• 25.10.2012, 13:02:37
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"Langeweile ist Gift": neue Biographie zu Eugenie Schwarzwald

Zur bedeutenden Reformpädagogin präsentiert das Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biographie eine neue, detailliert recherchierte Biographie.

Utl.: Zur bedeutenden Reformpädagogin präsentiert das Ludwig
Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biographie
eine neue, detailliert recherchierte Biographie.=

Wien (OTS) - Eugenie Schwarzwald (1872-1940) gehört zu den
faszinierendsten Frauen ihrer Generation. Sie setzte sich mit großem
Tatendrang für Reformpädagogik, Sozialarbeit sowie
Gemeinschaftsküchen und Ferienkolonien ein. Gleichzeitig trat
"Fraudoktor" als Journalistin hervor und führte den in vielerlei
Hinsicht progressivsten Wiener Salon ihrer Zeit, in dem
Schriftsteller wie Thomas Mann, Sinclair Lewis und Egon Friedell
verkehrten. Schwarzwald gründete Österreichs erste koedukative
Volksschule und eine Mädchenschule mit Maturaklasse. Sie wollte eine
"Schule der Freude" leiten, "Langeweile ist Gift" war ihr Motto.
Hilflos musste sie jedoch im Alter mit ansehen, wie Finanzkrise und
politischer Extremismus ihr Lebenswerk zunichte machten. 1938 floh
sie in die Schweiz, wo sie 1940 starb.

In den von Adolf Loos gestalteten Räumen der Musiksammlung der
Wienbibliothek stellte das Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte
und Theorie der Biographie (LBI GTB), gestern, dem 24. Oktober 2012,
dem zahlreich erschienenen Publikum eine neue Biographie zur
Pionierin der Reformpädagogik vor. Deborah Holmes, wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Institut, hat sich über Jahre mit dem Leben und
Nachlass von Eugenie Schwarzwald beschäftigt. Ihre aktuell
erschienene Arbeit öffnet neue Perspektiven auf die oft paradoxe und
bewegte Wiener Kultur des frühen 20. Jahrhunderts.

Da die Habsburger Autoritäten sich wiederholt weigerten, Eugenie
Schwarzwalds in der Schweiz erworbenen Doktorgrad anzuerkennen, war
es ein Akt der Auflehnung und ein strategisches Manöver ihrerseits,
den Titel so oft wie möglich zu verwenden. Neben ihrer pädagogischen
Tätigkeit waren es die von ihr initiierten Wohlfahrtsprojekte, die
sie stadtbekannt machten. Geschickt wusste sie die Medien für sich zu
nutzen, ebenso geschickt aber wurde sie von Literaten ihrer Zeit in
eine satirische Figur verwandelt, wobei Momente des Antisemitismus
und der Frauenfeindlichkeit oft klar hervortraten.

Obwohl eng befreundet mit Schlüsselfiguren der Wiener Moderne, war
sie weder Mäzenin noch Muse im konventionellen Sinn. Ihre eigene
Biographie und die Beweggründe ihres Tuns wurden durch berühmte
Freunde wie Egon Friedell, Hans Kelsen, Oskar Kokoschka, Adolf Loos
und Arnold Schönberg und ihre ebenso berühmten Schülerinnen und
Schüler wie Peter Drucker, Rudolf Serkin, Hilde Spiel oder Helene
Weigel lange Zeit überschattet.

Die Biographie "Langeweile ist Gift. Das Leben der Eugenie
Schwarzwald" ist im Residenz Verlag erschienen.
Das Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der
Biographie (www.gtb.lbg.ac.at) ist ein Institut der Ludwig Boltzmann
Gesellschaft und basiert auf einer Kooperation mit Bixa
TechnoConsulting, der Österreichischen Nationalbibliothek, der
Universität Wien und der Wienbibliothek im Rathaus.
Bereits herausgegeben vom LBI GTB wurden Biographien zu Thomas
Bernhard und Ernst Jandl.

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre
Forschungsorganisation mit Sitz in Wien und betreibt
Forschungsinstitute (Ludwig Boltzmann Institute) in den Bereichen der
Humanmedizin / Life Sciences sowie der Geistes-, Sozial- und
Kulturwissenschaften. Sie initiiert gemeinsam mit akademischen und
anwendenden Partnern innovative Forschungsthemen und ist
spezialisiert auf translationale Forschung - die Brücke zwischen
Grundlagenforschung und Anwendung. So arbeiten in medizinischen
Instituten Teams aus Grundlagenforschern und Klinikern in einem
Zentrum zusammen und sind dadurch Katalysatoren für die Verbindung
von präklinischer Spitzenforschung und klinischer Medizin.

In den geistes- und sozialwissenschaftlichen Instituten werden die
interdisziplinär erarbeiteten Forschungsergebnisse in Konferenzen und
wissenschaftlichen Veranstaltungen dem Fachpublikum kommuniziert
sowie mittels publikumswirksamer Aktivitäten der breiten
Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Derzeit betreibt die LBG 20 Ludwig Boltzmann Institute und 5
Cluster mit rund 380 MitarbeiterInnen. Die Einrichtung der Institute
für eine befristete Laufzeit erfolgt aufgrund von Ausschreibungen mit
internationalen Begutachtungsverfahren.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | LBG

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