FSG-Peschek: Nicht einmal 10 Prozent der Wiener Privatwirtschaft bildet Lehrlinge aus!

Berücksichtigung von Ausbildungsbetrieben bei Auftragsvergabe auch für Bund notwendig, Ausbildungsfonds gefordert.

Wien (OTS/FSG) - "Leider bilden in Wien nicht einmal 10 Prozent, nämlich nur mehr 8,5 Prozent der Betriebe in der Privatwirtschaft Lehrlinge aus, Ein-Personenunternehmen sind in dieser Statistik bereits herausgerechnet. Konkret geben von den übrigbleibenden 41.372 aktiven Wirtschaftskammerbetrieben in Wien nur 3.528 auch Jugendlichen eine Chance zur Berufsausbildung. 13.348 der derzeit insgesamt 19.078 Wiener Lehrlinge werden in Wirtschaftskammerbetrieben ausgebildet. Über ein Viertel wird bereits im Rahmen der Wiener Ausbildungsgarantie bei der Stadt Wien sowie in Tochterunternehmungen und in den überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen ausgebildet, aber auch im öffentlichen Dienst, bei Sozialversicherungen etc. Deutlicher kann man die fehlende Ausbildungsverantwortung großer Teile der Wirtschaft und die wesentliche Rolle der Wiener Ausbildungsgarantie, die dieses Manko wettmacht, wirklich nicht unterstreichen!", betont Christoph Peschek, Wiener Jugendvorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG).++++
Im Langzeitvergleich seien diese Zahlen alarmierend, denn 1980 wurden in der Wiener Privatwirtschaft noch 29.776 Lehrlinge ausgebildet, 1990 immerhin noch 20.741, so Peschek weiter: "Statt ständig die Verantwortung wegzuschieben und neue Ausreden zu suchen, muss die Privatwirtschaft endlich in die Pflicht genommen werden. Fachkräfte fallen nicht vom Himmel, sondern sie müssen ausgebildet werden! Daher fordern wir das Wiener Modell der Berücksichtigung von Ausbildungsbetrieben bei der öffentlichen Auftragsvergabe auch auf Bundes- und EU-Ebene sowie die Einführung eines echten Ausbildungsfonds, wie dieser beispielsweise bereits im Baugewerbe oder in der Vorarlberger Metall- und Elektroindustrie existiert. Die Wirtschaft braucht Fachkräfte und Jugendliche wiederum eine gute Ausbildung, damit sie ein selbstbestimmtes Leben in Würde führen können!", so Peschek.
Speziell die FPÖ-ÖVP Bundesregierung habe nahezu jeden Wunsch der Firmenbosse erfüllt, doch die versprochenen neuen Lehrstellen sind trotz gegenteiliger Versprechungen ausgeblieben. So erhielten die Betriebe Bonuszahlungen, weil Lehrlinge angeblich zu teuer sind. Und der Wunsch der Betriebe, Lehrlinge leichter loswerden zu können, wurde durch massive Lockerungen im Lehrlingsrecht erfüllt, kritisiert Peschek, dass man trotz der rückläufigen Entwicklung der Lehrstellen mit diesen falschen Maßnahmen nun meine, dass offenbar die Jugendlichen zu dumm sind: "Dagegen verwehren wir uns massiv! Selbstverständlich braucht es grundlegende Bildungsreformen wie die seit Jahrzehnten geforderte gemeinsame und ganztägige Schule, doch sollte man auch die Talente der jungen Menschen zur Kenntnis nehmen!" Vor allem die Mehrsprachigkeit und der professionelle Umgang Jugendlicher mit neuen Technologien und mit dem Web 2.0 werde oft unterschätzt. "Umso mehr bedanke ich mich bei jenen Betrieben, die sich tatsächlich um eine gute Lehrausbildung bemühen und den Jugendlichen eine Chance geben", so der Junggewerkschafter.
"Wir müssen heute die Grundsatzfrage beantworten, ob die Wirtschaft für den Menschen da ist oder umgekehrt. Alle Jugendlichen sind es wert, eine bestmögliche Ausbildung zu erhalten und dabei ist auch besonders die Wirtschaft gefragt. Statt ausschließlich auf den nächsthöheren Gewinn zu schielen, sollte auch die soziale Verantwortung nicht zu kurz kommen. Schließlich wird in Wien der Anteil an Personen unter 19 Jahren von gegenwärtig 340.087 bis zum Jahr 2025 auf 388.422 wachsen, sie alle verdienen echte Zukunftsperspektiven und auch die Möglichkeit einer qualitativ hochwertigen Lehrausbildung! Daher freut es mich, dass auch in der ÖVP und der Wirtschaft Unterstützung für unsere Forderung nach einem Ausbildungsfonds kommt", so Peschek abschließend: "So meinte erst kürzlich ÖVP-Gemeinderätin Isabella Leeb, dass eine Ausbildungsumlage, wie sie beispielsweise die Bauwirtschaft hat, ein guter Ansatz ist. Damit wird ein Ausgleich geschaffen zwischen Betrieben, die ausbilden, und denen, die das nicht tun. Bleibt zu hoffen, dass diese vernünftige Einsicht zu einer raschen Umsetzung führt!".

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