• 28.02.2013, 18:48:26
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DER STANDARD-Kommentar: "Bankerboni als Symbol für Einsicht" von Thomas Mayer

"Die Politik musste Limits für Managerprämien gegen viel Widerstand erzwingen"; Ausgabe vom 01.03.2013

Utl.: "Die Politik musste Limits für Managerprämien gegen viel
Widerstand erzwingen"; Ausgabe vom 01.03.2013 =

Wien (OTS) - Deal abgeschlossen! Die Begeisterung über eine Einigung
auf die Begrenzung von Bonuszahlungen für Bankmanager war den
Verhandlern in Brüssel anzumerken. Sie strahlten um die Wette.
Verständlich. Ihnen winkt nun zwar nicht mehr Geld, aber zumindest
eine politische Dividende in Form von Applaus durch die Mehrheit der
Wähler in praktisch allen Ländern der EU. Das kann man nicht gerade
von vielen Maßnahmen behaupten, die in EU und Eurozone in den
vergangenen Jahren zur Stabilisierung der Banken-, Finanz- und
Eurokrise beitrugen.
Die zum Teil abenteuerlichen Erfolgsprämien von Managern zu begrenzen
ist hingegen sehr populär. Das liegt nicht zuletzt daran, weil es sie
absurderweise sogar bei Misserfolgen gab bis hin zur Pleite von
Banken, die von Staaten mit milliardenschweren Hilfen gerettet werden
mussten.
Populär schließt im Fall der Bonus-Limits aber nicht aus, dass die
Maßnahme auch inhaltlich und politisch angemessen ist - obwohl die
Wirkung in der Praxis von vielen überschätzt wird. Denn die neuen
Obergrenzen stehen symbolhaft für die Einsicht, dass grenzenlose Gier
und Gewinnstreben nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre keinen
Platz in einer geordneten Gesellschaft mehr haben dürfen. Prämien zu
begrenzen bedeutet im Bankengeschäft schlicht und einfach, die
Risikobereitschaft der handelnden Personen zu dämpfen.
Mit Staatswirtschaft oder gar einem "Einkommensverbot", wie manche
behaupten, hat das gar nichts zu tun. Wie in der freien Wirtschaft
(zu Recht) üblich, können Banken ihren Angestellten auch in Zukunft
als Fixgehalt so viel zahlen, wie sie nur wollen. Nur sollen sie sie
nicht zum Zocken anstacheln dürfen, indem beim Lohn ein gefährliches
Übergewicht bei den Prämien entsteht; mit Entwicklungen, die am Ende
ganze Nationen ins Wanken bringen, weil der Bankensektor ein
Schlüsselfaktor für jegliches Wirtschaften ist.
Eine allzu große und breite Wirkung sollte man sich ohnehin nicht
erwarten: Zum einen werden die Banken auch unter einer strengen
EU-Richtlinie Wege zur Umgehung finden. Das wird vor allem im
EU-skeptischen und ausnahmebesessenen Großbritannien der Fall sein.
Zum anderen dürfte der Kreis jener Personen, die nun mit gravierenden
Einbußen zu rechnen haben, eher klein sein; in Österreich vielleicht
ein paar hundert Leute.
Ein Lob für die handelnden Politiker ist also angebracht,
insbesondere für die EU-Abgeordneten, die die treibende Kraft waren
und auch dann nicht lockerließen, als einzelne Regierungen aufgeben
wollten. Fast ein Jahr lang mussten die Vertreter von Kommission, Rat
der EU-Mitgliedsländer und Europaparlament darum ringen. Nicht
zuletzt deshalb hat sich das für die Risikominderung viel wichtigere
Projekt, die Eigenkapitalregeln für Banken gemäß der globalen Vorgabe
(Basel III) zu verschärfen, um ein Jahr verzögert. Lobbyisten der
Finanzwirtschaft, vor allem aber die britische Regierung als
"Gastgeber" eines der wichtigsten Handelsplätze der Welt in London,
ließen keine noch so kleine Gelegenheit aus, immer neuen Sand ins
Getriebe zu schütten. Die Verteidigung der Prämienparadiese für
Banker sei zuweilen wichtiger erschienen als die Frage, ob einzelne
Institute ein paar Milliarden mehr oder weniger fürs gesicherte
Eigenkapital aufbringen müssten, wurde berichtet. Ein Denkfehler, der
korrigiert wurde.

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