• 24.10.2012, 10:05:33
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Österreichische Ärztekammer: Gesundheitsreform - Macht- und Finanzierungsfragen gefährden Versorgung (2)

Wien (OTS) - ÖÄK-Vorschläge: "Intelligent ausbauen, statt destruktiv
einschränken"

"Intelligent ausbauen, statt destruktiv einschränken" sei das Motto
der Ärztekammer, die aufzeigen wolle, dass es auch im
Gesundheitsbereich möglich sei, zu sparen und gleichzeitig eine
menschliche, wohnortnahe und patientenfreundliche Medizin anzubieten.
"Allein mit der Einführung eines Hausarztmodells ließen sich,
vorsichtig geschätzt, 50 Prozent der Ambulanzbesuche vermeiden,
wodurch jährlich rund 330 Millionen Euro eingespart werden könnten -
bei gleichzeitiger Verbesserung der Primärversorgung. Damit würden
die zehn Millionen, die man jährlich in Lehrpraxen zur adäquaten
Ausbildung der Allgemeinmediziner investieren müsste, locker
eingespielt", erklärte Wechselberger.

Der Ärztechef wies weiters darauf hin, dass man mit neuen
Kassenvertragsstellen - für Fachärzte wie für Allgemeinmediziner - in
den Krankenhäusern Millionenbeträge einsparen könnte. Nicht nur die
Ambulanzen, auch die stationären Bereiche der Spitäler wären
entlastet und könnten Betten abbauen und stationäre Aufenthalte
verkürzen. "Der durchschnittliche Ambulanzbesuch kostet 92 Euro, der
durchschnittliche Facharztbesuch in der Praxis 44 Euro. Wer
intelligent sparen will, muss die Ambulanzen zurückfahren und das
Geld, das die Länder dann weniger ausgeben, der Sozialversicherung
zweckgebunden für den Ausbau der fachärztlichen Kassenordinationen
zuleiten", forderte Wechselberger. Weil es seit zehn Jahren - trotz
wachsender Bevölkerung - keine zusätzlichen Verträge gebe, fehlten
nun über 1300 Kassenstellen. Gleichzeitig steige die Zahl der Wahl-
und Privatärzte.

In der Prävention sieht Wechselberger "langfristig und aus
humanitärer Sicht" das größte Sparpotenzial: "Auch wenn Österreich in
der Lebenserwartung recht gut abschneidet, so finden wir uns in der
Statistik der gesund erlebten Jahre weit abgeschlagen. Doch gerade
diese vielen in Krankheit erlebten Jahre belasten das
Gesundheitssystem massiv. Ganz zu schweigen vom menschlichen Leid,
das der Einzelne und sein Umfeld durch mangelnde Gesundheitsvorsorge
zu tragen haben", sagte Wechselberger. Er forderte daher die
Umsetzung der im Regierungsprogramm genannten "nationalen
Gesundheitsziele". Besonderer Zeitdruck herrsche aufgrund der
rasanten demografischen Entwicklung bei altersbedingten Leiden wie
Demenz, ebenso bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes,
Bluthochdruck oder Adipositas. Besonderes Augenmerk sei auf
Aufklärung und Prävention in Sachen Lebensstil bei Kindern und
Jugendlichen zu legen: "Hier tickt eine - auch volkswirtschaftliche -
Zeitbombe", führte der ÖÄK-Präsident ins Treffen.

Schließlich seien die Rahmenbedingungen für die Leistungserbringer
selbst zu verbessern. Der Ärztechef forderte, den Spitalsbetrieb so
einzurichten, dass Turnusärzte primär ausgebildet und nicht für
Administration und Systemerhalt ausgenützt würden.
Arbeitszeithöchstgrenzen für Spitalsärzte seien strikt einzuhalten.
Es brauche weniger Bürokratie, nicht mehr, wie geplant. Und es dürfe
keine De-facto-Gehaltskürzungen mehr geben, nach dem Prinzip "Immer
mehr Arbeit für gleiches Geld". Freiberufliche Ärzte wiederum könnten
ihrem Versorgungsauftrag auch an Tagesrandzeiten und an Wochenenden
nur nachkommen, wenn man es ihnen ermögliche, mit anderen Ärzten -
der eigenen, aber auch anderer Fachrichtungen - in Gemeinschaften
zusammenzuarbeiten oder auch Ärzte in Praxen anzustellen.

ÖÄK fordert: Ende der Machtspielchen und Einbindung von Experten

"Ich erwarte einen Paradigmenwechsel in der Politik hin zu einer
gesicherten, humanen Patientenversorgung. Dazu gehört eine Abkehr von
dieser als 'Gesundheitsreform' getarnten Finanzreform, bei der es nur
um Geld, Machtaufteilung und um neue zentralistische
Steuerungsapparate geht und darum, wer in welchem Gremium mit welchem
Stimmrecht sitzen darf. Dies, verbunden mit rigidem Monitoring,
zentralisiertem Berichtswesen und drohenden Sanktionsregeln ergibt
noch keine Gesundheitsreform", so der ÖÄK-Chef. Er verlangte die
Einbindung der Ärztekammer, die mit objektiver Fachexpertise zu einer
tatsächlichen Gesundheitsreform im Sinne einer verbesserten
Patientenversorgung beitragen wolle. Und Wechselberger stellte klar:
"Die ÖÄK wird jedenfalls nicht tatenlos zusehen, wenn der Bevölkerung
durch Zurückfahren des Gesundheitsbudgets notwendige, moderne
medizinische Leistungen vorenthalten und Versorgungseinrichtungen
gesperrt werden, sodass einer Zwei-Klassen-Medizin Tür und Tor
geöffnet wird." (ar) (Schluss)

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