• 18.01.2013, 11:54:31
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"Grüne Woche" in Berlin: Berlakovich fordert zukunftsträchtige GAP

Umsetzung einer europäischen Lebensmittelstrategie nach österreichischem Vorbild

Utl.: Umsetzung einer europäischen Lebensmittelstrategie nach
österreichischem Vorbild =

Berlin/Wien (OTS) - "Agrarzahlungen sind wichtig und notwendig - und
zwar jeder einzelne Cent. Österreich gilt mit seiner
flächendeckenden, nachhaltigen und kleinstrukturierten Landwirtschaft
als europäisches Spitzenagrarland. Mein Ziel ist, dass das auch so
bleibt. Selbst der EU-Kommissionspräsident hat unseren Weg der
ökologischen Landwirtschaft gelobt und ihn als Vorbild für die
Reformpläne der gesamten EU genannt. Wenn das Budget für Österreich
gekürzt würde, wäre das, wie wenn ein Trainer seinen besten Spieler
beim Match nicht aufstellt", gibt Landwirtschaftsminister Niki
Berlakovich auf der Grünen Woche in Berlin unmissverständlich zu
verstehen. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer,
Gerhard Wlodkowski, und dem Präsidenten des Bauernbundes, Jakob Auer,
fordert der Minister ausreichend finanzielle Mittel für die
Gemeinsame Agrarpolitik (GAP).

Sicherung der Mittel für die Ländliche Entwicklung als oberste
Priorität

Unser Ziel ist eine gleich hohe Dotierung in der laufenden
Periode. Eine ordentliche Ausstattung der Ländlichen Entwicklung hat
für Österreich höchste Priorität. Wesentliche Impulse für den
gesamten ländlichen Raum gehen aber von diesen Mitteln aus. Auch die
Verhandlungen der Staats- und Regierungschefs im Dezember brachten
kein Ergebnis. Berlakovich: "Wir haben über ein Jahr daran
gearbeitet, die österreichische Position bei den Verhandlungen zum
EU-Budget im Sinne der Bäuerinnen und Bauern und des gesamten
ländlichen Raumes zu formulieren. Jetzt geht es darum, unsere
Forderungen mit Nachdruck zu vertreten."

Europäisches Lebensmittelmodell dringend gefordert

"Sichere und leistbare Lebensmittel in garantierter Qualität sind
die Grundlage unseres Wohlstandes. Dafür muss aber die Existenz
unserer Bäuerinnen und Bauern gesichert bleiben. Bei diesen
Forderungen geht es nicht nur um Österreich, vielmehr muss es sich
hierbei um ein gesamteuropäisches Anliegen handeln. Denn eine
Gesellschaft, die den Stellenwert von Ernährung vergisst, schafft
sich selbst ab. Ernährungssicherheit mit Qualität ist eine Säule
europäischer Identität, für die es sich zu kämpfen lohnt",
unterstreicht Berlakovich.

"Deswegen habe ich beim EU-Agrarministerrat im vergangenen
November das europäische Lebensmittelmodell mit den beiden Säulen
Qualität- und Preissicherung sowie Einkommenssicherheit aufseiten der
Landwirtschaft präsentiert. Ziel ist, die Lebensmittelproduktion und
den Umgang mit Lebensmitteln in Europa zum Thema zu machen und eine
breite Debatte auszulösen. Denn es darf nicht sein, dass noch immer
Menschen durch falsch produzierte Lebensmittel sterben oder krank
werden, wie uns jüngst die EHEC-Krise schmerzlich vor Augen geführt
hat. Durch gesunde Ernährung würden wir uns Milliardenausgaben im
Gesundheitssystem sparen. Auch dem achtlosen Wegwerfen von
Nahrungsmitteln heißt es entschieden entgegentreten, vor allem auch
angesichts der Tatsache, dass nach wie vor Millionen Menschen hungern
müssen. Bereits 16 Mitgliedsländer unterstützen diese Ideen, darunter
etwa Deutschland, Ungarn, Spanien, Holland und Frankreich. Auch
Agrarkommissar Dacian Ciolos möchte das Thema weiterdiskutieren",
wirbt Berlakovich für die Etablierung eines europäischen
Lebensmittelmodells.

In Österreich wurde im Rahmen des Zukunftsprojekts "Unternehmen
Landwirtschaft 2020" bereits eine detaillierte Lebensmittelstrategie
entwickelt. Geht es nach dem Minister, würde diese Hand in Hand mit
einer europäischen Weiterentwicklung auf diesem Gebiet gehen. Das
Herzstück der österreichischen Strategie ist die Steigerung der
Wertschätzung von Lebensmitteln. Dafür wurde gemeinsam mit den
Bäuerinnen des Landes die breit aufgestellte Initiative "Lebensmittel
sind kostbar!" ins Leben gerufen.

Lebensmittel sind kostbar

Jedes Jahr werden in Österreich rund 157.000 t an verpackten und
unverpackten Lebensmitteln sowie Speiseresten im Restmüll entsorgt.
Damit könnte eine halbe Million Menschen ein Jahr lang ernährt
werden. Pro Kopf wirft ein Österreicher beziehungsweise eine
Österreicherin rund 19 kg weg - jährlich landen so EUR 300,-
buchstäblich im Müll. Hochgerechnet auf das ganze Land sind das
Lebensmittel im Wert von über EUR 1 Mrd.

"Diese Zahlen sind inakzeptabel. Wir haben es hier mit einer
immensen ökologischen und ökonomischen Ressourcen-Verschwendung zu
tun, das Sparpotenzial ist enorm. Deshalb haben wir die Initiative
'Lebensmittel sind kostbar!' unter der Devise 'verwenden statt
verschwenden' gegründet. Ziel ist, diesem 'Wegwerf-Trend' durch
Information, Bewusstseinsbildung und konkrete Maßnahmen Einhalt zu
gebieten. So ist es uns bereits gelungen, alle vier Sozialpartner,
die Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer, den Gewerkschaftsbund und
die Landwirtschaftskammer, für dieses Vorhaben zu gewinnen. Außerdem
haben wir bisher schon 20 Partner aus unterschiedlichsten Bereichen
mit ins Boot geholt. Bis Jahresende sollen es weitere 100 sein, die
aktiv Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung setzen", erklärt
Berlakovich.

"Der nächste Schritt ist ein breiter Stakeholderdialog. Gestern
fiel der Startschuss für den ersten von insgesamt fünf
Stakeholderdialogen. Rund 150 Expert/-innen aus den Bereichen
Lebensmittelproduktion, Lebensmittelhandel und Transportunternehmen,
Gastronomie, soziale Einrichtungen, Gebietskörperschaften,
Abfallwirtschaft und NGOs werden daran teilnehmen. Bis Ende März soll
dann ein gemeinsamer Maßnahmenkatalog gegen die
Lebensmittelverschwendung geschnürt werden. Mein Ziel dabei ist, bis
2016 die Lebensmittelverschwendung um 20% zu verringern. Denn
Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in die Tonne", so
Berlakovich abschließend.
(Schluss)

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