• 27.02.2013, 12:09:37
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Sozialpartner präsentieren zukunftsorientierte Bildungsreform

Gemeinsames Papier als Einstieg in Diskussion

Utl.: Gemeinsames Papier als Einstieg in Diskussion =

Wien (OTS/ÖGB) - Die Sozialpartner präsentierten heute gemeinsame
Vorschläge für eine zukunftsorientierte Bildungsreform mit dem
Schwerpunkt Reform der neunten Schulstufe. Österreich hat sich als
kleines Land eine hervorragende Position am Weltmarkt erarbeitet,
angesichts des demografischen Wandels steht das Berufsbildungssystem
in den kommenden Jahren allerdings vor großen Herausforderungen. Mit
ihrem Diskussionsbeitrag präsentieren die Sozialpartner Vorschläge,
wie einerseits die erforderliche Zahl der Fachkräfte sichergestellt
werden kann, und wie andererseits jungen Menschen optimale berufliche
Zukunftsperspektiven geboten werden können.

"Wir haben mit unserem Reformvorschlag einen Meilenstein für ein
ganzheitliches neues Bildungskonzept erarbeitet", betonte
Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, "und das zur rechten
Zeit, denn Bildung ist einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren für
die Zukunft unseres Landes im internationalen Wettbewerb der
Qualifikationen und Talente." Das derzeitige Schulsystem habe
durchaus seine Stärken, aber es schöpfe "nur" 60 Prozent der
Bildungsreserven der Kinder und Jugendlichen ab. "Mit unseren
Reformvorschlägen wollen wir diesen Prozentsatz deutlich steigern.
Dafür reichen unsere Ideen von der frühkindlichen Bildung, über die
intensive Unterstützung der Jugendlichen bei der Berufsentscheidung,
einer Neudefinition der neunten Schulstufe, einer Attraktivierung der
Systeme Lehre mit Matura sowie umgekehrt Matura und Lehre, einer
Erleichterung beim Zugange zum tertiären Sektor und damit verbunden
einer Aufwertung der Lehrabschlüsse sowie einer Implementierung von
Berufsakademien, bis hin zum lebensbegleitenden Lernen älterer
ArbeitnehmerInnen", so Leitl. Zentraler Punkt der Reform ist die
Durchlässigkeit aller Bildungswege. Leitl: "Schulische und berufliche
Ausbildung müssen künftig in alle Richtungen kombinierbar sein. Wir
haben mit diesem Reformpapier viel vorgelegt, jetzt kommt es auf die
rasche Umsetzung an."

AK-Präsident Herbert Tumpel verwies in seinem Statement auf die
derzeit noch hohen Verlustraten in den weiterführenden Schulen: In
der Handelsschule schließen nur 34 Prozent der AnfängerInnen ab, in
der AHS machen nur 66 Prozent der SchülerInnen der fünften Klasse
später die Matura, in den berufsbildenden Schulen schließen nur 55
Prozent mit Matura ab. "Deshalb haben wir den neuen Ansatz, dass
sämtliche weiterführenden Ausbildungen und Schulen erst nach einem
neu gestalteten neunten Schuljahr beginnen." Tumpel: "Es soll ein
Jahr der intensiven Berufsorientierung sein, und es soll die Chance
bieten nachzuholen, was jemand eventuell versäumt hat." Ziel sei,
dass alle Kinder einheitliche, gemeinsame Bildungsziele erreichen.
Tumpel hob die bisherigen positiven Reformschritte der
Bundesregierung im Bildungssystem hervor, etwa den Ausbau der
ganztägigen Schulen und die Umwandlung der Hauptschulen in Neue
Mittelschulen. Noch geht ihm freilich vieles zu langsam. Er freue
sich etwa über den Ausbau der ganztägigen Schulen. Er trete aber für
mehr echte Ganztagsschulen in der verschränkten Form von Unterricht,
Üben, Freizeit und Sport ein: "Das bringt bessere Ergebnisse."

"Bildung ist der Hauptfaktor, um Risiken wie Arbeitslosigkeit, Armut
und Ausgrenzung hintan zu halten", sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar.
Für eine kleine Volkswirtschaft wie Österreich sei Bildung auch ein
wesentlicher wirtschaftlicher Faktor. "60 Prozent der Menschen, die
in Österreich arbeiten, haben Fachausbildungen aus der dualen
Berufsausbildung oder BMHS, das ist die Basis unserer
wirtschaftlichen Erfolge." Ein Kernpunkt der Vorschläge sei es,
bereits in jungen Jahren mehr Grundsteine zu legen. "Wir wollen das
verpflichtende Kindergartenjahr auf ein zweites ausweiten, weil das
eines der wichtigsten Fundamente für die Kinder und Jugendlichen
ist." Auch die Lehre mit Matura müsse weiterentwickelt werden, das
erhöhe die Chancen der Jugendlichen. Das kostenlose Nachholen von
Pflichtschulabschlüssen sei wichtig, um Lebenslangen Lernen zu
ermöglichen, denn auch das würde die Möglichkeiten am Arbeitsmarkt
und die Chancen im Leben verbessern. "Wir brauchen einen
Paradigmenwechsel", sagte Foglar. "Im Großen und Ganzen haben wir ein
gutes Schulsystem, aber wir müssen morgen besser sein. Klar
definierte Bildungsziele und ein Abschluss müssen das Maß der Dinge
sein, um die Ausgangsbasis zu verbessern." Wesentliches Merkmal ist
Pflichtschulabschluss und nicht, ob man neun Pflichtschuljahre
absolviert. Es soll niemand mehr aus dem System kommen, der nicht in
der Lage ist eine Berufsausbildung zu bekommen." Die Qualität der
Lehrausbildung sei dem ÖGB ein besonders wichtiges Anliegen. "Wir
sind sehr gut, haben hervorragende Facharbeiter, es gilt aber auch
hier: Wir können besser sein." In manchen Branchen sei die
Durchfallsquote zu hoch, oder zu wenig Lehrlinge würden zur
Abschlussprüfung antreten. Hier muss man schon vorher eingreifen und
die Betriebe und Lehrlinge unterstützen, und beraten."

"Bildung ist auch für die LK Österreich der Schlüsselbegriff der
Zukunft", sagt August Astl, Generalsekretär der LKÖ. Die Land-und
Forstwirtschaft habe in den letzten Jahrzehnten einen massiven
Strukturwandel durchgemacht und daher sei es wichtig, dass das
Bildungsangebot gerade im ländlichen Raum noch besser genutzt werden
könne. Sehr viele bäuerliche Betriebe würden im Nebenerwerb geführt,
daher seien Zusatzqualifikationen notwendig und müssen auch angeboten
werden. "Dazu gibt es in den Bildungseinrichtungen der Land- und
Forstwirtschaft ein flächendeckendes Angebot für junge Bäuerinnen und
Bauern. Auch das Nachholen von Berufsbildungsabschlüssen im zweiten
Bildungsweg sei für die Menschen in der Landwirtschaft eine wichtige
Voraussetzung für deren Lebensqualität sowie für den wirtschaftlichen
Erfolg eines bäuerlichen Familienbetriebes. Nicht zuletzt ist die
Durchlässigkeit im Bildungssystem bis hin zu höheren Ausbildung und
damit auch für landwirtschaftliche Betriebsführerinnen und
Unternehmer eine im europäischen Wettbewerb wichtige Aufgabe und
Herausforderung", betonte Astl. Das duale Berufsausbildungssystem in
Österreich habe sicherlich sehr viel dazu beigetragen, dass die
Arbeitslosenrate im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in
Österreich sehr niedrig ist, unterstrich Astl.

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