- 17.10.2012, 10:00:48
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Oesterreichs Energie Kongress 2012: Zeit zum Handeln
Kernthemen der Energiezukunft erfordern entschiedene Maßnahmen
Utl.: Kernthemen der Energiezukunft erfordern entschiedene Maßnahmen=
Wien (OTS) - Der bevorstehende Umbau des Energiesystems auf
erneuerbare Energien in Europa und Österreich braucht dringend mehr
Unterstützung von Politik und Verwaltung. Das erklärte Peter Layr,
Präsident von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der
österreichischen E-Wirtschaft anlässlich des Branchenkongresses in
Innsbruck. Jetzt gehe es darum, die zentralen Bausteine der künftigen
Energieversorgung zu sichern, damit Strom aus erneuerbarer Energie
auch künftig sicher und leistbar bleibt.
Layr nannte fünf Kernthemen für die Energiezukunft: Anhebung der
Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und CO2-armen Technologien,
Stärkung der Beiträge der jeweiligen Standorte zur gesamteuropäischen
Versorgung, bessere Koordination auf europäischer Ebene, rasche
Bereitstellung von Strukturen, die den beschleunigten Atomausstieg
ermöglichen und Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz bei den
Kunden: "Marktdesign und Infrastruktur des Strommarktes müssen an die
aktuellen Herausforderungen angepasst werden."
Wichtigste Maßnahmen aus Sicht der E-Wirtschaft sind der konsequente
Ausbau erneuerbarer Energien, eine quantitative und qualitative
Aufrüstung der Netze und eine intelligente Regulierung. Layr: "Wenn
wir die richtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung
der erneuerbaren Energien im Inland schaffen, kann der Systemumbau
gelingen."
Lange Verfahren bremsen erneuerbare Energien und Infrastrukturausbau
Oesterreichs Energie sieht die Gefahr, dass bereits die in der
Energie-Strategie verankerten Energieziele Österreichs nicht erreicht
werden. Dort ist festgehalten, dass bis 2015 ein Wasserkraftausbau um
3,5 Milliarden Kilowattstunden geschafft werden soll. 16 Projekte
sind in Bau, 43 stecken in Verfahren fest. Layr: "So wie es heute
aussieht, wird 2015 nicht einmal ein Drittel geschafft sein. Der Rest
verschiebt sich auf 2020 oder später, weil die Genehmigungsverfahren
so lange dauern." Auch der Ausbau der Netze könnte schneller
erfolgen: "Wenn es zu keiner Änderung der Regulierungssystematik
kommt, die diese Investitionen erleichtert, werden die Netze einen
weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien verzögern", so Layr.
Neues Marktdesign für Energiemärkte erforderlich
Das derzeitige Marktdesign stammt aus der Phase der Liberalisierung.
Der inzwischen eingetretene Impuls zum Ausbau der erneuerbaren
Energien ist im alten Marktmodell unzureichend berücksichtigt. Das
führt zu starken Instabilitäten bei Strommengen und
-preisen an den Energiebörsen in Österreich und Europa. Layr:
"Oesterreichs Energie ruft die Behörden deshalb auf, gemeinsam die
richtigen Weichenstellungen für eine Weiterentwicklung des
Marktdesigns vorzunehmen".
Regionale Stromautonomie und Stärkung des Standorts Tirol
Im Herzen des Alpenraums präsentiert sich eine starke E-Wirtschaft,
die bereit ist, alle Herausforderungen zu meistern, erklärte Bruno
Wallnöfer, Vorstandsvorsitzender der TIWAG und langjähriger
Vizepräsident von Oesterreichs Energie sowie Gastgeber von
Oesterreichs Energie Kongress 2012.
Die Strategie der TIWAG ist es, mit ihren Projekten einen Beitrag
sowohl zur europäischen Energiewende als auch zur Stromautonomie
Tirols und Österreichs zu leisten.
Wallnöfer: "Den Beitrag zur europäischen Energiewende sehen wir im
Ausbau unserer Speicher und Pumpspeicher. Sie sind unverzichtbar zur
Glättung der starken Schwankungen der Stromerzeugungsbeiträge aus
neuen erneuerbaren Energien und ermöglichen erst die Integration von
Wind- und Sonnenkraft in das Gesamtsystem. Der Ausbau der Speicher
ist die wesentlichste industriepolitische Wachstumsperspektive, über
die wir in Tirol verfügen."
