- 11.01.2013, 21:35:37
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Maulkörbe statt Information
Innsbruck (OTS/TT) - Von Mario Zenhäusern
Untertitel: Während die beiden Regierungsparteien nicht müde werden,
die von ihnen protegierten Modelle einer Bundesheer-Zukunft
anzupreisen, müssen Betroffene schweigen: Das
Verteidigungsministerium verbietet Interviews in der Kaserne.
Text: Der Konflikt um die Frage "Wehrpflicht oder Berufsheer" - von
der Zukunft der heimischen Landesverteidigung, um die es eigentlich
geht, sprechen paradoxerweise die wenigsten - treibt immer absurdere
Blüten. Mittlerweile verteilt das Verteidigungsministerium
Maulkorberlässe an auskunftswillige Heeresangehörige, ohne genau zu
hinterfragen, welche Art von Auskunft sie denn geben wollten oder
sollten.
Konkret geht es um eine Reportage. Das Team der TT am Sonntag wollte
sich in einer Tiroler Kaserne umhören, Offiziere, Rekruten,
Zeitsoldaten befragen - darunter natürlich auch weibliche
Heeresangehörige -, wie es denn ihnen angesichts der Debatte gehe.
Die Verantwortlichen in Tirol schienen der Idee gegenüber nicht
abgeneigt, verwiesen aber mangels Zuständigkeit an das Ministerium.
Und von dort kam nach kurzem Zögern ein kompromissloses Njet: Derzeit
gibt es keine Interviews in der Kaserne.
Die Ablehnung einer simplen Reportage, die ohne jede inhaltliche
Vorgabe lediglich ein Stimmungsbild der am meisten Betroffenen
zeichnen sollte, ist bezeichnend. Und sie zeigt mit aller
Deutlichkeit auf, wie im Verteidigungsministerium mit aller Vehemenz
versucht wird, die Meinung in eine Richtung zu beeinflussen. In eine
Richtung, die der Wiener Bürgermeister vorgegeben hat und die
kleinformatige Wiener Boulevardmedien seither in selten dagewesener
Form kampagnisieren.
Die Ablehnung der Beantwortung von Fragen zu einem allgemeinen
politischen Thema aus parteitaktischen Gründen ist völlig
inakzeptabel und zeigt nur, wie wenig es den Verantwortlichen um
objektive, umfassende Information geht. Ein zugegeben schwerer
Vorwurf, der im Übrigen beide Regierungsparteien gleichermaßen
trifft. Denn die Ankündigung von VP-Obmann Vizekanzler Michael
Spindelegger, seine Vorstellungen von der Zukunft des heimischen
Bundesheeres erst am Tag nach der Volksbefragung bekannt zu geben,
ist eine taktische Raffinesse, deren Sinnhaftigkeit sich uns
Normalbürgern vollkommen verschließt.
Maulkörbe sind gerade bei einer Volksbefragung kein taugliches
Mittel, weil sie nur Ärger verursachen und offene Fragen
hinterlassen, statt zur Information beizutragen. Aber die ehrliche
Meinung der Menschen in diesem Land interessiert die beiden
Regierungsparteien im Allgemeinen und die Machthaber im
Verteidigungsministerium im Besonderen eh nicht.
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