- 12.10.2012, 08:56:43
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Bekassine ist Vogel des Jahres 2013: Der "Himmelsziege" fehlen Feuchtwiesen und Moore
Das Naturhistorische Museum Wien zeigt erstmals die vom Aussterben bedrohte Schnepfenart mit hörbarem Meckern in der Vogelsammlung.

Utl.: Das Naturhistorische Museum Wien zeigt erstmals die vom
Aussterben bedrohte Schnepfenart mit hörbarem Meckern in der
Vogelsammlung.=
Wien (OTS) - Die Bekassine (Gallinago gallinago) wurde heute zum
"Vogel des Jahres 2013" von BirdLife Österreich sowie den
Partnerorganisationen Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem
Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern gekürt. Das "Meckern"
beherrscht die Schnepfenart nicht erst seit ihr der Lebensraum mit
Feuchtwiesen und Mooren zusehends abhanden gekommen ist und die
Bestandsgröße sich auf wenige Brutpaare reduziert hat. Das Männchen
erzeugt das artenspezifische "Meckern", indem es sich im Balzflug mit
abgespreizten äußeren Schwanzfedern rasant in die Tiefe stürzt.
Jetzt, wo der Kurzstreckenzieher bereits auf dem Weg in die
Überwinterungsquartiere im Mittelmeergebiet unterwegs ist, kann der
Wiesenvogel mit seinem charakteristischen "Meckern" im
Naturhistorischen Museum Wien bewundert werden.
Abgesehen vom "Meckern, das in der Ausstellung im Saal 29 erlebt
und gehört werden kann, ist der überproportional lange und gerade
Schnabel das auffälligste Zeichen der Bekassine. "Mit der
Präsentation der Bekassine als Vogel des Jahres 2013 möchte das
Naturhistorische Museum Wien", so Generaldirektor Christian Köberl,
"einerseits das Interesse für die Vielfalt der Vogelwelt wecken,
gleichzeitig aber auch auf die prekäre Lebensraum-Situation vieler
Wiesenvogelarten hinweisen." Ende Juli haben bereits viele in
Nordeuropa brütende Bekassinen ihre Brutreviere verlassen. Bei milder
Witterung kann sich die Zugzeit bis in den späten Herbst hinein
verschieben.
Tarnkünstlerin mit Hightech-Schnabel
Unter den Schnepfen ist die Bekassine eine mittelgroße Art. Mit
ihrem untersetzten Körper, kurzen Beinen und braunen Gefieder bewegt
sich die Tarnkünstlerin geschickt durch feuchte Seggen-, Binsen- und
Moorlandschaften. Auf der Suche nach Würmern, Schnecken und Insekten
watet sie durch offene schlammige Bereiche und flache Gewässer. Der
lange Schnabel ist dabei das perfekte Werkzeug, um in den lockeren
Schichten feuchter Böden Kleintiere zu orten und zu ertasten. Samen
von Gräsern und anderen Pflanzen stehen aber genauso auf dem
Speisplan. Bei Gefahr duckt sie sich auf den Boden und ist kaum vom
Untergrund zu unterscheiden. Die Jungen verlassen bereits am ersten
Tag das Nest und suchen selbst nach Nahrung. Wenngleich die Eltern
sie auch zu den besten Nahrungsplätzen führen.
Herber Bestandsverlust auch in Österreich zu verzeichnen
"Im Jahr der Bekassine wollen wir aufzeigen, dass die
Intensivierung der Landwirtschaft mit einer frühen bzw. häufigen
Wiesenmahd, das Entwässern von Grünland und die zunehmende
Zersiedelung der Brutgebiete den Wiesenvögeln generell zusetzt", so
Gerhard Loupal, Präsident von BirdLife Österreich. Die bekanntesten
österreichischen Bekassinen-Vorkommen orten die Ornithologen im Ibmer
Moor in Oberösterreich, im Salzburger Alpenvorland sowie im
Vorarlbergischen Rheintal. Nur im Schutzgebiet Ibmer Moor konnte
aufgrund von Renaturierungsmaßnahmen ein stabiler Bestand mit etwa 20
Brutpaaren über die Jahre erhalten werden. In allen anderen einst
dicht besiedelten Brutgebieten führten Lebensraumveränderungen zu
Rückgängen. Ende der 90er Jahre waren der Vogelschutzorganisation in
Vorarlberg 20-30 Brutpaare bekannt. Im Vorjahr waren es nur noch 4-5.
"Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass die Bekassine ohne konkrete
Artenschutzmaßnahmen in Österreich vor dem Aus steht", so Loupal.
Wohngemeinschaft Feuchtgrünland
Oft unentdeckt leben auch andere Bodenbrüter im Feuchtgrünland.
Wie die Bekassine werden der Große Brachvogel, der Kiebitz, die
Uferschnepfe, der Rotschenkel, der Wachtelkönig, die Schafstelze oder
auch das Braunkehlchen hierzulande immer seltener. "Die Folgen der
ertragsintensiven Landwirtschaft haben langfristig wir alle zu
tragen. Es ist allerhöchste Zeit für eine politische Weichenstellung,
wo Feuchtwiesen und Mooren wieder Raum gegeben wird", betont Gerhard
Loupal die wichtige Botschaft der Bekassine als Vogel des Jahres
2013.
Vogel des Jahres 2012 ist die Dohle.
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