"Grüne Woche" in Berlin: Berlakovich fordert zukunftsträchtige GAP

Umsetzung einer europäischen Lebensmittelstrategie nach österreichischem Vorbild

Berlin/Wien (OTS) - "Agrarzahlungen sind wichtig und notwendig - und zwar jeder einzelne Cent. Österreich gilt mit seiner flächendeckenden, nachhaltigen und kleinstrukturierten Landwirtschaft als europäisches Spitzenagrarland. Mein Ziel ist, dass das auch so bleibt. Selbst der EU-Kommissionspräsident hat unseren Weg der ökologischen Landwirtschaft gelobt und ihn als Vorbild für die Reformpläne der gesamten EU genannt. Wenn das Budget für Österreich gekürzt würde, wäre das, wie wenn ein Trainer seinen besten Spieler beim Match nicht aufstellt", gibt Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich auf der Grünen Woche in Berlin unmissverständlich zu verstehen. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Gerhard Wlodkowski, und dem Präsidenten des Bauernbundes, Jakob Auer, fordert der Minister ausreichend finanzielle Mittel für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP).

Sicherung der Mittel für die Ländliche Entwicklung als oberste Priorität

Unser Ziel ist eine gleich hohe Dotierung in der laufenden Periode. Eine ordentliche Ausstattung der Ländlichen Entwicklung hat für Österreich höchste Priorität. Wesentliche Impulse für den gesamten ländlichen Raum gehen aber von diesen Mitteln aus. Auch die Verhandlungen der Staats- und Regierungschefs im Dezember brachten kein Ergebnis. Berlakovich: "Wir haben über ein Jahr daran gearbeitet, die österreichische Position bei den Verhandlungen zum EU-Budget im Sinne der Bäuerinnen und Bauern und des gesamten ländlichen Raumes zu formulieren. Jetzt geht es darum, unsere Forderungen mit Nachdruck zu vertreten."

Europäisches Lebensmittelmodell dringend gefordert

"Sichere und leistbare Lebensmittel in garantierter Qualität sind die Grundlage unseres Wohlstandes. Dafür muss aber die Existenz unserer Bäuerinnen und Bauern gesichert bleiben. Bei diesen Forderungen geht es nicht nur um Österreich, vielmehr muss es sich hierbei um ein gesamteuropäisches Anliegen handeln. Denn eine Gesellschaft, die den Stellenwert von Ernährung vergisst, schafft sich selbst ab. Ernährungssicherheit mit Qualität ist eine Säule europäischer Identität, für die es sich zu kämpfen lohnt", unterstreicht Berlakovich.

"Deswegen habe ich beim EU-Agrarministerrat im vergangenen November das europäische Lebensmittelmodell mit den beiden Säulen Qualität- und Preissicherung sowie Einkommenssicherheit aufseiten der Landwirtschaft präsentiert. Ziel ist, die Lebensmittelproduktion und den Umgang mit Lebensmitteln in Europa zum Thema zu machen und eine breite Debatte auszulösen. Denn es darf nicht sein, dass noch immer Menschen durch falsch produzierte Lebensmittel sterben oder krank werden, wie uns jüngst die EHEC-Krise schmerzlich vor Augen geführt hat. Durch gesunde Ernährung würden wir uns Milliardenausgaben im Gesundheitssystem sparen. Auch dem achtlosen Wegwerfen von Nahrungsmitteln heißt es entschieden entgegentreten, vor allem auch angesichts der Tatsache, dass nach wie vor Millionen Menschen hungern müssen. Bereits 16 Mitgliedsländer unterstützen diese Ideen, darunter etwa Deutschland, Ungarn, Spanien, Holland und Frankreich. Auch Agrarkommissar Dacian Ciolos möchte das Thema weiterdiskutieren", wirbt Berlakovich für die Etablierung eines europäischen Lebensmittelmodells.

In Österreich wurde im Rahmen des Zukunftsprojekts "Unternehmen Landwirtschaft 2020" bereits eine detaillierte Lebensmittelstrategie entwickelt. Geht es nach dem Minister, würde diese Hand in Hand mit einer europäischen Weiterentwicklung auf diesem Gebiet gehen. Das Herzstück der österreichischen Strategie ist die Steigerung der Wertschätzung von Lebensmitteln. Dafür wurde gemeinsam mit den Bäuerinnen des Landes die breit aufgestellte Initiative "Lebensmittel sind kostbar!" ins Leben gerufen.

Lebensmittel sind kostbar

Jedes Jahr werden in Österreich rund 157.000 t an verpackten und unverpackten Lebensmitteln sowie Speiseresten im Restmüll entsorgt. Damit könnte eine halbe Million Menschen ein Jahr lang ernährt werden. Pro Kopf wirft ein Österreicher beziehungsweise eine Österreicherin rund 19 kg weg - jährlich landen so EUR 300,-buchstäblich im Müll. Hochgerechnet auf das ganze Land sind das Lebensmittel im Wert von über EUR 1 Mrd.

"Diese Zahlen sind inakzeptabel. Wir haben es hier mit einer immensen ökologischen und ökonomischen Ressourcen-Verschwendung zu tun, das Sparpotenzial ist enorm. Deshalb haben wir die Initiative 'Lebensmittel sind kostbar!' unter der Devise 'verwenden statt verschwenden' gegründet. Ziel ist, diesem 'Wegwerf-Trend' durch Information, Bewusstseinsbildung und konkrete Maßnahmen Einhalt zu gebieten. So ist es uns bereits gelungen, alle vier Sozialpartner, die Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer, den Gewerkschaftsbund und die Landwirtschaftskammer, für dieses Vorhaben zu gewinnen. Außerdem haben wir bisher schon 20 Partner aus unterschiedlichsten Bereichen mit ins Boot geholt. Bis Jahresende sollen es weitere 100 sein, die aktiv Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung setzen", erklärt Berlakovich.

"Der nächste Schritt ist ein breiter Stakeholderdialog. Gestern fiel der Startschuss für den ersten von insgesamt fünf Stakeholderdialogen. Rund 150 Expert/-innen aus den Bereichen Lebensmittelproduktion, Lebensmittelhandel und Transportunternehmen, Gastronomie, soziale Einrichtungen, Gebietskörperschaften, Abfallwirtschaft und NGOs werden daran teilnehmen. Bis Ende März soll dann ein gemeinsamer Maßnahmenkatalog gegen die Lebensmittelverschwendung geschnürt werden. Mein Ziel dabei ist, bis 2016 die Lebensmittelverschwendung um 20% zu verringern. Denn Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in die Tonne", so Berlakovich abschließend.
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