- 17.12.2012, 21:00:32
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 18. Dezember 2012. Von FLORIAN MADL. "Was bleibt, sind Diskussionen"
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Der FC Wacker Innsbruck, ein Stück
Tiroler Identität, übt sich vor seinem 100. Bestandsjahr in alten
Gewohnheiten. Als konstant erweisen sich lediglich Diskussionen übers
fehlende Geld, die Zukunft und die Führung des Vereins.
Der FC Wacker Innsbruck bewegt Tirol. Allein die öffentliche
Diskussion über vermeintlich schlechte Trainingsbedingungen erwies
sich in regionalen Online-Medien zuletzt als Klick-Hit. Der Dschungel
aus öffentlichen Förderungen und Forderungen bietet Stoff für manche
Stammtischdiskussion, die Erörterung von Ergebnissen füllt
Saunaabende. Und wenn die Mitglieder dem Obmann per Abstimmung den
Titel Präsident verwehren, gehen manche Foren über. Da verwundert es
nicht, dass jüngste Wasserstandsmeldungen über Budgetzahlen Ähnliches
auslösten. Der Verein steht schließlich für Tiroler Identität; für
das letzte Rückzugsgebiet, um den archaisch anmutenden
Ost-West-Konflikt auszuleben. Hier die Wiener, dort die Tiroler.
Oder: hier die Salzburger Kommerz-Truppe, dort die auf Tradition
bauende Verschworenheit. Im Skisport sind wir österreichweit längst
alle eins, beim Eishockey im nationalen Vergleich eine Nummer zu
klein. Das wäre man auch im Fußball, aber dort erwarten die Tiroler
mehr. Dort klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander wie sonst
kaum wo. Eben hier trifft Emotion auf nüchterne Kostenrechnung, der
Amateurgedanke des bloßen Dabeiseins auf den professionellen Anspruch
vom Spitzensport.
Sieben Millionen Euro Jahresbudget für den Gesamtverein FC Wacker -
in der Vorstellungswelt eines Tiroler Häuslbauers eine Welt. Und in
der Welt eines Fußballers ein Pappenstiel, mit dem sich bestenfalls
das Jahressalär eines einzigen internationalen Spitzenkickers
bezahlen lässt. Aber Stars will man ohnehin keine, bestenfalls
billige Legionäre und daneben ausschließlich Tiroler Talente. Allein
das rechtfertigt ein überwiegend aus öffentlichen Zuwendungen
aufgestelltes Budget. Die nackte Zugehörigkeit zum österreichischen
Fußball-Oberhaus stellt angesichts dieser Realität den Plafond dar,
als Projektionsfläche für Meisterambitionen dient der FC Wacker
nicht.
Doch das erklärt die anhaltenden Strukturprobleme nicht: Das
Versäumnis handelnder Personen und steter Personalwechsel stellen das
einzige Kontinuum im FC Wacker Innsbruck des 21. Jahrhunderts dar.
Obleute geben sich fast schon im Jahresrhythmus die Klinke in die
Hand, die hiesige Politik reagiert darauf mit Unverständnis und
Wankelmut. Der FC Wacker Innsbruck vereint hausgemachte Tradition und
hausgemachte Probleme. Solange der Gedanke des bloßen Dabeiseins
Prämisse bleibt, wird sich daran auch im Jubiläumsjahr 2013 nichts
ändern.
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