ÖGJ: Lehrlinge besser ausbilden, Betriebe stärker kontrollieren

Hohe Durchfallsquoten bei Lehrabschlussprüfung zeigen, wie notwendig Qualitätssicherung wäre

Wien (OTS/ÖGB) - "Einer von fünf Jugendlichen tritt erfolglos zur Lehrabschlussprüfung an. Die Durchfallsquote ist dermaßen hoch, dass wir nicht länger warten dürfen: Qualitätssicherung sofort", fordert Jürgen Michlmayr, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Regelmäßige Kontrollen der Ausbilderbetriebe, bessere Ausbildung der AusbilderInnen und auf die Lehrabschlussprüfungen anrechenbare Teilprüfungen im Laufe der Lehrzeit seien notwendig. "Offensichtlich schaffen es die Verantwortlichen in den Unternehmen ohne diese Maßnahmen nicht, rechtzeitig zu erkennen, wo die Defizite ihrer Lehrlinge liegen -oder es ist ihnen schlicht und einfach egal, ob sie zur Lehrabschlussprüfung antreten und mit welchen Erfolgschancen", so Michlmayr.++++

"Das Problem: Die duale Berufsausbildung ist der einzige Bereich im gesamten Bildungssystem, wo es nicht die geringste Spur von Qualitätssicherung gibt. Jeder Betrieb bildet aus, wie er möchte -die einen vorbildlich, die anderen nur in Kaffeekochen und Wurstsemmeln holen", sagt Michlmayr und fordert unter anderem die Schaffung eines Qualitätszentrums zur Kontrolle der Lehrausbildung sowie Teilprüfungen und eine elektronische Ausbildungsdokumentation nach standardisierten Vorgaben.

"Bildungsfundamente" rasch umsetzen

Auf einige richtige Schritte haben sich die Sozialpartner im "Bildungsfundamente"-Papier geeinigt, zum Beispiel dass Unternehmen, die länger als zehn Jahre keine Lehrlinge ausgebildet haben, neuerlich überprüft werden, sowie dass Lehrlinge über die Ausbildungsqualität befragt werden müssen. "Die Politik muss diese Forderungen jetzt zügig umsetzen", so Michlmayr.

Prüfung an Maschinen, die der Lehrling noch nie zuvor gesehen hat

Ein großes Problem sei, dass Lehrlinge in manchen Betrieben Hilfsarbeitertätigkeiten ausüben müssten, anstatt fachliche Kompetenz aufzubauen. Beispielsweise Elektriker-Lehrlinge, die die meiste Zeit Kabelschächte stemmen und Kabel ziehen, KFZ-Mechaniker, die Reifen und Öl wechseln. "Die kommen dann zur Lehrabschlussprüfung - und stehen zum Beispiel vor einer Fräsmaschine, die sie während der gesamten Ausbildung nie zu Gesicht bekommen haben", erzählt Michlmayr aus der Praxis.

Lehrstellenförderung an Qualität koppeln

Mit dem ÖGJ-Konzept für eine Fachkräftemilliarde will Michlmayr nicht nur die Finanzierung der dualen Berufsausbildung neu organisieren und die 80 Prozent Ausbildungsverweigerer unter den Unternehmen zurückholen, sondern auch die Qualitätssicherung auf neue Beine stellen. Die Lehrstellenförderung muss an qualitativ hochwertige Ausbildung gekoppelt werden. Mögliche Kriterien für Qualitätsförderung:

+ Teilprüfung
+ Elektronische Ausbildungsdokumentation nach standardisierten Vorgaben
+ Unabhängiges Qualitätsaudit ("Peer Review")
+ Fragebogen an die Lehrlinge eines Betriebes über die Ausbildungssituation mit Diskussion der Ergebnisse mit den Firmenverantwortlichen. Die Erstellung und Auswertung erfolgt durch den ÖGB und die Arbeiterkammer
+ Weiterbildung der AusbilderInnen
+ 100 Prozent Antrittsquote zur Lehrabschlussprüfung
+ Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung

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