Jedes von Gewalt traumatisierte Kind braucht psychotherapeutische Behandlung - Psychosoziale Langzeitschäden ansonsten unvermeidlich

Wien (OTS) - Frühzeitige Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen, die Gewalt erfahren haben, kann schwerwiegende Folgenschäden vermeiden.

Ein Fallbeispiel - psychosoziale Folgeschäden

24-jährige Mutter, drei Kinder, als Kind vom Stiefvater misshandelt und geschlagen. Frau M. lebt mit ihren drei Kindern im Mutter-Kind-Wohnheim. Eine Reihe von Gefährdungsaspekten, die ihre Kinder betreffen - Misshandlungsverdacht, Vernachlässigung, Mangelernährung, mangelnde Hygiene, häufiger Partnerwechsel bei der Mutter etc. - haben zur Unterbringung geführt. Geprüft wird, ob Frau M. ihre Kinder künftig selbst versorgen kann. Frau M. leidet selbst an typischen mit Gewalterfahrung in der Kindheit assoziierten psychischen und sozialen Problemen: Depressionen, Ängste, mangelnde Stressresistenz, Panikattacken, Flashbacks. Frau M. lernt beständig Männer kennen, die ein Abbild ihres Stiefvaters sind. Sie haben Alkoholprobleme und sind gewalttätig. Darüber hinaus bestehen große Schwierigkeiten in der sozioökonomischen Entwicklung, die Berufsausbildung wurde abgebrochen, Frau M. hat ihre Wohnung verloren und gravierende finanzielle Probleme belasten sie. (Vgl. Robert Koch Institut: Gesundheitliche Folgen von Gewalt, 2008)

Rechtzeitiger Kinderschutz und Psychotherapie helfen

Neben geeigneten Jugendwohlfahrts- und Kinderschutzmaßnahmen hätte eine frühzeitige Psychotherapie - je früher, umso Erfolg versprechender - psychische Schäden bei der jungen Mutter und psychisch-soziale Folgeschäden in ihrem Umfeld (bei ihren Kindern) gering halten können.

Diese Mutter hätte als Krankenversicherte in Österreich ein gesetzlich verbrieftes Recht auf psychotherapeutische Behandlung. Dieser im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) festgeschriebene Versorgungsauftrag wird von den Kassen aber seit 1992 nicht verwirklicht. Im Gesundheitswesen wird daher vielfach immer dringender gefordert:

- die Kontingentierung für kassenfinanzierte Psychotherapie-Stunden umgehend aufzuheben und einen österreichweit einheitlichen Versorgungsvertrag für psychotherapeutische Krankenbehandlung abzuschließen;

- den seit 1992 eingefrorenen Kostenzuschuss zur Psychotherapie sofort auf EUR 40 anzuheben.

Eklatante Kluft zwischen Versorgung und Bedarf an Kinderpsychotherapieplätzen - Beispiel Salzburg und Tirol

Nach einer kürzlich erfolgten Kontingent-Aufstockung der SGKK können nun bis zu 800 Kinder und Jugendliche Psychotherapie als Sachleistung erhalten. Auch den 20%ige Selbstbehalt hat die SGKK abgeschafft. Soweit die positive Entwicklung.
Der Bedarf liegt in Salzburg aber bei jährlich etwa 6.500 Kindern und Jugendlichen, die dringend Psychotherapie brauchen.
In Tirol wurden im Jahr 2011 872 Kinder und Jugendliche psychotherapeutisch behandelt. Der Bedarf liegt bei etwa 3.210 Kindern und Jugendlichen.
Ähnliche Versorgungslücken bestehen in ganz Österreich.

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