Landwirtschaft hat Anrecht auf faire Leistungsabgeltung

Mehraufwendungen bei Bewirtschaftung müssen honoriert werden

Wien (OTS) - (18. Jänner 2013) Die Grüne Woche in Berlin, die weltgrößte Verbraucherschau für Ernährung und Landwirtschaft, bildet jährlich den agrarpolitischen Auftakt in Mitteleuropa. Die bevorstehende Wintertagung des Ökosozialen Forums in Wien steht ganz unter dem Motto "Intensivierung? Ja, aber nachhaltig!". Anlässlich dieser zwei agrarpolitischen Hotspots und der aktuellen Weichenstellungen der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) betonen die Land&Forst Betriebe Österreich, dass es die heimischen Landbewirtschafter sind, die seit Generationen die Lebensmittelversorgung garantieren und vielfältige Leistungen für den ländlichen Raum, die Umwelt und die Gesellschaft erbringen. Eine entsprechende Leistungsabgeltung für Betriebe ist gerecht, wobei größere Betriebe bei Zahlungen nicht länger diskriminiert werden dürfen.

Neue GAP braucht ausreichende Finanzierung

Derzeit laufen wichtige Weichenstellungen für die Reform der GAP. Parallel dazu wird der Mehrjährige Finanzrahmen der Europäischen Union (2014-2020) verhandelt. Das übergeordnete Ziel der GAP-Reform ist, den EU-Agrarsektor marktorientierter, nachhaltiger, innovativer und wettbewerbsfähiger zu gestalten. Dabei stehen die notwendige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion als Reaktion auf das Bevölkerungswachstum und die Anforderungen durch Umweltschutz, Biodiversität, Klima sowie der Beitrag zum wirtschaftlichen Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Vordergrund. Weitere Faktoren, wie stark schwankende Rohstoffpreise, rückläufiges landwirtschaftliches Einkommen, steigende Produktionsauflagen und Standards, zunehmender Budgetdruck, machen eine starke, umfassende und effiziente Agrarpolitik für Landwirte, Konsumenten und Umwelt unerlässlich.

"Damit die Ziele der GAP erfolgreich umgesetzt werden können, muss das Agrarbudget mindestens in derselben Höhe bestehen bleiben. Denn die neuen Herausforderungen verlangen von den landwirtschaftlichen Betrieben ein Mehr an Leistung. Diese Leistungen müssen entsprechend abgegolten werden. Dies ist nicht der Fall, wenn ab bestimmten Größen Betriebe durch Regelungen wie die Modulation oder Deckelung bei Prämien auf Zahlungen verzichten müssen, obwohl genau diese Betriebe mehr Leistungen erbringen. Hier werden größere Betriebe ganz klar diskriminiert und das muss sich in der neuen Reform unbedingt ändern", fordert der Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, DI Felix MONTECUCCOLI.

"In diesem Zusammenhang ist es auch an der Zeit klarzustellen, dass der Begriff Agrarindustrie in Österreich leider oft falsch verwendet wird. Unter Agrarindustrie fallen industrielle Verarbeiter oder Zulieferer, wie Pflanzenschutzmittel- und Düngemittelhersteller bzw. Maschinenhersteller, die losgelöst von der Ertragskraft des Bodens wirtschaften. Größere heimische Betriebe mit Agrarindustrie zu bezeichnen ist vollkommen falsch und wird auf das Schärfste zurückgewiesen. Davon unabhängig bringen alle landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich enorme Leistungen für die Gesellschaft - und das nachhaltig und umweltgerecht in der Verantwortung für Grund und Boden", räumt DI Felix MONTECUCCOLI mit dem Mythos "Agrarindustrie in Österreich" auf.

Public Goods sind keine Selbstverständlichkeit

Im Zuge der GAP-Reform werden derzeit auf nationaler und europäischer Ebene Themenbereiche wie Direktzahlungen, einheitliche Marktordnung, Förderung der ländlichen Entwicklung sowie künftige Finanzierung und Kontrolle der GAP intensiv diskutiert. MONTECUCCOLI gibt anlässlich dieser Debatten zu bedenken: "Agrarpolitik ist Politik für alle Europäer: Themen wie Preisstabilität, Lebensmittelsicherheit und Wirtschaftswachstum müssen - auch im Interesse der Konsumenten - weiterhin im Vordergrund stehen, um den Tisch der Bevölkerung auch in schwierigen Zeiten zu decken. Zudem muss sehr viel stärker die Abgeltung von Arbeit ohne Markt -Stichwort Public Goods - und die damit verbundenen vielfältigen Leistungen für Gesellschaft und Umwelt diskutiert werden."

Nachhaltige Landbewirtschaftung durch Familienbetriebe

Durch Jahrhunderte lange Landnutzung und -bewirtschaftung durch private Familienbetriebe kann Österreich auf eine Landwirtschaft stolz sein, die ökologiegerecht qualitativ hochwertige Lebensmittel produziert. Gleichzeitig bewirtschaften diese seit Generationen nach dem Konzept der Nachhaltigkeit und Multifunktionalität und ermöglichen dadurch eine Kulturlandschaft mit Artenvielfalt und Biodiversität. Fundamente für diese seit Generationen gelebte nachhaltige Landbewirtschaftung sind Familie, starkes Eigentumsrecht und ein stabiler Staat. Diese sind auch die Wurzeln der symbolischen "Pflanze der Nachhaltigkeit und Multifunktionalität". Damit dieses "Pflänzchen" Jahr für Jahr in einer ökologischen Kulturlandschaft wächst, Früchte zum Ernten produziert, und damit die Lebensmittelversorgung für die Bevölkerung sichert, ist nachhaltiges Management die Grundvoraussetzung in der Landbewirtschaftung.

Professionelle und wettbewerbsfähige Landwirtschaft braucht Leitbetriebe

"Es geht letztlich um das Interesse an leistbaren, sicheren und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, die Infrastruktur im ländlichen Raum, die Vielfalt von Betriebsstrukturen, den Umweltschutz, die Biodiversität und energiepolitischen Herausforderungen, die Lebensqualität, die Landschaftsgestaltung und den Tourismus. Und es sind die Leitbetriebe, die Arbeitsplätze in strukturarmen Regionen sichern, technischen Fortschritt und Innovationen vermitteln und über ihre effiziente und professionelle Arbeit die verschiedenen gesellschafts- und umweltpolitischen Zielsetzungen auf großen Einheiten sicherstellen können. Daher sollten agrarische Zahlungen als das gesehen werden, was sie sind:
Ein Ausgleich von Leistungen im öffentlichen Interesse. Wer viel leistet, muss dafür auch entsprechend abgegolten werden", so DI Felix MONTECUCCOLI abschließend.

Die Land&Forst Betriebe Österreich sind die freiwillige Vereinigung österreichischer Landbewirtschafter mit der Zielsetzung, Österreichs Wälder und Felder als betriebliche Grundlage und gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten und Bewusstsein für die Anliegen privater land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und deren Tätigkeit und Verantwortung zu schaffen. Die Mitgliedsbetriebe der Land&Forst Betriebe Österreich bewirtschaften zusammen ein Drittel des österreichischen Waldes und produzieren jede fünfte Tonne österreichisches Getreide.

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