- 25.11.2012, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel, von Peter Nindler (26. November 2012), "Tirol fährt Bahn, Brüssel Autobahn"
Innsbruck (OTS) - Modernste Bahntechnologie bietet ab jetzt in Tirol
ein attraktives Angebot für die Verlagerung auf die Schiene. Doch am
Ende des Tunnels steht die heimische Verkehrspolitik nach wie vor am
Anfang: Denn Brüssel fährt auf die Straße ab.
Das Ende ist erst der Anfang. Für die heimischen
(Verkehrs-)Politiker gilt das im besonderen Maße, wenn sie heute die
neue Unterinntalbahn eröffnen. 2,358 Milliarden Euro stecken in
modernster und umweltfreundlicher Bahntechnologie im Unterland. Die
neue Bahnstrecke wurde gebaut, um den Schwerverkehr ins Innere der
Berge zu verlagern. Mit denselben Argumenten wird der Bau des
Brennerbasistunnels in Nord- und Südtirol forciert, der vier Mal so
viel kostet. Der alpenquerende Güterverkehr soll auf die Schiene
verlagert werden. Doch mit der Fertigstellung der 40 Kilometer langen
Unterinntalbahn ist der Transitbefund für Tirol weiterhin
ernüchternd.
Eigentlich steht Tirol nach Fertigstellung der viergleisigen
Bahnstrecke durchs Unterinntal nur wenige Meter neben dem Spatenstich
vor zehn Jahren. Das sektorale Lkw-Fahrverbot, das zumindest rund
200.000 Transporte von Abfall, Eisen oder Autos auf die Schiene
gezwungen hat, wurde im Vorjahr erneut vom Europäischen Gerichtshof
gekippt. Die Europäische Union setzt weiter auf die Straße und
mittlerweile auf die überlangen Gigaliner, die bis zu 60 Tonnen Güter
transportieren können. Deutschland und Italien denken ihrerseits
nicht einmal daran, ihre Billigmauttarife für Lkw anzuheben, um
zumindest die Umweltkosten einzurechnen. Und zum Drüberstreuen
reduzieren die Österreichischen Bundesbahnen ihr Angebot.
Zumindest sieht es LH Günther Platter realistisch, wenn er meint,
in Brüssel habe die Transportlobby noch die Nase vorne. Doch ewig
lässt sich mit dieser Erkenntnis nicht Politik machen, zu viele
Steuermilliarden werden in diverse Tunnelprojekte verbaut. Kritiker
sprechen schon von Milliardengräbern. Weil auch die Kosten selten
halten und stets nach oben revidiert werden müssen. Für die
Unterinntalbahn wurden ursprünglich 1,352 Milliarden Euro
veranschlagt, bei der Endabrechnung kommt jetzt eine Milliarde dazu.
Beim Brennerbasistunnel musste in der Vergangenheit ebenfalls
angepasst, wegen des Diktats der leeren Staatskassen jedoch im
heurigen Frühjahr wieder abgespeckt werden.
Trotzdem: Investitionen in umweltfreundliche
Verkehrsinfrastrukturen sind richtig, weil sie ein Angebot schaffen.
Doch so lange die Straße noch zu billig für den Gütertransport ist,
wird die Schiene keine wirkliche Alternative sein. Deshalb sind
Tunnel das eine, die verkehrspolitischen Realitäten aber leider das
andere.
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