Dr. Stephan Schulmeister erhält das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse

Wien (OTS/WIFO) - Dem langjährigen WIFO-Mitarbeiter Stephan Schulmeister wird am 24. Jänner 2013 von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen. Stephan Schulmeister erhält diese Auszeichnung für seine Verdienste um die empirische Wirtschaftsforschung.

Nach einem Studium der Rechtswissenschaften und der Ökonomie trat Stephan Schulmeister im Jahr 1972 in das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung ein, wo er bis zu seiner Pensionierung im Herbst 2012 in den Bereichen Tourismus, internationaler Wettbewerb sowie Analyse und Prognose der längerfristigen Entwicklung der Weltwirtschaft forschte. Von 1972 bis 1974 war er Gasthörer am Institut für Höhere Studien in Wien, 1975 und 1976 am Bologna Center der John Hopkins University. Es folgten zahlreiche Forschungsaufenthalte, etwa an der New York University, am Wissenschaftszentrum Berlin, an der University of New Hampshire und beim Internationalen Währungsfonds.

Mit Stephan Schulmeister erhält einer der prononciertesten Vertreter der Kritik an der herrschenden neoklassischen Wirtschaftstheorie und an den daraus abgeleiteten wirtschaftspolitischen Strategien diese Auszeichnung der Republik Österreich für wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen.

Seit Anfang der 1980er-Jahre befasst er sich in seinen Forschungsarbeiten kritisch mit dem Einfluss der internationalen Finanzmärkte und der zentralen Hypothese, wonach die auf den Finanzmärkten gebildeten Preise wie Zinssätze, Wechselkurse, Rohstoffpreise und Aktienkurse weniger die realwirtschaftlichen "Fundamentalfaktoren" widerspiegeln, sondern in hohem Maß das Ergebnis destabilisierender Spekulation sind. Erstmals niedergelegt hat Schulmeister diese Hypothese in der von ihm koordinierten ersten Strukturberichterstattung des WIFO im Jahr 1985.

Zur Prüfung dieser Hypothese publizierte Schulmeister zahlreiche Studien und Journal-Artikel über die Verwendung computergestützter Spekulationssysteme (technical trading systems) auf den Finanzmärkten und über deren Folgen für die Destabilisierung von Wechselkursen, Rohstoffpreisen und Aktienkursen.

Die Ergebnisse dieser Analysen sowie seiner Arbeiten zum Einfluss von Zinssatz und Wachstumsrate auf Investitions- und Konsumverhalten und auf die Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung veranlassten Schulmeister im Jahr 2008, ein Konzept für eine generelle Finanztransaktionssteuer zu entwickeln, das die nachfolgende Debatte in der EU mit beeinflusste.

Seit Anfang der 1990er-Jahre wendet er sich mit den Ergebnissen seiner Forschungstätigkeit auch verstärkt an eine breitere Öffentlichkeit, da er erwartete, dass die wirtschaftspolitischen "Mainstream"-Empfehlungen zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung bei gleichzeitig boomenden Finanzmärkten in eine schwere Krise führen würden.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des WIFO freuen sich, dass mit Stephan Schulmeister ein Kollege geehrt wird, der nicht nur ein engagierter Ökonom und kritischer Denker ist, sondern auch ein unkonventionelles Forschungsprogramm konsequent verfolgt hat. Wir gratulieren Stephan Schulmeister herzlich zu dieser Ehrung und danken für die langjährige kollegiale Zusammenarbeit!

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Rückfragen bitte am Dienstag, 22. Jänner 2013, zwischen 12 und 14 Uhr an Dr. Peter Huber, Tel. (1) 798 26 01/404, Peter.Huber@wifo.ac.at

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