• 22.11.2012, 10:09:55
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Keine Energierevolution mit Schiefergas in Europa

Studien: Fördermengen und Einfluss auf Erdgaspreise stark übertrieben

Utl.: Studien: Fördermengen und Einfluss auf Erdgaspreise stark
übertrieben=

Wien (OTS) - Trotz aller Beteuerungen laufen große Bemühungen der
Energiekonzerne, Schiefergas in Europa salonfähig zu machen. Als
großes Vorbild werden die USA dargestellt. Gleichzeitig wird das
Gespenst der drohenden geringeren Wettbewerbsfähigkeit der
europäischen Industrie heraufbeschworen. Das Ziel der Energiekonzerne
sind aber Subventionen, denn ohne diese rechnet sich die
Schiefergasförderung in Europa zurzeit nicht. Studien der Deutschen
Bank sowie Ernst & Young und die ersten Erfahrungen in Polen zeigen,
dass in Europa nicht mit einer Schiefergas-Revolution zu rechnen ist.
Vielmehr stellen sich die Schätzungen der Vorkommen der
Energiekonzerne immer mehr als Blase heraus. Der einzige Weg Europas
kann nur ein sofortiger Umbau des Energiesystems in Richtung
erneuerbare Energien sein, ist der Österreichische Biomasse-Verband
überzeugt.

US-Preise in Europa nicht realisierbar. Die Deutsche Bank UK sieht
im Spezialreport "A First Look At EU Shale Gas Prospects" bei den
tatsächlich förderbaren Schiefergasmengen, der Produktionsrate und
der Ablehnung der Bevölkerung die größten Schwierigkeiten einer
Schiefergasförderung. Auch der Einfluss von Schiefergas auf die
Erdgaspreise werde nicht annähernd so groß sein, wie in den USA. Dies
sei insbesondere auf die höheren Kosten in Europa zurückzuführen -
der Break-Even-Punkt sei per Kubikmeter Gas doppelt so hoch. Hinzu
komme die Konkurrenz zu den Pipelines aus Russland beziehungsweise in
naher Zukunft eventuell auch aus Zentralasien, heißt es im Bericht
von Ernst & Young. Ein weiterer Punkt ist die Bevölkerungsdichte und
Akzeptanz. Während in den USA 34 Menschen pro km2 leben, sind es in
Europa 75, in Österreich 100. Die vielen notwenigen Bohrungen führen
automatisch zu größeren Konflikten mit der Bevölkerung. Ferner
gehören in den USA die Ressourcen, die auf seinem Land gefunden
werden dem Grundbesitzer. Dies ist ein Grund, warum in den USA die
Exploration so schnell vonstatten geht. Auch die Behauptung der
Wettbewerbsfähigkeit ist nicht nachvollziehbar. Obwohl die
US-Erdgaspreise unter den Gestehungskosten für Schiefergas liegen
(heuriger Tiefststand unter 2 US-$/MMBtu), kommt die US-Wirtschaft
nicht in Schwung. Die meisten texanischen "Schiefergas-Unternehmen"
schreiben zurzeit Verluste.

Schiefergas verstärkt Abhängigkeit. Auch die Ressourcenverteilung
würde enorme Investitionen in das europäische fossile Energiesystem
erfordern: Nur 10% der zurzeit weltweit geschätzten Vorkommen liegen
in Europa und davon wiederum die Hälfte in Polen und Frankreich. Die
Importabhängigkeit von Erdgaslieferungen von Ländern außerhalb der EU
wird durch die europäischen Schiefergasvorkommen nicht beseitigt
werden. Die konventionellen Quellen versiegen und Experten aus der
Mineralölbranche gehen davon aus, dass 90% der künftigen europäischen
Erdgas-Förderung aus unkonventionellen Quellen stammen müssen -
dennoch werde die Importabhängigkeit bestehen bleiben. Neue
Subventionen in das Erdgas-System führen aber automatisch zur
stärkeren Abhängigkeit Europas vom fossilen Energiesystem.

Fördermenge erheblich überschätzt. Polen ist der
Schiefergas-Vorreiter Europas - in keinem Land Europas wurden so
viele Bohrungen durchgeführt und die Methode derart angepriesen, wie
in Polen. Die tatsächlich gefundenen Gasmengen haben sich bisher
allerdings nicht als wirtschaftlich förderbar herausgestellt.
Konservativere Schätzungen gehen momentan um etwa 80 % geringen
Mengen aus, die technisch und wirtschaftlich förderbar sind. Der
ehemalige polnische Ministerpräsident Wlodzimierz Cimoszewicz
bezweifelte sogar in einem Radio-Interview, ob es überhaupt
Schiefergasvorkommen in Polen gibt. Er sprach von einem Kommafehler
bei den Berechnungen der Prognosen. Das Polnische Geologische
Institut revidierte kürzlich die US-Schätzung für Polen von 5,3
Billionen m3 auf 350 bis 750 Milliarden m3. Zum Vergleich verbraucht
Europa rund 500 Milliarden m3 im Jahr. Ähnliches kann aus anderen
EU-Ländern berichtet werden.

Die Risiken für die lokale Umwelt und den globalen Klimawandel
seien im Rahmen dieser Presseaussendung nur am Rande erwähnt. Hierzu
wird die aktuelle Presseaussendung der Europäischen Umweltagentur
empfohlen, die auf die bereits gemessenen Auswirkungen des
Klimawandels hinweist:
http://www.ots.at/redirect/climate-change-evident-across-europe

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