Bevölkerung hat zu wenig Gesundheitswissen (1)

Gesundheitsberufe fordern Konsequenzen - Versäumnisse haben schwerwiegende ökonomische Folgen

Wien (OTS) - Das Gesundheitswissen der Österreicherinnen und Österreicher lässt stark zu wünschen übrig: Im internationalen Vergleich schneidet unser Land sehr schlecht ab, was die individuelle Gesundheitskompetenz angeht. Wer viel über sich und seine Gesundheit weiß, kann aber entsprechend viel für die Gesundheit tun und aktiv dazu beitragen, diese so lange wie möglich zu erhalten. Wie Gesundheitskompetenz gestärkt werden kann, welche Zusammenhänge mit der Gesundheitsreform bestehen und welche ökonomischen Folgen eine schwach ausgeprägte Gesundheitskompetenz hat, war am Dienstag Gegenstand einer Pressekonferenz der Gesundheitsberufe-Konferenz. Diese hat die Gesundheitskompetenz in den Mittelpunkt des dritten Tages der Gesundheitsberufe gestellt.

Ingrid Reitstätter-Haberl, Vorsitzende der Gesundheitsberufe-Konferenz und Präsidentin des Berufsverbands logopädieaustria:
Die Rolle der Gesundheitsberufe

  • Patienten sollen ermutigt werden, sich Gesundheitskompetenz anzueignen bzw. diese einzusetzen.
  • Gesundheitsberufe müssen entsprechend gestärkt und in die Gesundheitsreform eingebunden werden - die Reform agiert derzeit an den Gesundheitsberufen und damit an den Menschen vorbei. Sparpläne machen es schwierig bis unmöglich, Versorgungsauftrag zu erfüllen bzw. die Patienten beim Erwerb von Gesundheitskompetenz zu unterstützen
  • Die Gesundheitsreform läuft auf eine Entmündigung der Patienten hinaus, denen vorgeschrieben wird, wo sie sich wann und von wem behandeln lassen dürfen.

Gesundheitskompetenz - was ist das?

Im Wesentlichen bedeutet Gesundheitskompetenz, dass ein Mensch in der Lage ist, sich selbst um seine Gesundheit zu kümmern bzw. dass er über entsprechendes Wissen verfügt, um seine Gesundheit zu erhalten und zu verbessern. Wer gut informiert ist und die eigene Gesundheit selbst in die Hand nimmt, lebt länger und kann mit Krankheiten besser umgehen. In Österreich ist es um die Gesundheitskompetenz des Einzelnen schlecht bestellt: Über 50 Prozent der für eine EU-weite Studie in Österreich Befragten erklärten, Angaben auf Lebensmittelverpackungen nur schwer zu verstehen (EU-Schnitt: 36 Prozent). Knapp 60 Prozent sehen sich nicht in der Lage, zu beurteilen, ob Informationen über eine Krankheit in den Medien vertrauenswürdig sind (EU-Schnitt: 47 Prozent). Nach Belgien hat Österreich die schlechteste Gesundheitskompetenz. Ausschlaggebend dafür sind verschiedene Faktoren:
- Soziales Umfeld
- Finanzielle Situation
- Alter
- Bildung

Benachteiligte soziale Schichten weisen eine schlechtere Gesundheitskompetenz auf als beispielsweise gebildete Schichten. Sie treiben weniger Sport, haben im Schnitt einen höheren BMI, ernähren sich tendenziell schlechter und haben teilweise auch keinen Zugang zu relevantem Wissen.

Wie kann Gesundheitskompetenz positiv beeinflusst werden?

  • Die gesetzlich anerkannten Gesundheitsberufe helfen ihren Patienten dabei, das Wissen um Gesundheit zu verbessern. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass den Gesundheitsberufen die Möglichkeit geboten wird, sich stetig fortzubilden und dieses Wissen an die Patienten weiterzugeben.
  • Die Dienstleistungen, Angebote und Produkte der unterschiedlichen Gesundheitsberufe müssen niederschwellig zugänglich sein.
  • (Soziale) Ungleichheiten müssen ausgemerzt werden. Dazu gehört auch, Risikogruppen wie schlecht Gebildete, Armutsgefährdete oder Migranten gezielt zu fördern (Stichwort Empowerment).
  • Den Menschen muss bewusst gemacht werden, dass man Gesundheit nicht bei den Gesundheitsberufen "abholen" kann, sondern dass man sich selbst täglich darum kümmern muss (Stichwort Eigenverantwortung).
  • Gesundheitserziehung ab dem Kindergarten kann die Basis für Gesundheitskompetenz schaffen.

(Forts.)

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Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Dr. Susanne Lang-Vorhofer
Tel.: (++43-1) 513 18 33-48

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