- 29.01.2013, 12:00:33
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Weltkrebstag 4.2.2013 - "Krebshilfe fordert einen nationalen Schulterschluß"
Wien (OTS) - Der diesjährige Weltkrebstag am 4. Februar wird weltweit
unter dem Motto "Krebs - Wussten Sie ..." begangen. Erklärtes Ziel
ist es, mit den 4 häufigsten Mythen rund um das Thema Krebs
aufzuräumen und die Bevölkerung und die Politik über Fakten und
notwendige Schritte zu informieren.
Mythos 1: Krebs ist eine reine Gesundheitsfrage
Faktum: Krebs ist keine reine Gesundheitsfrage. Abgesehen von dem
Schock der Diagnose, der verständlichen Angst um die Gesundheit und
dem menschlichen Leid, hat eine Krebserkrankung fast immer auch
weitreichende wirtschaftliche und soziale Auswirkungen für
PatientInnen, Angehörige, Arbeitgeber, Arbeitnehmer,
Gesundheitssystem (z.B. Jobverlust, vorzeitige Pensionierung,
Pflegebedarf, unzureichende Sozialversicherung bei Selbständigkeit
etc.).
Mythos 2: Krebs ist eine Erkrankung älterer Menschen
Faktum: Krebs trifft Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere
Menschen. Jährlich erkranken in Österreich etwa 37.000 Menschen an
Krebs. Bei Männern treten 16% aller Krebserkrankungen vor dem 55.
Lebensjahr auf, bei Frauen sind es 23%. Es zeigt sich zwar eine
deutliche Zunahme des Erkrankungsrisikos mit steigendem Alter,
dennoch gibt es Krebsarten, die vorwiegend Kinder und junge Menschen
treffen (z.B. Leukämie, Krebserkrankungen des lymphatischen Systems).
Mythos 3: Krebs ist ein Todesurteil
Faktum: Viele Krebsarten, die noch vor Jahren einem Todesurteil
gleich kamen, können heute aufgrund von implementierten
Früherkennungsprogrammen und Fortschritten in der Therapie geheilt
werden oder das Leben der PatientInnen maßgeblich bei bestmöglicher
Lebensqualität verlängert werden.
Mythos 4: An Krebs zu erkranken ist Schicksal
Faktum: Es gilt als erwiesen, dass 1/3 aller Krebserkrankungen
durch entsprechende Maßnahmen vermieden werden könnten. Unter diese
Maßnahmen fallen:
Gesunder Lebensstil. Ein gesunder Lebensstil (gesunde Ernährung,
verantwortungsvoller Konsum von Alkohol, ausreichend Bewegung, Sonne
ohne Reue) kann das Risiko einer Krebserkrankung reduzieren.
Nicht Rauchen. Rund eine Milliarde Menschen wird im 21.
Jahrhundert durch das Rauchen ihr Leben verlieren. Es ist erwiesen,
dass Rauchen für 71% aller Lungenkrebs-Todesfälle und 22% aller
anderen Krebs-Todesfälle verantwortlich ist.
Infektionen. Jede sechste Krebserkrankung weltweit wird von
Infektionen verursacht, die größtenteils vermeidbar oder behandelbar
wären. Vor allem Infektionen durch Humane Papillomaviren (HPV),
Bakterien wie Helicobacter pylori oder Hepatitis B- und C-Viren (HBV
und HCV).
Früherkennung von Krebs.
Es ist erwiesen, dass Krebsfrüherkennungs-Programme wie das
"Brustkrebs-Screening" oder "Dickdarm-Screening" in jenen Ländern, in
denen diese Programme bereits etabliert sind, beachtliche Erfolge
erzielen.
Ztwl.: Österreichische Krebshilfe fordert einen nationalen
Schulterschluß
Die Österreichische Krebshilfe appelliert an alle
Verantwortlichen: "Die Fakten liegen auf dem Tisch: ein Drittel aller
Krebserkrankungen sind vermeidbar. Wir brauchen einen
überparteilichen, nationalen Schulterschluß, um alle Vorkehrungen zu
schaffen, rasch jene Programme einzuführen, die sich in anderen
Ländern bereits bewährt haben, " so Krebshilfe Präsident Univ. Prof.
