- 09.11.2012, 13:44:49
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Ärztekammer wirft Hauptverband "grob fahrlässiges Verhalten" vor
Patienten würden in falscher Sicherheit gewiegt - Parallel dazu werden Leistungen konsequent heruntergefahren
Utl.: Patienten würden in falscher Sicherheit gewiegt - Parallel
dazu werden Leistungen konsequent heruntergefahren=
Wien (OTS) - Als "entbehrlichen Ordnungsruf" bezeichnete der
Vizepräsident und Obmann der Kurie niedergelassenen Ärzte der
Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, die heutige Reaktion von
Hauptverbandsvorsitzenden Hans Jörg Schelling auf die Sorgen und
Bedenken der Ärzteschaft hinsichtlich der von Ländern,
Gesundheitsministerium und Krankenkassen geplanten Gesundheitsreform.
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Die Ärzteschaft sei immer zu einem Dialog bereit gewesen.
Allerdings habe gerade die Vergangenheit gezeigt, dass lieber am
grünen Tisch, ohne Hinzuziehung gesundheitspolitischer Experten und
gegen die Interessen der Patienten verhandelt werde.
Schelling könne nicht wegdiskutieren, dass in Österreich seit
Jahren das Gesundheitssystem schleichend heruntergefahren werde.
Klares Indiz dafür sei die Tatsache, dass die Anzahl der
Kassenplanstellen in ganz Österreich auf dem Niveau der 1980er-Jahre
stagniere. Parallel dazu werde der Personalstand im Spitalsbereich
mit Hinweis auf die hohen Personalkosten in vielen Bereichen und
teilweise dramatisch reduziert.
Steinhart: "Ich behaupte nicht, dass die Krankenkassen schuld an
dieser Situation sind." Denn die soziale Krankenversicherung könne
auch nur jenes Geld ausgeben, dass ihnen zur Verfügung gestellt
werde. Grob fahrlässig sei es jedoch, eine kontinuierliche
Beschwichtigungspolitik zu betreiben und die Menschen in Österreich
in falscher Sicherheit zu wiegen, statt gemeinsam mit medizinischen
Experten entsprechend Alarm zu schlagen.
Kritisiert wird von Steinhart auch, dass Krankenkassen in
Österreich nach wie vor versicherungsfremde Leistungen zu übernehmen
hätten. "Wo bleibt hier zum Beispiel der Aufschrei der Obfrau der
Wiener Gebietskrankenkasse, Ingrid Reischl? Würden nämlich die von
der Politik den Krankenkassen aufoktroyierten versicherungsfremden
Leistungen wegfallen, wäre die Wiener Gebietskrankenkasse in den
schwarzen Zahlen und könnte das nun vorhandene zusätzliche Geld für
den Ausbau der extramuralen Versorgung in Wien, beispielsweise für
die Schaffung einer ersten Kassenordination für Kinder- und
Jugendpsychiatrie, verwenden.
In diesem Sinne bedauert Steinhart auch die Worte von Wiens
Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, wonach ihrer Meinung nach
genügend Kassenstellen in Wien existierten. "Ich lade die
Gesundheitsstadträtin ein, einmal einen Tag lang beispielsweise in
einer Augen- oder dermatologischen Facharztordination zu verbringen."
Dann würde sie nämlich sehr rasch erkennen, dass hier ein
Flaschenhals entstehe, dessen einziges Ziel es sei, durch Überfüllung
vieler Arztordinationen die Menschen von notwendigen Arztbesuchen
abzuhalten, um so Kosten zu sparen.
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