TIROLER TAGESZEITUNG vom 7. März 2013 von Anita Heubacher - Pille gegen Ärztemangel gesucht

Innsbruck (OTS) - Utl: Das Rezept der Landesregierungen dies- und jenseits des Brenners gegen den drohenden Ärztemangel lautete: die Errichtung einer Ausbildungsuniversität. Nun ist die Medical School für Südtirol und Rom gestorben.

An ebendieser Stelle wurde vor rund einem Monat über den Abgesang auf die Medical School geschrieben. Jetzt ist es so weit: Rom erteilt der Idee, Ärzte für die Landesteile Tirol, Südtirol und Trentino auszubilden, eine Absage. Die Südtiroler Landsregierung hat sie auf Eis gelegt. Der letzte Mohikaner ist Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Er glaubt nach wie vor an das Projekt. 2013 hätte die Medical School ihre Pforten an den bestehenden medizinischen Einrichtungen in Innsbruck, Hall und Bozen öffnen sollen. Nun ist das Projekt tot.
Als Plan B gegen den drohenden Ärztemangel führt Landesrat Tilg ins Treffen, dass zusätzliche Ausbildungsstellen an Tirols Spitälern errichtet würden. Nur ist die Frage, wer die antreten soll? Gab es früher Wartelisten für einen begehrten Ausbildungsplatz, wartet jetzt eher die Station auf einen Turnusarzt.
Im niedergelassenen Bereich sieht es in manchen Fächern nicht besser aus. Drei Viertel der Allgemeinmediziner gehen in den nächsten Jahren in Pension. Das Verhältnis zwischen Wahlärzten und Vertrags ärzten stimmt nicht. Die Frage ist nicht, wie viele Köpfe eingesetzt sind, sondern wie viel ein Arzt an Versorgungsleistung bringen kann. Viele Wahlärzte müssen weniger Patienten betreuen und verbringen mehr Zeit im Spital.
Es stimmt, Österreich hat im EU-Vergleich einen höheren Ärzteanteil pro Einwohner als vergleichbare Mitgliedsstaaten. Beim differenzierten Hinsehen macht sich dennoch ein Mangel in einigen Disziplinen bereits jetzt bemerkbar. Es gibt weniger Bewerber als früher für die Allgemeinmedizin. Drei Stellen sind in Tirol nach wie vor unbesetzt.
Was wir brauchen, sind realistische Konzepte, um dem Ärztemangel vorzubeugen. Dem Präsidenten der Ärztekammer, Artur Wechselberger, fällt dazu ein, die Ausbildungskapazitäten an der Medizinischen Universität zu erhöhen. Auch wenn die zusätzlichen Plätze nicht für Nord-, Südtiroler und Trentiner reserviert werden können, bleiben unterm Strich vielleicht mehr junge Ärzte hängen.
Im Bund wird zudem über die Ausbildung der Ärzte an den Spitälern nachgedacht. In Österreich durchlaufen Turnusärzte drei Jahre lang die Stationen im Spital. In Deutschland geht das weit rascher. Die Jungen wandern ab.
Wenn ein Konzept nicht verwirklichbar ist, muss der Fokus auf Alternativen gelenkt werden. Das vermissen Experten in Tirol.

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