AK präsentiert Fakten gegen die Verunglimpfung der Arbeitnehmer/-innen durch die Wirtschaftskammer

Linz (OTS) - "Die Wirtschaftskammer verbreitet in ihren Aussendungen ein Bild der oberösterreichischen Arbeitnehmer/-innen als "Drückeberger", die den Unternehmen Zeit stehlen. Die Arbeiterkammer OÖ (AK OÖ) weist das entschieden zurück.", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer "Die von der Wirtschaftskammer verwendeten Zahlen sind teilweise falsch, manchmal nicht nachvollziehbar oder auf fragwürdige Weise interpretiert."

Da behauptet die Wirtschaftskammer (WK) etwa, dass die Arbeitnehmer/-innen durchschnittlich 13,5 Arbeitstage krank seien. Diese Behauptung ist doppelt falsch: Erstens sind es 13,2 Tage. Zweitens werden die Krankenstandstage in Kalendertagen gezählt, die WK zählt aber als krank verbrachte Wochenenden zu den Arbeitstagen. Das WIFO stellte dazu im Fehlzeitenreport 2012 fest, dass im Schnitt die Zahl der verlorenen Arbeitstage etwa fünf Siebtel der Kalendertage ausmachen - statt 13,5 also 9,5 Tage! Auch berücksichtigt die WK das Ausmaß der Beschäftigung nicht. Eine Teilzeitbeschäftigte mit 15 Wochenstunden ist bei einer einwöchigen Grippe auch sieben Kalendertage krank - entfallene Arbeitstage sind es aber deutlich weniger.

"Hier wird mit falschen Darstellungen Stimmung gegen Kranke gemacht", sagt Kalliauer. Es wäre stattdessen höchst an der Zeit, die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass Menschen gar nicht krank werden.

Sogar kurze Kaffeepausen, um verschnaufen zu können, sind Zielscheibe der WK. Menschen sollen offensichtlich wie Maschinen getaktet werden. Viele Studien zeigen aber, dass die Arbeitsbelastungen enorm hoch sind. So auch der Arbeitsklimaindex und der Arbeitsgesundheitsmonitor von IFES und AK OÖ: Zeitdruck, hohe Verantwortung und Konzentration sind für jede Zweite/jeden Zweiten eine Belastung. "Diesen Kolleginnen und Kollegen zu unterstellen, sie würden Zeit unberechtigt privat verwenden statt zu arbeiten, ist der blanke Hohn!", ärgert sich Kalliauer.

Die WK stellt sogar die Produktivität der Arbeitsleistung der Arbeitnehmer/-innen in Frage. Dabei weist Österreich in internationalen Vergleichen unwiderlegbar hohe Werte auf, etwa beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, wo Österreich auf Platz acht rangiert, oder bei der Arbeitszeit, die bei Vollzeitbeschäftigten im Euroraum die vierthöchste ist. Die für internationale Vergleiche relevanten industriellen Lohn-Stück-Kosten sinken laut WIFO bei uns sogar. Ungerecht ist die Verteilung des Erwirtschafteten, denn die Lohnquote geht zurück, weil die Löhne hinter der Produktivität zurückbleiben. Geld, das stattdessen die Kassen der Unternehmen und Vermögenden füllt.

Forderungen der AK OÖ
Zurück zu sachlichen Debatten - es geht um Verbesserung der Arbeitsfähigkeit statt um kleinkarierter Kaffeepausenkontrolle.

Ernsthafte gemeinsame Sozialpartnerprojekte zur Lösung der Probleme (alternsgerechte Arbeitsplätze, Arbeitsplätze für Ältere und für Jugendliche mit Einschränkungen, Integration, Verhinderung von psychischen Erkrankungen, u.a.)

Evaluierung psychischer und körperlicher Belastungen am Arbeitsplatz, verpflichtende Umsetzung der erhobenen, notwendigen Veränderungen, Stärkung des Arbeitsinspektorats für effektive Kontrollen.

Bonus-Malus-System: wer krankmachende Arbeitsbedingungen nicht behebt, muss zahlen.

Verantwortung der Führungskräfte stärker fokussieren.

Arbeit fair teilen: kürzere Vollzeit, Abbau und korrekte Entlohnung der Überstunden, Verteuerung der Überstunden für das Unternehmen, mehr Mitbestimmung der Betriebsräte.

Gerechte Verteilung: höhere Löhne, Anhebung des kollektivvertraglichen Mindestlohns auf 1500 Euro; Schieflage im Steuersystem beseitigen.

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Tel.: (0732) 6906-2192
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