• 11.12.2012, 14:17:56
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AVISO: "Die goldene Mitte?" - Quadriga 14 am 12. Dezember 2012

Parlament lädt zur Diskussion über Mittelschicht in der Krise

Utl.: Parlament lädt zur Diskussion über Mittelschicht in der Krise =

Wien (PK) - "Die goldene Mitte? Die Entwicklung der Mittelschicht"
lautet das Thema der 14. Veranstaltung in der Reihe "Quadriga", zu
der Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ins Palais Epstein
einlädt. Am 12. Dezember 2012, 18.00 Uhr, diskutieren die Autorin und
Journalistin Kathrin Fischer (Flensburg), der
Wirtschaftswissenschaftler Markus Marterbauer (Wien) und der
Soziologe Steffen Mau (Bremen) über Krise und Perspektiven der
Mittelschicht. Moderiert wird der Abend von Zita Bereuter (FM4) und
Peter Zimmermann (Ö1).

Alle wollen Mittelschicht sein - immer weniger sind es

Laut einer Studie der Arbeiterkammer empfinden sich 95 Prozent der
Menschen im deutschen Sprachraum der Mittelschicht zugehörig, 4
Prozent zählen sich zur Unterschicht und nur 0,4 Prozent zur
Oberschicht. Das sind subjektive Einschätzungen, die wenig mit der
tatsächlichen Verortung in einer Gesellschaft zu tun haben. Die
Mittelschicht gilt aufgrund ihrer Leistungsorientiertheit als Motor
der Wirtschaft. Sie ist von Erwerbsarbeit abhängig, fehlen doch
Vermögenswerte, die ein Auskommen über lange Zeit garantieren würden.
Für immer mehr Menschen reicht aber das Arbeitseinkommen kaum, um die
täglichen Ausgaben zu decken, und schon gar nicht, um Vermögenswerte
zu bilden. Die Finanz- und Wirtschaftskrise verschärft diese Tendenz.
In der Reihe "Quadriga" werden diesmal Bücher vorgestellt, die
Diagnosen und Antworten zur Mittelschicht in der Krise bieten.

Steffen Mau: Lebenschancen. Wohin driftet die Mittelschicht? Edition
Suhrkamp 2012

Wer sich der Mittelschicht zurechnet, empfindet sich einerseits als
gefährdet, nach unten abzurutschen, andererseits gibt es eine klare
Tendenz der Solidarisierung mit der Oberschicht, der man gerne
angehören würde. Die Aufstiegskanäle werden jedoch immer dünner,
schreibt der Soziologe Steffen Mau. Die Mittelschicht reagiere darauf
mit Abgrenzung und Schließung nach unten und verbarrikadiere sich im
Turm ihrer verbleibenden Privilegien. Als Alternative zur
Ungleichverteilung von Chancen und zur allgegenwärtigen Unsicherheit
fordert Mau den Lebenschancenkredit, einen finanziellen Polster, den
wir nutzen könnten, um uns weiterzubilden, soziale Risiken abzufedern
oder Zeit für Pflege und Erziehung zu gewinnen.

Markus Marterbauer: Zahlen bitte! Die Kosten der Krise tragen wir
alle. Deuticke Verlag 2011

Sparpolitik, Sozialabbau, arbeitsrechtliche Veränderungen,
Steuererhöhungen als Folge der Finanz-und Wirtschaftskrise wirken
sich vor allem auf die Mittelschicht als Träger gesellschaftlicher
Stabilität aus, die immer mehr Lasten stemmen müsse, stellt der
Wirtschaftsforscher Martin Marterbauer fest. Die Ungleichheit in der
Verteilung von Vermögen und Einkommen, einer der Hauptauslöser der
Wirtschaftskrise, drohe sich weiter zu verschärfen. Marterbauer
fordert von der Politik eine nachhaltige Änderung des Systems, um zu
verhindern, dass wir noch lange für die Krise zahlen. Er legt ein
Plädoyer für eine aktive Verteilungspolitik und die Verringerung der
staatlichen Verschuldung und fordert das Bekenntnis zu einem starken
Sozialstaat.

Kathrin Fischer: Generation Laminat. Mit uns beginnt der Abstieg -
und was wir dagegen tun müssen. Knaus Verlag 2012

Die Grenze der Belastbarkeit der Mittelschicht sei erreicht, meint
Kathrin Fischer in ihrem Buch "Generation Laminat - mit uns beginnt
der Abstieg". Sie untersucht den Wandel im Verhältnis zu dem, was sie
als "bröckelnde Eckpfeiler" der Gesellschaft definiert: Arbeit, den
Staat und die Familie und meint, dass die "Generation Laminat" den
sozialen Abstieg weiter Schichten der Bevölkerung nicht hinnehmen
dürfe, sondern sich politisch engagieren müsse.

John Lanchester: Kapital. (Aus dem Englischen von Dorothee Merkel).
Klett Cotta 2012

Das Thema Finanzkrise hat unterdessen auch die Literatur erreicht.
Der Gesellschaftsroman von John Lanchester zeichnet ein breites
Panorama der gegenwärtigen britischen Gesellschaft. Ein erfolgreicher
Banker, dessen "Krise" darin besteht, dass er aufgrund fallender
Kurse seine Jahresprämie nicht erhält, ein Fußballspieler aus dem
Senegal, der auf die internationale Karriere hofft, polnische
Handwerker in Beziehungsnöten, pakistanische Kioskbesitzer unter
Terrorverdacht und viele andere DurchschnittsbürgerInnen leben in der
Pepys Road nebeneinander. Eines Tages liegt in den Briefkästen der
Eigenheimbesitzer dieser Straße eine merkwürdige Nachricht: "Wir
wollen, was ihr habt." (Schluss)

Für die Teilnahme an der Veranstaltung ist eine verbindliche
Anmeldung unter [email protected] erforderlich.

HINWEIS: Fotos finden Sie nach dieser Veranstaltung im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2260, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: [email protected], Internet: http://www.parlament.gv.at

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