• 05.10.2012, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Samstag, 6. Oktober 2012, von Alois Vahrner: "Familiensilber und einige Kratzer"

Innsbruck (OTS) - Punktgenau zum Budget-Landtag kam das grüne Licht
der EU zur 220-Millionen-Euro-Kapitalspritze für die Hypo aus
Tiwag-Geldern. Trotz dieser verschleierten Schuldenexplosion steht
Tirol im Ländervergleich beneidenswert gut da.

Dass eine Regierung, egal wo, ihr Budget und die Finanzlage in den
höchsten Tönen lobt und die Opposition selbiges als reinste
Katastrophe geißelt, gehört offenbar zum politischen Geschäft -
leider unabhängig von der tatsächlichen Lage. So gesehen waren diese
Woche die Aussagen im Landtag rund ums Tiroler Budget auch wenig
überraschend.
Pünktlich zum Budget-Landtag kam auch die Entscheidung der
EU-Kommission zur heftig diskutierten 220-Millionen-Euro-Geldspritze
für die Hypo. Die Landesbank hatte ja bei ihrem wilden Expansionskurs
riesige Kreditleichen im Keller angesammelt. Dass hier der frühere
Vorstand und auch der Aufsichtsrat versagt haben und sich die
vorangegangene schwarz-rote Landesregierung von rasanten Zuwächsen
blenden ließ, ist Tatsache. Und auch, dass diese Misswirtschaft die
Steuerzahler ausbaden müssen.
Die Hypo war nach der Tiroler Sparkasse (auch hier gab es einst
einen Riesenverlust), bei der einst VP-Granden wie Herwig van Staa,
Jürgen Bodenseer, Toni Steixner, aber auch der jetzt schärfste
Hypo-Kritiker Fritz Dinkhauser im Aufsichtsrat gesessen sind, schon
der zweite Fall von politischem Aufsichtsversagen. Die Banken-Flops
(bei der Hypo wird unter der neuen Führung aufgeräumt) ließen an der
Wirtschaftskompetenz vor allem der in Tirol ununterbrochen an den
Schalthebeln sitzenden ÖVP zweifeln.
Glücklicherweise wurde aber im Land nicht immer so schlecht
gewirtschaftet. Ganz im Gegenteil, wenn die Kennzahlen Tirols mit
anderen Bundesländern verglichen werden. Tirol hat laut EU die
niedrigste Arbeitslosigkeit aller 271 verglichenen Regionen, beim
Wirtschaftswachstum lag Tirol in den letzten 15 Jahren meist besser
als der Bundesschnitt. Bemerkt werden muss aber auch, dass Tirol bei
Wohnen, Treibstoffen und in der Gastronomie die höchsten Preise hat
und bei den Löhnen im Hinterfeld liegt.
Das Land Tirol hatte im Vorjahr als einziges Bundesland einen
Überschuss, im Ländervergleich haben die Tiroler die geringste
Pro-Kopf-Verschuldung - selbst wenn für die jetzige Hypo-Spritze die
Tiwag angezapft wurde und dies eigentlich eine verschleierte
Schuldenerhöhung darstellt. Tirol hat wenig Schulden und dazu als
einziges Bundesland noch das komplette Familiensilber in der Vitrine:
Tiwag, Hypo und die Wohnbauförderung, dazu viele Liegenschaften. Auch
wenn der Hypo-Wert wegen des Italien-Debakels derzeit ramponiert ist,
hat das Land mindestens 5 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

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