- 04.12.2012, 10:45:19
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Aktionstag: "Kosten dämpfen" und "Ausgaben deckeln" ist das Motto der geplanten Gesundheitsreform
Ärztekammer intensiviert Aufklärung der Patienten - Informationsfolder auf Wiens Straßen und in Ordinationen
Utl.: Ärztekammer intensiviert Aufklärung der Patienten -
Informationsfolder auf Wiens Straßen und in Ordinationen =
Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer intensiviert ihre Gespräche mit
den Patienten hinsichtlich der möglichen Konsequenzen durch die
derzeit angedachte Gesundheitsreform: Im Rahmen des österreichweiten
Aktionstages morgen, Mittwoch, wird die Bevölkerung an allen
wichtigen Verkehrsknotenpunkten Wiens über die angekündigten
Ausgabendämpfungen und Ausgabendeckelungen und ihre potenziellen
Folgen im Gesundheitswesen informiert. Eingebunden in die
Informationskampagne sind auch die Wiener Ordinationen. ****
"Wir haben in den letzten Wochen mehrmals den Bund, die Länder und
die Sozialversicherung gefragt, wie sie es bewerkstelligen wollen,
bis zum Jahr 2020 elf Milliarden Euro Kosten im Gesundheitswesen zu
dämpfen, ohne gleichzeitig Leistungseinschränkungen durchführen zu
müssen. Antworten dazu haben wir bislang keine bekommen", begründet
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres die österreichweite
Informationsoffensive.
Die bisher heftigen Reaktionen seitens der verantwortlichen
Politiker und Kassenfunktionäre hätten jedenfalls gezeigt, wie
wichtig es war und ist, die Bevölkerung entsprechend zu informieren,
denn: "Sollte die Gesundheitsreform in dieser Form kommen, könnte es
für die Patienten vieles in den Bereichen Diagnose, Therapie, Pflege
und Versorgung nicht mehr wie gewohnt geben."
Die Ärzteschaft habe die moralische Verpflichtung, die Patienten
rechtzeitig zu warnen. Wenn nun der Ärztekammer vorgeworfen werde,
dass sie damit die Bevölkerung verunsichere, gehe dieser Vorwurf ins
Leere. Denn nicht die Ärzteschaft sei es, die verunsichere, sondern
die Politik, "die eine Scheinreform durchziehen will, die primär die
Ausgabensteigerungen reduzieren und deckeln will", so Szekeres. Es
sei ein "Ding der Unmöglichkeit, einen finanziellen Deckel
einzuziehen, und zeitgleich die Leistungen verbessern zu wollen".
Es fehlen mehr als 1000 Planstellen
Die Lage ist aus Sicht der Ärztekammer tatsächlich heikel.
Österreichweit fehlten beispielsweise mehr als 1000 zusätzliche
Planstellen im niedergelassenen Bereich. In Wien gebe es
Nachholbedarf vor allem im Bereich von Gruppenpraxen. Szekeres:
"Allein hier benötigen wir 80 neue Stellen, um die Schließung von
Ambulanzen im Rahmen des neuen Spitalskonzepts zu kompensieren und
dem Versorgungsauftrag gegenüber der Bevölkerung entsprechend gerecht
zu werden." Engpässe gebe es weiters bei der Gynäkologie und der
Inneren Medizin (jeweils zehn Planstellen). Auch im Bereich der
Chirurgie, Augenheilkunde, Dermatologie, Orthopädie und Pulmologie
müssten weitere Planstellen geschaffen werden.
Im angestellten Bereich sind bereits derzeit 60 Prozent der
Ärztinnen und Ärzte in einer der Phasen des Burn-outs, wie eine
Studie erst kürzlich ergeben hat. "Insbesondere jüngere Ärztinnen und
Ärzte sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit", so Szekeres. Und auch
andere wichtige Projekte im Gesundheitsbereich blieben zwangsläufig
auf der Strecke. Szekeres denkt hier vor allem an den notwendigen
Ausbau von Präventionsprogrammen, zum Beispiel in Schulen und
Betrieben.
Es sei daher nicht nachvollziehbar, wenn man nach wie vor daran
festhalte, die Gesundheitsausgaben dauerhaft an das
Wirtschaftswachstum zu koppeln. "In Anbetracht der weltweit
unsicheren Wirtschaftslage würde man bei einem weiteren Einbruch der
Wirtschaftsleistung das Gesundheitssystem insgesamt herunterfahren
müssen", warnt Szekeres. (hpp)
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