- 06.03.2013, 20:55:18
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TIROLER TAGESZEITUNG vom 7. März 2013 von Anita Heubacher - Pille gegen Ärztemangel gesucht
Innsbruck (OTS) - Utl: Das Rezept der Landesregierungen dies- und
jenseits des Brenners gegen den drohenden Ärztemangel lautete: die
Errichtung einer Ausbildungsuniversität. Nun ist die Medical School
für Südtirol und Rom gestorben.
An ebendieser Stelle wurde vor rund einem Monat über den Abgesang auf
die Medical School geschrieben. Jetzt ist es so weit: Rom erteilt der
Idee, Ärzte für die Landesteile Tirol, Südtirol und Trentino
auszubilden, eine Absage. Die Südtiroler Landsregierung hat sie auf
Eis gelegt. Der letzte Mohikaner ist Tirols Gesundheitslandesrat
Bernhard Tilg. Er glaubt nach wie vor an das Projekt. 2013 hätte die
Medical School ihre Pforten an den bestehenden medizinischen
Einrichtungen in Innsbruck, Hall und Bozen öffnen sollen. Nun ist das
Projekt tot.
Als Plan B gegen den drohenden Ärztemangel führt Landesrat Tilg ins
Treffen, dass zusätzliche Ausbildungsstellen an Tirols Spitälern
errichtet würden. Nur ist die Frage, wer die antreten soll? Gab es
früher Wartelisten für einen begehrten Ausbildungsplatz, wartet jetzt
eher die Station auf einen Turnusarzt.
Im niedergelassenen Bereich sieht es in manchen Fächern nicht besser
aus. Drei Viertel der Allgemeinmediziner gehen in den nächsten Jahren
in Pension. Das Verhältnis zwischen Wahlärzten und Vertrags█ärzten
stimmt nicht. Die Frage ist nicht, wie viele Köpfe eingesetzt sind,
sondern wie viel ein Arzt an Versorgungsleistung bringen kann. Viele
Wahlärzte müssen weniger Patienten betreuen und verbringen mehr Zeit
im Spital.
Es stimmt, Österreich hat im EU-Vergleich einen höheren Ärzteanteil
pro Einwohner als vergleichbare Mitgliedsstaaten. Beim
differenzierten Hinsehen macht sich dennoch ein Mangel in einigen
Disziplinen bereits jetzt bemerkbar. Es gibt weniger Bewerber als
früher für die Allgemeinmedizin. Drei Stellen sind in Tirol nach wie
vor unbesetzt.
Was wir brauchen, sind realistische Konzepte, um dem Ärztemangel
vorzubeugen. Dem Präsidenten der Ärztekammer, Artur Wechselberger,
fällt dazu ein, die Ausbildungskapazitäten an der Medizinischen
Universität zu erhöhen. Auch wenn die zusätzlichen Plätze nicht für
Nord-, Südtiroler und Trentiner reserviert werden können, bleiben
unterm Strich vielleicht mehr junge Ärzte hängen.
Im Bund wird zudem über die Ausbildung der Ärzte an den Spitälern
nachgedacht. In Österreich durchlaufen Turnusärzte drei Jahre lang
die Stationen im Spital. In Deutschland geht das weit rascher. Die
Jungen wandern ab.
Wenn ein Konzept nicht verwirklichbar ist, muss der Fokus auf
Alternativen gelenkt werden. Das vermissen Experten in Tirol.
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