- 16.10.2012, 13:19:04
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"Ein Kärnten. Die Lösung." - Buch zur Ortstafel-Lösung präsentiert
LH Dörfler, Volksgruppenvertreter Sturm und Sadovnik sowie früherer Botschafter Kubesch bei Pressekonferenz in Wien
Utl.: LH Dörfler, Volksgruppenvertreter Sturm und Sadovnik sowie
früherer Botschafter Kubesch bei Pressekonferenz in Wien=
Klagenfurt (OTS/LPD) - Mit einem herzlichen "Dober dan und Guten Tag"
hoch über den Dächern von Wien in der Sky Bar stellte heute,
Dienstag, Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler gemeinsam mit den
Volksgruppenvertretern Marjan Sturm (Zentralverband) und Bernard
Sadovnik (Gemeinschaft) sowie dem früheren österreichischen
Botschafter in Laibach, Erwin Kubesch, das Ortstafelbuch "Ein
Kärnten. Die Lösung." der Presse vor. Kärnten und die Volksgruppe
seien damit am Ziel und in der Mitte der Brücke angelangt. Dörfler
erinnerte daran, dass eine derartige Pressekonferenz mit zwei
Volksgruppenvertretern vor drei Jahren noch undenkbar gewesen wäre.
Er bedankte sich bei Sturm, Sadovnik und Kubesch für ihr Wirken und
die kluge Mitarbeit rund um die Ortstafellösung. Sie seien dabei
wichtige Vermittler, internationale Verbinder und Projektentwickler
gewesen.
In Bezug auf das vorgestellte Buch meinte der Landeshauptmann,
dass es die Zeitgeschichte des Landes von 1848 bis 2011 widerspiegle.
Seine Drucklegung sei der Abschluss einer ereignisreichen Zeit, die
über 100 Jahre lang alle beschäftigt habe. Namhafte Experten und
Autoren haben Beiträge für das 200 Seiten starke Buch geliefert. Die
Kärntner Volksgruppenfrage wird rückblickend und bis in die Gegenwart
von den Historiker Wilhelm Wadl (1848-1918), Hellwig Valentin
(1918-1938), Stefan Karner (1938-1945), Claudia Fräss-Ehrfeld
(1945-1976) und noch einmal Stefan Karner (1976-2011, "Die
Ortstafelfrage im Fokus der Kärntner Politik") beleuchtet. Weitere
Autoren sind die Chefredakteure der Kärntner Tageszeitungen, Reinhold
Dottolo, Hannes Mößlacher und Ralf Mosser. Beiträge lieferten u. a.
auch Verfassungsexperte Gerold Glantschnig, Sprachforscher
Heinz-Dieter Pohl, die ORF-Redakteure Eugen Freund und Christian
Wehrschütz, die Journalistinnen Waltraud Dengel und Andrea Bergmann
oder LH-Mitarbeiterin Nicole Beclin. Im Buch finden sich zudem
"Dialogstimmen" von u. a. Bischof Alois Schwarz, Superintendent
Manfred Sauer, Skikaiser Franz Klammer, Ex-Radprofi Paco Wrolich,
Bleds Bürgermeister Janez Fajfar oder Bad Eisenkappels Bürgermeister
Franz-Josef Smrtnik.
Der Landeshauptmann erinnerte daran, dass der Weg bis zur Lösung
viele Politiker in Wien und in Kärnten beschäftigt habe. Es habe
insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gegolten, viele
Brocken und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Er selber habe
nach der Wahl 2009 ein Jahr des Lernens und des Vertrauensaufbaus zu
den Volksgruppenvertretern durchlebt: "Ich bin zuerst einen leisen
und versteckten Weg gegangen und erst danach habe ich mich mit den
Vertretern von Bund und Volksgruppe an einen Tisch gesetzt." Explizit
erwähnte er Staatssekretär Josef Ostermayer, mit dem eine Lösung in
Freundschaft gelungen sei: "Mit ihm gab es vom Start der
Verhandlungen weg immer eine gute Chemie." Allen Verhandlern sei
attestiert worden, dass man eine gute Lösung erzielt habe: "Mein
Spruch mit der Mitte der Brücke ist voll aufgegangen." Dörfler
betonte zudem, dass es 40 Jahre nach dem Ortstafel-Sturm, 2011 und
auch heuer 2012, keinen einzigen negativen Aktionismus mehr in
Kärnten gegeben habe. Solche, die aber immer noch nicht in der Mitte
der Brücke angelangt seien, sollten sich dorthin bewegen, appellierte
er.
Das Wort Begegnung/Srecanje sei ihm seit der Ortstafel-Lösung sehr
wichtig, so Dörfler weiters. Er spreche mit den
Volksgruppenvertretern aus ganzem Herzen gerne: "Das Lächeln, das man
aussendet, kehrt immer wieder zurück." In Bezug auf die weitere
Zusammenarbeit mit den Volksgruppenvertretern regte der
Landeshauptmann jedoch die Bildung einer gemeinsamen Dachorganisation
an. Ihr könnte jedes Jahr der Vertreter einer anderen
Volksgruppenorganisation vorstehen. Sadovnik meinte daraufhin, dass
eine solche Organisation bereits von der Gemeinschaft und dem
Zentralverband vorgeschlagen worden sei, man aber noch auf die
Rückmeldung des Rates warte. Er betonte aber gleichzeitig, dass es
seit der Ortstafel-Lösung unter den Volksgruppenorganisationen
absoluten Konsens gebe und man alle Positionen gemeinsam an den
Bundeskanzler weiterleite.
Für Sturm ist die Ortstafel-Lösung eine Zäsur und ein Kompromiss,
auf beiden Seiten habe ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Die
Beziehungen zu Slowenien müssten weiter ausgebaut werden,
Kooperationen über die Grenzen seien wichtig. Sadovnik sagte noch,
dass mit der Lösung ein historisches Zeitfenster aufgestoßen worden
sei, an das wenige geglaubt hätten. "Das brachte Frieden und ein
starkes Miteinander, von dem vor allem die Gemeinden einen Mehrwert
haben. Dieser werde auch von immer mehr Menschen erkannt", so
Sadovnik, der die Partnerschaft für Mehrsprachigkeit und das
Dialogforum erwähnte.
Kubesch verwies auf die langen guten bilateralen Beziehungen
zwischen Slowenien und Österreich. Der Beitritt Sloweniens zur EU sei
von Österreich immer unterstützt worden. Der Ortstafelkonflikt als
einzige offene Frage sei vorbildlich gelöst und beendet worden. Ohne
Brückenbauer auf beiden Seiten hätte es diese Lösung nicht gegeben,
so Kubesch.
(Schluss)
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