daten z. B. vom Blutdruckmessgerät
auf das Mobiltelefon ohne Zutun des Patienten möglich - ihre
Vital-Parameter (Blutdruck, Puls, Gewicht) und bestätigen die
Einnahme der ausgewählten kardioaktiven Medikamente an die
Monitoring-Zentrale. Die automatische Überwachung individueller
Grenzwerte führt bei Über- oder Unterschreitung zu einer Meldung an
den betreuenden Arzt zum Beispiel per E-Mail oder SMS.
"Eine neuartige Software analysiert die Daten und gibt dem
Studienarzt Hinweise zur weiteren Verbesserung der HI-Behandlung",
sagt Univ.-Prof. Dr. Friedrich Fruhwald (Key Researcher Telemedicine,
LBI.HF, Klin. Abt. für Kardiologie der MedUni Graz). "Ist zum
Beispiel der Puls an fünf von sieben aufeinanderfolgenden Tagen
erhöht, bekommt der Arzt den Vorschlag übermittelt, dass gemäß den
Guidelines der Europäischen Kardiologengesellschaft eine
Dosissteigerung des Betablockers überlegenswert wäre. Analoges gibt
es für den Blutdruck mit ACE-Hemmern, und für das Körpergewicht,
wobei hier vor allem auf rasche, innerhalb von zwei Tagen auftretende
Schwankungen reagiert wird." Ob der Arzt diese Empfehlung übernimmt
oder nicht, ist seine Entscheidung. Prof. Fruhwald: "Er muss diese
aber auf jeden Fall dokumentieren."
Feedback-Mechanismen und geschlossener Monitoring-Kreislauf
verbessern Compliance
Über das WEB-Interface kann die betreuende Person auch eine
persönliche Feedback-Nachricht verfassen und diese an das Endgerät
des Patienten übermitteln. Eine integrierte Lesebestätigung gibt dem
Betreuer die Gewissheit, dass die Nachricht beim Patienten angekommen
ist.
"Die Compliance ist für eine wirksame Therapie von Patienten mit
chronischen Erkrankungen sehr bedeutsam. Die Erfahrungen mit
Telemonitoring zeigen, dass Patienten die Vorteile eines
geschlossenen Monitoring-Kreislaufs verstehen und annehmen, was sich
in einer verbesserten Therapietreue ausdrückt", so Prof. Pieske. Im
Falle von fehlenden Werten kann die integrierte Erinnerungsfunktion
Patienten z. B. an die Einnahme von Medikamenten oder die
Durchführung von Übungen erinnern. Diese Erinnerungen werden am
Benutzerterminal grafisch und akustisch angezeigt.
Herzinsuffizienz - eine große Herausforderung für die moderne
Herzmedizin
HI stellt die moderne Herz-Medizin vor besondere
Herausforderungen. HI - in Österreich sind etwa 300.000 Menschen
daran erkrankt - beeinträchtigt die Lebensqualität massiv bis hin zur
Invalidität. 50 Prozent der Menschen mit der Diagnose HI sterben
innerhalb von 4 Jahren, über 50 Prozent der Menschen mit "schwerer"
HI innerhalb eines Jahres. Bei HI kommt es 6-mal bis 9-mal so häufig
zu einem tödlichen Herzstillstand, wie bei gesunden Menschen.
Erschwerend wirkt sich aus, dass es zwei Formen von HI gibt: Die
systolische HI, bei der die Pumpkraft vermindert ist, und die
diastolische HI, bei der sich das versteifte Herz nicht mehr mit Blut
füllt. Klinisch sind die beiden Formen nicht voneinander zu
unterscheiden. Typische Symptome sind Atemnot bei Belastung,
reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit, Wassereinlagerungen
(Ödeme), eventuell Herzrhythmusstörungen. Während Medikamente bei der
systolischen HI die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung
erhöhen können, gibt es bei der diastolischen HI - jeder zweite
HI-Patient leidet an dieser Form - bisher keine wirksamen
Medikamente.
Weil bei fortgeschrittener HI die Herztransplantation die einzige
Heilungsmöglichkeit ist, ist die Erforschung neuer Möglichkeiten zur
Früherkennung, Risikoabschätzung und Behandlung der HI von großer
Bedeutung. Diesen Aufgaben hat sich das LBI.HF verschrieben, ein in
dieser Art einzigartiges Forschungsinstitut. "Wir erforschen
erstmalig von der Zelle bis zum Menschen neue Wege zur Behandlung der
HI", so Prof. Pieske. "Das Spektrum unserer wissenschaftlichen Arbeit
reicht von der Erforschung der Ursachen der HI auf zellulärer und
molekularer Ebene über die Erforschung neuer Biomarker zur
frühzeitigen Erkennung der HI, bis hin zur Erforschung der Betreuung
zu Hause."
Zu diesem Zweck haben sich neben der Förder- und Trägerinstitution
der Ludwig Boltzmann Gesellschaft die Medizinische Universität Graz,
das Austrian Institut of Technology, Bayer HealthCare, die
Karl-Franzens-Universität Graz, die Steiermärkische
Gebietskrankenkasse, die Steiermärkische Krankenanstalten GmbH und
T-Mobile zusammengetan.
"Ausgezeichnetes Partnerschaftsmodell für innovatives
wissenschaftliches Arbeiten"
Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine private
Trägerorganisation für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zur
Förderung und Unterstützung von Grundlagen- und angewandter
Forschung. Leitgedanke der LBG ist es, geeignete Strukturen zu
schaffen, um gesellschafts- und wissenschaftsrelevante
Forschungsfragen zu adressieren. "Die LBG will Spitzenforschung auf
höchstem Niveau initiieren und ermöglichen, und dadurch den
Forschungsstandort Österreich stärken", so Dr. Peter Mayrhofer
(Bereichsleiter Medizin & Life Sciences, LBG). "Das tun wir, indem
wir forschende und forschungsanwendende Partner im Rahmen eines
tragfähigen Modells zu einem LBI zusammen führen. Wir sehen uns dabei
als Impulsgeber und Innovatoren, und schaffen dafür die optimalen
Rahmenbedingungen."
Die Forschung der LBG spannt den Bogen von der Grundlagenforschung
über die anwendende Forschung bis hin zu Forschungs- und
Entwicklungsarbeiten. Dieser translationale Ansatz ermöglicht einen
gegenseitigen Know-how-Fluss und eine starke Einbindung
forschungsanwendender Partner.
Pressefotos ab ca.13h: http://www.ots.at/redirect/bkkommunikation
Die vollständige Pressemitteilung mit weiteren Details ist unter
http://www.lbg.ac.at/aktuelles/telemedizin abrufbar.
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