• 28.01.2013, 09:20:28
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MedUni Wien: Auch das Gehirn von Menschen mit Angstzuständen kann sich an Angst gewöhnen

Wien (OTS) - Angst ist eine überlebensnotwendige Schutzfunktion vor
möglichen Gefahren. Im Fall einer Angststörung wird diese positive
Wirkung außer Kraft gesetzt: Sozialphobie-PatientInnen ängstigen sich
vor ganz normalen, sozialen Situationen im Alltag, weil sie fürchten,
sich unpassend zu verhalten oder von anderen für dumm gehalten zu
werden. WissenschafterInnen vom Zentrum für Medizinische Physik und
Biomedizinische Technik und der Universitätsklinik für Psychiatrie
und Psychotherapie der MedUni Wien haben nun herausgefunden, dass
dieses Angstnetzwerk zumindest teilweise deaktiviert werden kann.

In der aktuellen, im Magazin PLOS One veröffentlichten, Studie von
Ronald Sladky unter der Leitung von Christian Windischberger (Zentrum
für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik) wurden mit Hilfe
der funktionellen Magnetresonanztomographie die Änderungen der
Gehirnaktivität von Sozialphobie-PatientInnen und gesunden
ProbandInnen gemessen, während sie Gesichter betrachteten. Dieses
Experiment simuliert die soziale Konfrontation mit anderen Menschen,
ohne die Person tatsächlich in eine für sie unerträgliche
Angstsituation zu bringen.

Dauerhafte Konfrontation wirkt Angst mindernd

"Dabei zeigte sich, dass Menschen mit Sozialphobie zwar anfangs eine
stärkere Aktivierung im Mandelkern und im medialen, präfrontalen
Cortex des Gehirns aufweisen, nach einigen Durchgängen geht diese
Aktivität allerdings zurück", so Sladky. Das widerspricht der
bisherigen Annahme, dass sich das emotionale Netzwerk von
SozialphobikerInnen nicht genügend an die stressauslösende Situation
anpassen kann.

Die dauerhafte Konfrontation mit der Testaufgabe führte bei den
AngstpatientInnen nicht nur dazu, schneller eine Lösung für das
"Problem" zu finden, sondern auch dazu, dass manche Gehirnregionen
umgangen wurden, die sonst, und krankheitstypisch, überaktiviert
waren. Sladky: "Daher liegt der Schluss nahe, dass es auch im
Emotionsnetzwerk von SozialphobikerInnen funktionierende
Regulationsstrategien gibt, wenngleich es bei diesen Menschen etwas
länger dauert, bis diese Mechanismen greifen. Die Fehlregulation
dieser Gehirnteile kann also zu einem Teil kompensiert werden."

Diese Erkenntnisse könnte, so Sladky, der Anstoß zur Entwicklung von
personalisierten Trainingsprogrammen sein, die den Betroffenen im
Alltag helfen, die unangenehmen Situationen besser zu meistern. In
Österreich sind jährlich rund 200.000 Personen von einer Sozialphobie
betroffen. Die Dunkelziffer dürfte darüberhinaus sehr hoch sein, da
viele Betroffene aufgrund Ihrer Angst nicht oder erst zu spät
fachkundige Betreuung suchen.

Kooperation für ein besseres Verständnis von psychiatrischen
Erkrankungen

Die aktuelle Studie entspringt einer interdisziplinären
Forschungs-Zusammenarbeit zwischen dem Zentrum für Medizinische
Physik und Biomedizinische Technik (Leitung: Wolfgang Drexler) und
der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Leitung:
Siegfried Kasper). Ziel der Kooperation ist ein besseres,
neurowissenschaftliches Verständnis für psychiatrische Erkrankungen,
um neue Therapie- und Diagnosemöglichkeiten entwickeln zu können.

Die fünf Forschungscluster der MedUni Wien

Neurowissenschaften und Bildgebung (Imaging) sind zugleich zwei der
fünf Forschungscluster der MedUni Wien. In diesen Fachgebieten werden
in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt
Schwerpunkte gesetzt. Die weiteren drei Forschungscluster der MedUni
Wien sind Krebsforschung/Onkologie,
Allergologie/Immunologie/Infektiologie und vaskuläre/kardiale
Medizin.

Open Access Service: PLOS One

"Increased Neural Habituation in the Amygdala and Orbitofrontal
Cortex in Social Anxiety Disorder Revealed by fMRI." Ronald Sladky,
Anna Höflich, Jacqueline Atanelov, Christoph Kraus, Pia Baldinger,
Ewald Moser, Rupert Lanzenberger, Christian Windischberger. PLoS ONE
7(11): e50050. doi:10.1371/journal.pone.0050050.

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