- 22.01.2013, 12:00:31
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Dr. Stephan Schulmeister erhält das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
Wien (OTS/WIFO) - Dem langjährigen WIFO-Mitarbeiter Stephan
Schulmeister wird am 24. Jänner 2013 von Bundespräsident Dr. Heinz
Fischer das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I.
Klasse verliehen. Stephan Schulmeister erhält diese Auszeichnung für
seine Verdienste um die empirische Wirtschaftsforschung.
Nach einem Studium der Rechtswissenschaften und der Ökonomie trat
Stephan Schulmeister im Jahr 1972 in das Österreichische Institut für
Wirtschaftsforschung ein, wo er bis zu seiner Pensionierung im Herbst
2012 in den Bereichen Tourismus, internationaler Wettbewerb sowie
Analyse und Prognose der längerfristigen Entwicklung der
Weltwirtschaft forschte. Von 1972 bis 1974 war er Gasthörer am
Institut für Höhere Studien in Wien, 1975 und 1976 am Bologna Center
der John Hopkins University. Es folgten zahlreiche
Forschungsaufenthalte, etwa an der New York University, am
Wissenschaftszentrum Berlin, an der University of New Hampshire und
beim Internationalen Währungsfonds.
Mit Stephan Schulmeister erhält einer der prononciertesten
Vertreter der Kritik an der herrschenden neoklassischen
Wirtschaftstheorie und an den daraus abgeleiteten
wirtschaftspolitischen Strategien diese Auszeichnung der Republik
Österreich für wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen.
Seit Anfang der 1980er-Jahre befasst er sich in seinen
Forschungsarbeiten kritisch mit dem Einfluss der internationalen
Finanzmärkte und der zentralen Hypothese, wonach die auf den
Finanzmärkten gebildeten Preise wie Zinssätze, Wechselkurse,
Rohstoffpreise und Aktienkurse weniger die realwirtschaftlichen
"Fundamentalfaktoren" widerspiegeln, sondern in hohem Maß das
Ergebnis destabilisierender Spekulation sind. Erstmals niedergelegt
hat Schulmeister diese Hypothese in der von ihm koordinierten ersten
Strukturberichterstattung des WIFO im Jahr 1985.
Zur Prüfung dieser Hypothese publizierte Schulmeister zahlreiche
Studien und Journal-Artikel über die Verwendung computergestützter
Spekulationssysteme (technical trading systems) auf den Finanzmärkten
und über deren Folgen für die Destabilisierung von Wechselkursen,
Rohstoffpreisen und Aktienkursen.
Die Ergebnisse dieser Analysen sowie seiner Arbeiten zum Einfluss
von Zinssatz und Wachstumsrate auf Investitions- und Konsumverhalten
und auf die Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung
veranlassten Schulmeister im Jahr 2008, ein Konzept für eine
generelle Finanztransaktionssteuer zu entwickeln, das die
nachfolgende Debatte in der EU mit beeinflusste.
Seit Anfang der 1990er-Jahre wendet er sich mit den Ergebnissen
seiner Forschungstätigkeit auch verstärkt an eine breitere
Öffentlichkeit, da er erwartete, dass die wirtschaftspolitischen
"Mainstream"-Empfehlungen zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und
Staatsverschuldung bei gleichzeitig boomenden Finanzmärkten in eine
schwere Krise führen würden.
Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des WIFO freuen sich, dass
mit Stephan Schulmeister ein Kollege geehrt wird, der nicht nur ein
engagierter Ökonom und kritischer Denker ist, sondern auch ein
unkonventionelles Forschungsprogramm konsequent verfolgt hat. Wir
gratulieren Stephan Schulmeister herzlich zu dieser Ehrung und danken
für die langjährige kollegiale Zusammenarbeit!
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