Dr. Paul Sevelda.
1. Nationale Programme zur Früherkennung von Brust- und Darmkrebs
Es ist ein "Meilenstein" im heimischen Gesundheitswesen, dass nun
endlich im Herbst 2013 das nationale
Brustkrebs-Früherkennungsprogramm eingeführt wird. "Ganz wesentlich
wird sein, dass Frauen in ganz Österreich über die Einführung dieses
Programmes informiert UND motiviert werden, daran teilzunehmen," so
Sevelda. Unumstritten ist auch die Wichtigkeit eines nationalen
Darmkrebs-Früherkennungs-programmes. "Wir hoffen sehr, dass dies
ebenfalls bald Realität wird, denn die Darmspiegelung ab dem 50.
Lebensjahr kann Darmkrebs weitgehend vermeiden".
2. HPV-Impfung in nationalen Impfplan aufnehmen
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die HPV-Impfung in ihre
allgemeinen Impfempfehlungen aufgenommen. Österreich ist das einzige
Land Europas (EU 17), in dem es bis heute noch kein öffentliches
HPV-Impfprogramm gibt oder ein solches beschlossen wurde. Daher gibt
es auch keine österreichweite Regelung, was etwaige Zuschüsse zur
Impfung betrifft. "Es ist uns völlig unverständlich, warum dies in
Österreich noch nicht möglich ist. Wir appellieren daher seit Jahren
wiederholt an die politisch Verantwortlichen, ein öffentliches und
österreichweites HPV-Impfprogramm einzuführen," so Sevelda.
3. Krebs darf nicht in die Armutsfalle führen
KrebspatientInnen müssen davor geschützt werden, durch die
Erkrankung unverschuldet in finanzielle Not zu geraten. Dazu gehört
u.a. auch die Einführung eines stufenweisen Wiedereinstieges in das
Arbeitsleben nach Krebs. In Österreich ist für KrebspatientInnen der
berufliche Wiedereinstieg so geregelt, dass sie sofort wieder voll
(100% der Normalarbeitszeit) zu arbeiten haben. In anderen Ländern
ist es möglich, stufenweise (über prozentuelle Arbeitszeit wie 30%,
50% etc.) wieder ins Arbeitsleben zurückzufinden, was die Gewöhnung
an die Beanspruchung erleichtert und verhindert, dass der
Arbeitnehmer womöglich schnell wieder ausfällt. "Man könnte den
Eindruck gewinnen, dass Krebspatienten oft absichtlich einem
"Dschungel" an Bürokratie ausgesetzt werden," so Gabriela Mausser,
Sprecherin der Krebshilfe-Beraterinnen. "Wie soll denn bitte
beispielsweise ein Darmkrebspatient mit externem Darmausgang seinem
Beruf als Lagerarbeiter sofort wieder zu 100% nachgehen? Es ist doch
verständlich, dass hier ein Antrag auf Berufsunfähigkeit eingebracht
wird. Bis zur Entscheidung über den Antrag vergehen oft Monate. Wovon
soll der Patient in der Zwischenzeit leben?" kritisiert Mausser. "Es
braucht daher klare Regelungen zum stufenweisen Wiedereinstieg ins
Berufsleben nach Krebs," fordern die Krebshilfe-Beraterinnen.
Leben retten - Geld sparen
895 Milliarden Dollar - so hoch beziffert eine Studie aus 2010 die
wirtschaftlichen Folgen von Krebs (für 2008). "Damit ist Krebs - auch
aus wirtschaftlicher Sicht- ein weltweit sehr vielfältiges
gesundheitliches Problem", zeigt Krebsexperte Univ.Prof.Dr. Christoph
Zielinski auf. "Wenn wir also alles erdenklich Mögliche tun, um
Krebserkrankungen zu vermeiden oder frühest möglich zu erkennen und
bestmöglich zu therapieren, dann können wir Menschenleben retten und
"sparen". Dazu bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung und dem
nationalen und überparteilichen Schulterschluß, in die Vermeidung von
Krebs, die Früherkennung, modernste Therapien und die Forschung zu
investieren," appelliert Zielinski.
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