- 08.11.2012, 15:01:59
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Glaser: Kampf gegen Hunger braucht Frieden und Demokratie
Funktionierende landwirtschaftliche Strukturen in Entwicklungsländern sind ausschlaggebend - IUFE-Diskussion zum Thema Ernährungssouveränität
Utl.: Funktionierende landwirtschaftliche Strukturen in
Entwicklungsländern sind ausschlaggebend - IUFE-Diskussion zum
Thema Ernährungssouveränität=
Wien (OTS) - Demokratie, Friede und stabilere landwirtschaftliche
Strukturen sind Schlüsselfaktoren, um den Hunger in
Entwicklungsländern einzudämmen. Darüber waren sich die Teilnehmer
bei einer Podiumsdiskussion des Instituts für Umwelt, Friede und
Entwicklung (IUFE) in Wien einig. "Diktaturen sind schlechte
Hungerbekämpfer", formulierte der Volkswirt Josef Nußbaumer von der
Universität Innsbruck. "Bessere Infrastrukturen, sichere Besitztitel
für Grund und Boden, mehr landwirtschaftliche Beratung und
funktionierende Marktmechanismen könnten vieles zum Bessern wenden",
zeigte sich IUFE-Vorsitzender NR-Abg. Franz Glaser überzeugt.
"Hunger hat nicht eine, sondern viele komplexe Ursachen. Das macht
Lösungen so schwer", stellte Nußbaumer fest. Ein Hauptfaktor sei das
Wetter, zumal 80 % der Hungertoten durch Dürre verursacht seien.
Außerdem seien praktisch alle Hungerländer 'failed states" im
politischen Sinne, in denen es an Sicherheit und Friede sowie an
demokratischen und rechtlichen Strukturen mangle. Zu den
Hungertreibern zählen außerdem die gesunkene Lagerhaltung, der
Ölpreis, der steigende Fleischkonsum in Schwellenländern sowie die
Spekulation auf landwirtschaftliche Produkte.
Glaser: Vor allem ländliche Regionen sind Hungerregionen
"Weltweit hat jeder siebente Mensch nicht genug zu essen. Es ist
geradezu skurril, dass in den Entwicklungsländern vor allem in
ländlichen Regionen der Hunger grassiert", sagte Glaser. In seinen
Augen sind der Kampf gegen den Klimawandel und das Überdenken des
eigenen Konsumverhaltens entscheidend. Ein Drittel der Lebensmittel
weltweit werde weggeworfen oder verderbe.
Wutscher: Lagerhaltung ausweiten, Preisschwankungen eindämmen
Als eines der größten Probleme wertete Werner Wutscher, Vizepräsident
des Ökosozialen Forums, dass weltweit die Lagerhaltung von
Ernteprodukten zurückgenommen worden sei. "Lagerhaltung wirkt sich
preisstabilisierend aus. Wir brauchen aber Antworten, um
Agrarpreisschwankungen abzufedern, die den Hunger fördern." Für
Afrika forderte Wutscher mehr Investitionen in die agrarische
Forschung und Ausbildung sowie in die Infrastruktur. 40 % der
Lebensmittel gingen beim Transport verloren. Wutscher wies auch auf
Erfolge im Kampf gegen den Hunger hin. So konnten beispielsweise
China, Indien oder Ghana ihre Zahl von Hungernden deutlich senken.
Höllerer: Lebensmittel ohne Wert landen im Müll
"Lebensmittel haben einen Wert, auf den wir mehr aufmerksam machen
müssen", betonte Bundesbäuerin NR-Abg. Anna Höllerer. "In Österreich
landen 157.000 Tonnen Lebensmittel im Restmüll. Vor allem jüngere
Menschen sind leichtfertige Wegwerfer, denen das Bewusstsein fehlt",
zitierte Höllerer aus einer niederösterreichischen Studie. Sie trat
für Änderungen bei der Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums und für
die Förderung von Innovationen in der Direktvermarktung ein. Die
Stellung von Frauen in Entwicklungsländern müsse gestärkt werden,
dafür seien der Zugang zu Krediten oder zu eigenem Grund und Boden
sind wichtige Voraussetzungen.
Okonkwo-Klampfer: Mehr Mitsprache bei EU-Agrarreform
Neben der Verantwortung des Einzelnen sei im Kampf gegen den Hunger
politische Verantwortung notwendig, stellte Karin Okonkwo-Klampfer
von der Bergbäuerinnen-Vereinigung Via Campesina fest. Große
Erwartungen knüpft sie in diesem Zusammenhang an die bevorstehende
Reform der EU-Agrarpolitik, für die sie mehr politische Mitsprache
für Nicht-Regierungsorganisationen einforderte. Im Mittelpunkt sollte
das Prinzip der Ernährungssouveränität stehen, so Okonkwo-Klampfer.
Diesem Thema ist eine Fachtagung gewidmet, die heute am IUFE in Wien
stattfindet. Fachleute aus Landwirtschaft und
Entwicklungszusammenarbeit diskutieren über Auswege aus der
Hungerkrise und über Modelle zur Stärkung der Ernährungssicherheit in
Zeiten des globalen Wandels.
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