Stromautonomie für Tirol geplant
Wenn die Energiewende gelingen soll, muss jede Region nach ihren
Möglichkeiten ihren Beitrag leisten. Wallnöfer: "Wir wollen einen
möglichst großen Teil des Stroms, den wir in Tirol verbrauchen, auch
im Land selbst erzeugen. Wir wollen ja keine Trittbrettfahrer sein,
die von den Ressourcen Dritter leben." Stromautonomie bedeutet aus
Sicht der E-Wirtschaft, dass man im Jahresschnitt unter Einbeziehung
der auch in Zukunft unverzichtbaren Stromtausch- und
Handelsaktivitäten einen ausgeglichenen Saldo zwischen Erzeugung und
Verbrauch aufweisen kann. Für Tirol sieht Wallnöfer zur Erlangung der
Stromautonomie den Bedarf nach einem Zubau von 2000 Gigawattstunden
Erzeugung bis zum Jahr 2030, sohin ca. 100 GWh pro Jahr. Wallnöfer:
"Dafür haben wir ein konkretes Konzept mit den Speicherprojekten, mit
Ausleitungs-Laufkraftwerken und diversen kleineren Vorhaben. Diesen
Projektmix halten wir auch in Anbetracht der schwierigen rechtlichen
Rahmenbedingungen und unter Einbeziehung des Tiroler
Kriterienkatalogs für realisierbar."
Rechtssicherheit und Planungssicherheit verbessern
Die überaus langwierigen Verfahren für neue Kraftwerke gefährden auch
in Tirol die Ausbauziele. Wallnöfer: " Allein die Vorbereitungszeit
und insbesondere die Variantenprüfung für das Einreichoperat
Kaunertal hat sieben Jahre erfordert." Die TIWAG rechnet in der Folge
mit fünf Jahren Verfahrensdauer über zwei Instanzen. Die
Verantwortung für die langen Verfahren sieht der
TIWAG-Vorstandsvorsitzende eindeutig beim Gesetzgeber. Die
Verwaltungsbehörden würden sich ohnehin enorm anstrengen, um ihren
Aufgaben einigermaßen gerecht werden zu können. Die E-Wirtschaft als
Schlüsselindustrie der modernen Gesellschaft sei aufgrund der
langfristigen Ausrichtung ihrer Tätigkeit und der hohen
Kapitalintensität der Investitionen auf stabile Rahmenbedingungen
angewiesen. "Damit wir unsere Möglichkeiten im Interesse der Bürger
ausschöpfen können, brauchen wir Rechtssicherheit, Planungssicherheit
und Sicherheit bezüglich der Finanzierungsbedingungen", so Wallnöfer.
E-Wirtschaft investiert in die Zukunft
Österreichs E-Wirtschaft investiert mit voller Kraft in die
Energiezukunft. 2011 lagen die Investitionen der Branche nach
jüngsten Zahlen erneut auf dem Rekordniveau von 1,6 Milliarden Euro.
"Wir sichern damit rund 15.000 Arbeitsplätze in Österreich -
zusätzlich zu den über 20.000 Jobs in unserer Branche", erklärte
Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Diese
Investitionen stärken die Gesamtwirtschaft mit einem zusätzlichen
Produktionseffekt von über drei Milliarden Euro, wobei über zwei
Milliarden auf heimische Wertschöpfung entfallen.
Die E-Wirtschaft ist damit auch eine wichtige Stütze der öffentlichen
Finanzen. Schmidt: "Insgesamt beläuft sich damit die Summe, die aus
der E-Wirtschaft an die öffentliche Hand fließt auf knapp 3 Mrd.
Euro". Direkt fließen jährlich 1,3 Mrd. aus der E-Wirtschaft an die
öffentliche Hand. Dazu kommen rund 600 Mio. Euro an Dividenden, 200
Mio. Euro Energieabgabe, 500 Mio. Euro an Mehrwertsteuer und 1,5 Mrd.
Euro pro Jahr an weiteren direkten und indirekten Steuern wie
Lohnsteuern oder Sozialversicherungsbeiträgen. Mit den geplanten
Zukunftsinvestitionen von 16,3 Milliarden Euro wird die E-Wirtschaft
zudem eine der wichtigsten Stützen der Inlandskonjunktur.
Gemeinsame Initiative der Alpenländer geplant
Neue Chancen ergeben sich für die Länder der Alpenregion aus dem
steigenden Bedarf an Infrastruktur zum Ausgleich für die schwankende
Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Schmidt: "Der Alpenraum
bietet für den Bau von Pumpspeichern echte Standortvorteile. Aktuell
liegen Projekte vor, die in Summe in etwa eine Verdoppelung der
Kapazität der installierten Anlagen bedeuten. Weitere Potenziale in
zumindest ähnlicher Höhe sind vorhanden und könnten entwickelt
werden. Schmidt: "Die geplanten Investitionen in Pumpspeicher in den
drei Ländern summieren sich auf über 20 Milliarden Euro. Dadurch
werden Steuern und Abgaben im Ausmaß von 5 Mrd. Euro generiert und
die Investitionen schaffen oder sichern zwischen 200.000 und 400.000
Jahresarbeitsplätze." Oesterreichs Energie und die
E-Wirtschafts-Verbände aus der Schweiz und Deutschland, VSE und BDEW
wollen in diesen Fragen künftig zusammenarbeiten und gemeinsam
Konzepte für die Zukunft entwickeln. Schmidt: "So wie das Motto des
Kongresses lautet, sagen wir auch hier - es ist Zeit zum Handeln."
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