TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Samstag, 6. Oktober 2012, von Alois Vahrner: "Familiensilber und einige Kratzer"

Innsbruck (OTS) - Punktgenau zum Budget-Landtag kam das grüne Licht der EU zur 220-Millionen-Euro-Kapitalspritze für die Hypo aus Tiwag-Geldern. Trotz dieser verschleierten Schuldenexplosion steht Tirol im Ländervergleich beneidenswert gut da.

Dass eine Regierung, egal wo, ihr Budget und die Finanzlage in den höchsten Tönen lobt und die Opposition selbiges als reinste Katastrophe geißelt, gehört offenbar zum politischen Geschäft -leider unabhängig von der tatsächlichen Lage. So gesehen waren diese Woche die Aussagen im Landtag rund ums Tiroler Budget auch wenig überraschend.
Pünktlich zum Budget-Landtag kam auch die Entscheidung der EU-Kommission zur heftig diskutierten 220-Millionen-Euro-Geldspritze für die Hypo. Die Landesbank hatte ja bei ihrem wilden Expansionskurs riesige Kreditleichen im Keller angesammelt. Dass hier der frühere Vorstand und auch der Aufsichtsrat versagt haben und sich die vorangegangene schwarz-rote Landesregierung von rasanten Zuwächsen blenden ließ, ist Tatsache. Und auch, dass diese Misswirtschaft die Steuerzahler ausbaden müssen.
Die Hypo war nach der Tiroler Sparkasse (auch hier gab es einst einen Riesenverlust), bei der einst VP-Granden wie Herwig van Staa, Jürgen Bodenseer, Toni Steixner, aber auch der jetzt schärfste Hypo-Kritiker Fritz Dinkhauser im Aufsichtsrat gesessen sind, schon der zweite Fall von politischem Aufsichtsversagen. Die Banken-Flops (bei der Hypo wird unter der neuen Führung aufgeräumt) ließen an der Wirtschaftskompetenz vor allem der in Tirol ununterbrochen an den Schalthebeln sitzenden ÖVP zweifeln.
Glücklicherweise wurde aber im Land nicht immer so schlecht gewirtschaftet. Ganz im Gegenteil, wenn die Kennzahlen Tirols mit anderen Bundesländern verglichen werden. Tirol hat laut EU die niedrigste Arbeitslosigkeit aller 271 verglichenen Regionen, beim Wirtschaftswachstum lag Tirol in den letzten 15 Jahren meist besser als der Bundesschnitt. Bemerkt werden muss aber auch, dass Tirol bei Wohnen, Treibstoffen und in der Gastronomie die höchsten Preise hat und bei den Löhnen im Hinterfeld liegt.
Das Land Tirol hatte im Vorjahr als einziges Bundesland einen Überschuss, im Ländervergleich haben die Tiroler die geringste Pro-Kopf-Verschuldung - selbst wenn für die jetzige Hypo-Spritze die Tiwag angezapft wurde und dies eigentlich eine verschleierte Schuldenerhöhung darstellt. Tirol hat wenig Schulden und dazu als einziges Bundesland noch das komplette Familiensilber in der Vitrine:
Tiwag, Hypo und die Wohnbauförderung, dazu viele Liegenschaften. Auch wenn der Hypo-Wert wegen des Italien-Debakels derzeit ramponiert ist, hat das Land mindestens 5 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

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