• 12.02.2013, 07:00:32
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Krebs: Viel zu wenige Strahlentherapiegeräte in Österreich

ÖÄK warnt: Lange Wartezeiten können lebensgefährlich sein

Utl.: ÖÄK warnt: Lange Wartezeiten können lebensgefährlich sein =

Wien (OTS) - Wer in Österreich an Krebs leidet, kann sich nicht in
jedem Fall auf eine zeitgerechte, dem westeuropäischen Standard
entsprechende strahlentherapeutische Versorgung verlassen. Diesen
Schluss zieht die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) aus einer vor
Kurzem im renommierten Fachjournal "Lancet Oncology" veröffentlichten
Studie.

Bestrahlungen gelten neben chirurgischen Eingriffen als
zweitwichtigste, heilende Methode in der moderen Krebstherapie. Mit
Verweis auf die geplanten Einsparungen im Zuge der Gesundheitsreform
erklärte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger am Dienstag in einer
Aussendung: "Österreich ist derzeit im Begriff, die teuer und
aufwändig erzielten Erfolge der Krebsfrüherkennung wieder zu
verspielen, weil viele Patienten aufgrund mangelnder Infrastruktur zu
lange auf eine Bestrahlung warten müssen."

Strahlentherapie ist hoch effektiv, "lohnt" sich aber nicht

Jährlich erkranken in Österreich fast 37.000 Menschen an Krebs, etwa
18.000 davon benötigen insgesamt rund 23.000 Strahlenbehandlungen.
Die moderne Strahlentherapie ist höchst effizient in der Bekämpfung
von Tumoren und deren Symptomen wie etwa Schmerzen, hat aber in der
Regel wenig Nebenwirkungen.

Derzeit gibt es österreichweit nur 43 so genannte Hochvoltgeräte zur
strahlentherapeutischen (radioonkologischen) Behandlung. Die nun
veröffentlichte europaweite Studie bescheinigt Österreich einen
Bedarf an mindestens 54 Geräten, berücksichtige aber noch nicht den
aktuellen Stand der Technik, betont der Obmann der Bundesfachgruppe
Strahlentherapie in der ÖÄK, Robert Hawliczek: "Für eine Versorgung
krebskranker Österreicher auf westeuropäischem Standard fehlen uns
jetzt bereits 19 Hochvoltgeräte."

Obwohl 80 Prozent der radioonkologischen Behandlungen ambulant
erfolgen, sind sie in Österreich nur im Spital verfügbar. Im
Gegensatz zur ambulanten Chemotherapie ist ambulante Bestrahlung aber
nicht verrechenbar. "Die Gerätekosten einer Strahlentherapie sind mit
500 Euro pro Patient verschwindend gering, gleichzeitig sind die
Heilungschancen sehr hoch. Strahlentherapie ist daher auch
volkswirtschaftlich sinnvoll. Den Spitalserhaltern kommt sie
allerdings teuer, daher haben sie aus betriebswirtschaftlichen
Gründen kein Interesse daran, die Hochvoltgeräte und Infrastruktur
auszubauen", sagt Radioonkologe Hawliczek. Die Folge sind wochenlange
Wartezeiten, was für Krebskranke unter Umständen lebensgefährlich
sein kann. "Das Beispiel Radioonkologie zeigt, welche Folgen es für
Patienten haben kann, wenn die Gesundheitspolitik Entscheidungen
trifft, ohne auf die fachärztliche Expertise zu hören", pflichtet
Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger bei.

Verländerung gefährdet Versorgung

Wechselberger und Hawliczek orten das Hauptproblem in den
Eigeninteressen der Länder. Hawliczek: "Wir brauchen dringend einen
bundesweiten wissenschaftlich untermauerten Versorgungsplan mit
verbindlichen Qualitätskriterien, aber die Länder bekämpfen und
unterlaufen die ohnehin schon minimalistischen Bundesvorgaben." Mit
größter Mühe habe man beispielsweise in Wien verhindern können, dass
Hochvoltgeräte abgebaut würden. Trotz des belegbaren Bedarfes
streicht die Stadt nun alle Betten für Patienten, die eine riskante
Therapie brauchen oder bei denen die radioonkologische Behandlung aus
medizinischen Gründen nicht ambulant erfolgen kann. Ausgenommen wurde
nur das AKH.

"Abgesehen davon, dass diese Patienten jetzt unzumutbar lange warten
müssen, ist es auch unverantwortlich künftigen Betroffenen gegenüber:
Wie sollen denn angehende Fachärzte moderne Krebsbehandlungen
erlernen, wenn der stationäre Teil des Fachspektrums vollständig
fehlt?", empört sich Hawliczek. Verschärft werde die Situation in
Wien dadurch, dass Niederösterreich nur vier Hochvoltgeräte hat.
Daher müssten manche Wiener Spitäler bis zu 40 Prozent
niederösterreichischer Patienten mitbetreuen.

Überregionale Planung gefordert

Dass es auch anders geht, zeigt etwa das Beispiel Wiener Neustadt:
Hier wird ein Gerät vom Burgenland finanziert, das selbst über keines
verfügt. ÖÄK-Präsident Wechselberger verweist auch auf die
Universitätsklinik in Innsbruck, deren Radioonkologie-Zentrum sogar
kleinere Einheiten in Südtirol betreue. Dieses Satellitenmodell
funktioniere seit Jahren sehr gut. Die Österreichische Ärztekammer
fordert daher:

█ Überregionale Planung der radioonkologischen Versorgung von
Krebspatienten nach objektiven westeuropäischen Standards.

█ Alternative Versorgungsmodelle wie z.B. die Etablierung von
Versorgungsregionen mit je einem Zentrum (mit genügend Kapazitäten
für stationäre Behandlungen) und eventuell dezentralen patientennahen
Satelliteneinheiten

█(in einer auf den regionalen Bedarf abgestimmten Anzahl) bzw. auch
Versorgung durch niedergelassene Radioonkologen.

█ Länderübergreifende Finanzierung von Hochvoltgeräten und
qualifiziertem Personal (Ärzte, Pflegekräfte), um lokale Engpässe zu
vermeiden.

█ Definition der Mindestausstattung von radioonkologischen Zentren
(Erweiterung der Strukturqualitätskriterien des Österreichischen
Strukturplans Gesundheit nach westeuropäischen Standards inklusive
stationärer Versorgung).

█ Einführung einer angemessenen Honorierung von ambulanter
Strahlentherapie im System der Leistungsorientierten
Krankenanstaltenfinanzierung.

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