• 08.11.2012, 18:24:16
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"Die Presse"-Leitartikel: Fürs Erste einmal: Willkommen im Klub!, von Oliver Pink

Ausgabe vom 9. November 2012

Utl.: Ausgabe vom 9. November 2012=

Wien (OTS) - Der Grat zwischen einer Belebung des Parlamentarismus
und einem Abgleiten ins Chaos ist schmal. Im Fall von Frank Stronach
könnte sogar beides stattfinden.

Wäre man Stratege in der Löwelstraße, man hätte den Kandidaten auf
dem Reißbrett auch nicht besser konstruieren können: einen
unternehmerisch erfolgreichen Mann von Welt, der nicht nur der großen
bürgerlichen Konkurrenz von der ÖVP die Stimmen abluchst, sondern
auch noch der rechtspopulistischen FPÖ und diesen somit die Chance
auf Platz eins nimmt.
Einziger Schönheitsfehler dabei (abgesehen von einer Mehrheit rechts
der Mitte): Es ist nicht gesagt, dass der Self-made-Milliardär aus
Weiz ob seines proletarischen Restcharmes nicht auch von der
Sozialdemokratie frustrierte Arbeiter aus der Obersteiermark
anspricht.
Allerdings: Mehrheitlich dürfte er sich dann doch bei der
unternehmerfreundlichen Klientel der Volkspartei und jener
kleinbürgerlichen der ehemaligen Jörg-Haider-Fans bedienen.
Frank Stronach wird den österreichischen Parlamentarismus auf jeden
Fall einmal beleben - allein, weil es nun eben einen weiteren
Parlamentsklub gibt. Und wegen seines Unterhaltungswerts bei
öffentlichen Auftritten - was seiner Glaubwürdigkeit allerdings
mitunter mehr schadet als nützt.

Dass Frank Stronach mit seiner derzeitigen Hinterbänklertruppe aus
ehemaligen BZÖ-Abgeordneten (und einem offiziell fraktionslosen
Vertreter des rechten Kärntner SPÖ-Flügels) das Niveau im Hohen Haus
hebt, darf jedoch bezweifelt werden. Für die Nationalratswahl im
kommenden Jahr wird er ernst zu nehmendere Kandidaten anbieten
müssen.
Wiewohl das Beispiel des neuen Klubobmanns Robert Lugar, der sich in
den vergangenen Wochen als Stronachs erster Statthalter in der Alten
Welt ganz passabel geschlagen hat, zeigt: Manche wachsen mit ihrer
Aufgabe. Oder aber er wurde in seiner früheren Partei einfach
unterschätzt. Was man von Lugars Kollegen ganz sicher nicht behaupten
kann.
Dennoch kann das Stronach-Experiment leicht im Chaos enden. Er
sammelt Glücksritter um sich wie einst Jörg Haider, die weniger an
der Gesinnung als vielmehr an der eigenen Karriere interessiert sind.
Mit solchen Leuten kann man à la longue, vor allem, wenn der
Gegenwind rauer wird, nichts gewinnen.
Zumal man sich auch fragt, wie das nach einem allfälligen Erfolg bei
der Nationalratswahl 2013 denn funktionieren soll: Ein Klub mit einer
ansehnlichen Anzahl an Abgeordneten im Parlament, der Parteichef
jedoch die halbe Zeit in Kanada und auch nicht wirklich gewillt,
Regierungsverantwortung zu übernehmen. Man sei schließlich, so Frank
Stronach, ja keine Partei. Ja, was denn dann?

Auch ideologisch gibt der Mann Rätsel auf. Wenn so das Gesicht des
Wirtschaftsliberalismus in Österreich aussieht, eine Art
Südstaatenpaternalismus mit freundlichem Antlitz, aber nicht ganz
ausgegorenen Thesen, dann braucht man sich nicht zu wundern, als
Österreicher in der Welt einmal mehr belächelt zu werden.
Ein wenig erinnert er ja an Politiker à la Mitt Romney: Milliardäre,
die gerade bei den Arbeitern, Angestellten und Kleingewerbetreibenden
in der Provinz Anklang finden. Menschen, die hart arbeiten, aber
keinen so rechten Zugang zur modernen, vielschichtigen, urbanen Welt
finden und jemanden brauchen, den sie bewundern können, einen, der es
aus einfachen Verhältnissen mit eigener Kraft nach ganz oben
geschafft hat.
Deshalb hält Frank Stronach seine Botschaften auch kurz und simpel.
Wenngleich er inhaltlich in vielem recht hat: Dass ein Staat
tunlichst keine Schulden machen sollte, hat man in dieser
Deutlichkeit bisher selten gehört. Und dass die wirtschaftliche
Ausbildung in unseren Schulen überaus mangelhaft ist und dies
geändert gehört, ebenso.

Bei all seinen Widersprüchen - in Kanada kandidierte er für die
Liberale Partei, trat jedoch gegen ein Freihandelsabkommen mit den
USA auf - ist Frank Stronach fürs Erste einmal ein Gewinn für die
österreichische Politik. Zumal er als rechter Politiker bisher auch
nie am rechten Rand angestreift ist. Und das ist für einen rechten
Politiker mit Hang zum Populismus in diesem Land ja schon mal was.
In diesem Sinne also: Willkommen im Klub, Herr Stronach!

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