ÖGB-Ruprecht: Kindergärten gegen Teilzeitfalle

70 Prozent der 25- bis 49jährigen Frauen mit Kindern unter 15 arbeiten Teilzeit

Wien (OTS/ÖGB) - ÖGB-Ruprecht: Kindergärten gegen Teilzeitfalle Utl.: 70 Prozent der 25- bis 49jährigen Frauen mit Kindern unter 15 arbeiten Teilzeit=

"Nach wie vor können Frauen mit Betreuungspflichten Kind und Karriere nicht vereinbaren. Viele können nur Teilzeit arbeiten, weil der Kindergarten zu Mittag zusperrt. Wir brauchen daher mehr Plätze in Kinderbildungseinrichtungen, und die Öffnungszeiten müssen sich nach dem Bedarf richten und nicht nach ideologischen Prinzipien mancher Politiker, wonach die Kinder am Nachmittag unbedingt zur Mutter gehören", fordert ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Brigitte Ruprecht.++++

Teilzeit ist weiblich

Laut Statistik Austria sind mehr als 70 Prozent der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt. Bei 38 Prozent der Frauen waren Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend. Damit Teilzeit nicht länger weiblich ist, müsse daher vor allem der Ausbau der Kinderbildungsangebote weiter forciert werden. "Das ermöglicht den Müttern, ihre beruflichen Qualifikationen voll einzusetzen, und davon profitieren nicht nur die Frauen selbst, sondern auch die gesamte Volkswirtschaft, und die Steuereinnahmen steigen", so Ruprecht.

"Wir wissen, dass die Karrierechancen sehr vom Ausmaß der Arbeitszeit abhängig sind. Solange qualifizierte Teilzeit und geteilte Führung in den Betrieben keine Selbstverständlichkeit sind, erleichtert nur Vollzeitbeschäftigung Frauen den beruflichen Aufstieg", sagt Ruprecht. Derzeit werden nicht nur Karrieren durch Teilzeitarbeit zerstört, auch die späteren Pensionen der heute Teilzeit arbeitenden sind natürlich viel geringer als nach einem Erwerbsleben in Vollzeitarbeit. Ruprecht: "In der Teilzeitfalle bleibt man ein Leben lang gefangen."

Kollektivverträge auch für freie DienstnehmerInnen

Ruprecht fordert zudem gesetzliche Maßnahmen zur besseren Absicherung der atypisch Beschäftigten. Diese sollen nach Kollektivvertrag entlohnt werden, denn die garantieren regelmäßige Einkommenserhöhungen über der Inflationsrate. "In einem Kollektivvertrag geregelte Entlohnung, Arbeitszeiten und vieles mehr müssen künftig auch für freie DienstnehmerInnen gelten. Dann zahlt es sich für Arbeitgeber nicht mehr aus, Menschen aus der Sicherheit echter Arbeitsverhältnisse hinauszudrängen", sagt die Vorsitzende der ÖGB-Frauen.

Von der Umgehung echter Arbeitsverhältnisse durch seltsame Konstruktionen sind alle Branchen betroffen, nicht nur die klassischen Bereiche wie Call-Center und Austräger von Werbematerial. So gibt es bereits Steuerberatungskanzleien mit lauter Ein-Personen-Gesellschaften oder Friseursalons, die praktisch den Friseurstuhl an Ein-Personen-Unternehmen vermieten.

1.500 Euro Mindestlohn/-gehalt umsetzen

Verbesserungen verlangt Ruprecht nicht nur für die atypisch Beschäftigten, sondern auch für die ArbeiterInnen und Angestellten:
"Das Einkommen der Frauen muss erhöht werden", fordert sie deshalb. Der Mindestlohn müsse auf 1.500 Euro erhöht, vor allem in den Niedriglohnbranchen müssten die Löhne kräftig angehoben werden. "Frauen brauchen ein Einkommen, mit dem sie auskommen. Niedriglöhne bedeuten nicht nur unmenschliche Lebensbedingungen, sie führen auch direkt zu Niedrigpensionen und damit zu Altersarmut", warnt Ruprecht.(kd/fk)

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