• 22.02.2013, 10:09:00
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AK schlägt Alarm: Mehr als 400.000 arbeiten für Mini-Löhne. Frauen, schlecht Ausgebildete und Junge besonders betroffen

Linz (OTS) - Immer mehr Menschen müssen für Löhne arbeiten, von denen
sie kaum leben können. Mehr als 400.000 Beschäftigte in Österreich
bekommen einen Bruttostundenlohn, der unter der Niedriglohnschwelle
liegt. Besonders betroffen sind Menschen mit geringer Ausbildung,
Frauen und Junge. "Diese Tendenz müssen wir stoppen - mit
Investitionen, einem Qualifizierungsschub und einer Anhebung des
Mindestlohns auf 1500 Euro", fordert AK-Präsident Dr. Johann
Kalliauer.

Im Euroraum und in Österreich waren 2010 laut Eurostat rund 15
Prozent der Produktions- und Dienstleistungsbeschäftigten (ohne
öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung)
Niedriglohnempfänger/-innen. Das bedeutet, dass der Lohn pro Stunde
(ohne Zahlungen für Überstunden) nur zwei Drittel oder weniger des
Medianlohns ausmacht (Median = je die Hälfte verdient mehr bzw.
weniger). 2010 betrug die Niedriglohnschwelle in Österreich 8,6 Euro
pro Stunde. Bei den Geringqualifizierten ist jeder/jede Dritte
betroffen, bei den Arbeitnehmerinnen und bei den Jungen jede/jeder
Vierte.

"Unternehmen und Politik müssen mehr für Einkommensgerechtigkeit
tun und in eine Zukunft mit guten Arbeits- und Entlohnungsbedingungen
investieren", so der AK-Präsident. Wichtig wäre auch ein Mindestlohn
von 1500 Euro.

Öffentliche Gelder sollen nur an jene Betriebe gehen, die
nachweislich qualitative Kriterien erfüllen. Die Arbeiterkammer denkt
dabei speziell an die Jugend und die Frauen: So sollten öffentliche
Aufträge und Förderungen nur jene Betriebe bekommen, die Jugendliche
mit Unterstützungsbedarf fördern, aktiv für Gleichstellung sorgen
oder ökologische Maßnahmen setzen. Auf diese Weise soll der Anteil
der Jugendlichen ohne Ausbildung auf unter zehn Prozent gesenkt, mehr
Geschlechtergerechtigkeit erreicht und eine sozial-ökologische
Entwicklung in Schwung gebracht werden.

Die besorgniserregenden Niedriglohn-Fakten:
- Der Anteil der Niedriglohnempfänger/-innen erhöhte sich in
Österreich zwischen 2006 und 2010 von rund 14 auf 15 Prozent
(Euroraum: von 14,4 auf 14,8 Prozent).

- Auffällig hoch sind das Ausmaß und der Anstieg bei den
Beschäftigten mit maximal Pflichtschulabschluss: Mit 35 Prozent ist
mehr als jede/jeder dritte Geringqualifizierte betroffen, 2006 waren
es "nur" knapp 30 Prozent. Im Euroraum betragen die Vergleichswerte
28 bzw. 23 Prozent.

- Auch bei den Frauen hat Österreich mit 25 Prozent einen
überdurchschnittlich hohen Niedriglohnanteil (Euroraum: 19 Prozent).

- Von den Unter-30-Jährigen müssen mehr als 24 Prozent für einen
Niedriglohn arbeiten (Euroraum: knapp 28 Prozent).

- Am meisten verbreitet sind Niedriglöhne in der Beherbergung und der
Gastronomie, wo 61,5 Prozent (mehr als 100.000 Beschäftigte)
betroffen sind. Im Handel ist ein Fünftel betroffen, das sind auch
mehr als 100.000 Arbeitnehmer/-innen.
(Quelle: Eurostat, AK-OÖ-Eigenberechnungen)

Grafik: Welche Branchen zahlen am schlechtesten?
http://www.arbeiterkammer.com/online/arbeiten-fuer-mini-loehne-71620.
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