- 05.01.2013, 11:14:46
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"Bedeutende Wissenschaftlerin und große Österreicherin" - Nationalratspräsidentin Prammer zum Tod von Gerda Lerner
Wien (OTS/PK) - Als bedeutende feministische Wissenschaftlerin,
Pionierin der Frauengeschichte und große Österreicherin bezeichnet
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer die am Freitag in den USA
verstorbene Autorin und Historikerin Gerda Lerner. "Sie hat Enormes
für die Frauen geleistet, wir verdanken ihr sehr viel und sind ihr zu
großem Dank verpflichtet", sagt Prammer.
Gerda Lerner wurde vergangenen Oktober im Parlament mit dem "Käthe
Leichter-Preis 2012" ausgezeichnet, mit dem an das Lebenswerk der
1942 von den Nationalsozialisten ermordeten Nationalökonomin erinnert
wird. Gerda Lerner habe mit ihrem Werk wesentliche Grundlagenarbeit
für die Frauenbewegung und für die Gleichstellung der Geschlechter
geleistet, sagte Prammer damals in ihrer Laudatio: "Ich weiß, dass
ihre Bücher für viele Frauen sehr wichtig sind. Auch für viele junge
Frauen, die sich gerade erst bewusst werden, dass wir die
Gleichberechtigung noch nicht erreicht haben." Aus Lerners
umfangreichen Schaffen seien die beiden Werke "Die Entstehung des
feministischen Bewusstseins" und "Die Entstehung des Patriarchats"
hervorzuheben, die mittlerweile Klassiker seien.
"Gerda Lerner hat allerdings nicht nur Geschichte geschrieben,
sondern die Konsequenzen einer besonders dunklen Epoche der
österreichischen Geschichte persönlich erfahren müssen", führte die
NR-Präsidentin weiter aus. Die als Jüdin 1920 in Wien geborene Gerda
Kronstein überlebte Nationalsozialismus und Holocaust durch Flucht in
die USA. Die Frau, die Wien liebte und sich selbst als Patriotin
bezeichnete, musste erleben, innerhalb weniger Wochen als
Außenseiterin definiert und schließlich verfolgt zu werden. Die
Erfahrung des Antisemitismus und des Faschismus habe sie zur
Historikerin gemacht, so Lerner, dieses Erlebnis habe sie zur
Frauengeschichte geführt.
"Zukunft braucht Vergangenheit", der Titel eines Buches aus
jüngerer Zeit fasse Leben und Lebenswerk treffend zusammen, so
Prammer. In diesem Sinne sei die Verleihung des "Käthe
Leichter-Preises" Anerkennung ihres Lebenswerks und ihrer
Forschungsarbeit, aber auch symbolische Versöhnungsgeste jenes
Landes, das sie seinerzeit verstoßen hat und das sich - spät, aber
doch - mit der Schuld an Faschismus, Holocaust und Krieg
auseinandergesetzt habe und das immer noch tue. Auch hier brauche die
Zukunft Vergangenheit statt Vergessen. (Schluss)
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