- 27.02.2013, 12:30:48
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GPA-djp-Jugend: Sozialpartnerpläne zur Bildungsreform sind mit Vorsicht zu genießen
Modell benachteiligt vor allem BMHS-AbsolventInnen, die damit ein Jahr später in den Arbeitsmarkt einsteigen würden
Utl.: Modell benachteiligt vor allem BMHS-AbsolventInnen, die damit
ein Jahr später in den Arbeitsmarkt einsteigen würden =
Wien (OTS/ÖGB) - "Wir sehen die heute von den Sozialpartnern
präsentierten Vorschläge für eine Bildungsreform mit einem lachenden
und mit einem weinenden Auge, sie sind mit Vorsicht zu genießen",
kommentiert der Jugendvorsitzende in der Gewerkschaft der
Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Florian
Hohenauer. Wesentlichste Neuerung und gleichzeitig schärfster
Kritikpunkt sei die geforderte, gemeinsame 9. Schulstufe für alle,
womit die BMHS erst in der 10. Schulstufe beginnen würden. "Das führt
natürlich dazu, dass zum Beispiel ein/e AbsolventIn einer HAK oder
einer HTL ein Jahr später in den Arbeitsmarkt einsteigen kann, was
einen Verlust in Bezug auf das Lebenseinkommen bedeutet", so
Hohenauer.
Das Sozialpartnermodell sieht außerdem ein Modell vor, wonach
AHS-AbsolventInnen innerhalb eines Jahres einen Lehrabschluss in
vorwiegend kaufmännischen Berufen nachholen können. "Auch wenn im
Papier die Rede davon ist, dass die Betroffenen nicht wie Lehrlinge
sondern wie Angestellte bezahlt werden müssen, stellt sich die Frage
nach der Einstufung", erklärt GPA-djp-Bundesjugendsekretär Helmut
Gotthartsleitner: "Aus unserer Sicht ist hier der Schaffung billiger
Arbeitsplätze Tür und Tor geöffnet. Auch wenn laut ÖGB nur eine
Minderheit von dieser Maßnahme profitieren würde, unseren Erfahrungen
nach kann diese Ausnahme sehr schnell zur Regel für die AHS
AbsolventInnen werden, die einen Berufseinstieg wagen. Außerdem
besteht ja schon jetzt die Möglichkeit einer verkürzten Lehrzeit,
wozu braucht es dann noch eine zweite Variante?"
Vorsicht geboten sei bei der Potenzialanalyse, die als Teil des
Bildungsportfolios in mehreren Bereichen des Papiers ein wesentliches
Element der Reformvorschläge darstellt. "Im Grunde kann es sich dabei
um ein brauchbares Instrument handeln, allerdings ist auch hier
Vorsicht geboten, wenn es um die konkrete Frage der Gestaltung geht.
Zu schnell kann ein solches Instrument zu einer selektiven Maßnahme
werden, auf deren Basis entschieden wird, ob jemand einen Lehrplatz
bekommt oder nicht", gibt Gotthartsleitner zu bedenken, der außerdem
fordert, dass die Potenzialanalyse so durchgeführt werden soll, dass
die SchülerInnen davon profitieren. "Es braucht keinen
Multiple-Choice-Test, sondern die Möglichkeit eines Feedbackgesprächs
mit den Betroffenen, das ihre Orientierung und der Selbstreflexion
unterstützt und damit der richtigen Entscheidung für die weitere
Ausbildung dient."
Durchaus positiv bewerten Hohenauer und Gotthartsleitner die im
Modell verankerten ersten Schritte zur Qualitätssicherung in der
Lehrausbildung (Überprüfung der Ausbildungseignung der Betriebe, neue
Kriterien für die Vergabe des "Staatlich ausgezeichneten
Lehrbetriebes", Antragsrecht für Lehrlinge, wenn es um eine Förderung
für den Vorbereitungskurs auf die Lehrabschlussprüfung geht): "Aber
auch hier wünschen wir uns als GPA-djp-Jugend mehr, diese Maßnahmen
gehen nicht weit genug. Wir fordern nicht umsonst seit Jahren eine
Offensive in Richtung Ausbildungsqualität, die diesen Namen auch
verdient! In diesem Sinne regen wir auch die Einführung eines
Benchmarksystems für die Lehrausbildung an, in dem auch dieser
Ausbildungszweig permanent hinsichtlich einer qualitativ hochwertigen
Ausbildung überprüft wird."
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