• 27.09.2012, 10:32:30
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Österrreichische Banken wetten auf Hunger

Attac: Institute sollen sich aus Spekulationsgeschäften und Land Grabbing zurückziehen

Utl.: Attac: Institute sollen sich aus Spekulationsgeschäften und
Land Grabbing zurückziehen=

Wien (OTS) - Nahrungsmittelspekulation und Land Grabbing gehört mit
zu den skandalösesten Geschäften der Finanzmärkte. Die Gewinne der
Spekulanten verschärfen den Hunger der Ärmsten. Auch zahlreiche
europäische und österreichische Banken sind an spekulativen
Geschäften mit Nahrungsmitteln sowie an Fonds oder Projekten, die zu
Land Grabbing beitragen, beteiligt.

Friends of the Earth Europe hat als Fallbeispiel die Tätigkeiten der
Raiffeisen Gruppe in diesem Bereich untersucht.* Anne van Schaik,
Kampagnenleiterin für Finanzmärkte bei Friends of the Earth:
"Raiffeisen hat sich, entgegen ihrer vollmundigen Ankündigungen, noch
immer nicht komplett aus den Spekulationen mit Lebensmitteln
zurückgezogen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die
Unternehmensgruppe in Konzerne investiert oder an sie Kredite
vergibt, die in Land Grabbing verwickelt sind. Raiffeisen unterstützt
zahlreiche Unternehmen, die nachgewiesenermaßen Probleme in lokalen
Gemeinschaften verursachen und des Landraubs beschuldigt werden. Wir
fordern Raiffeisen auf, Landraub nicht weiter zu unterstützen."

Auch andere österreichische Banken investieren in
Lebensmittelspekulationen. So zum Beispiel Unicredit Bank Austia, die
Finanzprodukte verkauft, die auf die Preisentwicklung von Rohstoffen
spekulieren. Dies betrifft zum Beispiel die Preise von Getreide und
Vieh. Außerdem die Volksbanken AG, die Rohstoffzertifikate verkauft,
deren Wert direkt auf den Preisen von Agrarprodukten aufbaut, hier
speziell auf Weizen, Zucker und Sojabohnen. Die Erste Bank ermöglicht
KundInnen die risikolose Spekulation auf Lebensmittelpreise über
ihren ESPA GARANT COMMODITIES Fonds.

Da Spekulation auf Finanzmärkten ein entscheidender Preistreiber bei
Nahrungsmitteln ist, müssen hier finanzpolitische Gegenmaßnahmen
gesetzt werden. Karin Küblböck von Attac Österreich: "Wir müssen der
Finanzlobby entgegenwirken, die derzeit keine Anstrengungen scheut,
um selbst die vorliegenden Regulierungsvorschläge wieder zu
verwässern." Attac kritisiert die gestern im Ausschuss Wirtschaft und
Währung (ECON) des Europäischen Parlaments abgestimmte Richtlinie zur
Regulierung von Wertpapiermärkten (MiFID) als unzureichend. Attac
fordert den unkontrollierten außerbörslichen Handel ("over the
counter", OTC) mit Derivaten generell zu verbieten. An den Börsen
müssen sowohl Derivate selbst als auch deren Händler einer
Zulassungspflicht und Positionslimits unterworfen werden. Lizenzen
für den Handel mit agrarischen Rohstoffen sollen nur an jene Akteure
vergeben werden die mit dem physischen Grundgeschäft unmittelbar
beteiligt sind. Der Eigenhandel der Banken mit Rohstoffderivaten ist
zu untersagen.

Heidemarie Porstner von Global 2000 - Friends of the Earth
Österreich: "Es ist unglaublich, dass Lebensmittel als
Spekulationsgut herangezogen werden, damit Finanzakteure sich daran
bereichern können. Die Spekulation der Banken stellt ein massives
Hindernis für die Reformen in der Agrarpolitik dar. Nicht nur in
Europa, sondern weltweit müssen wir uns um eine Ökologisierung der
Landwirtschaft bemühen, die Spekulation der Banken mit Boden, Land
und Nahrungsmitteln muss daher ein Ende haben."

Die RaiffeisenKapitalanlage-GmbH verfügt auch über eine finanzielle
Beteiligung am Minenunternehmen AngloGold Ashanti. Brigitte
Reisenberger, Journalistin und Co-Autorin des Schwarzbuchs Gold: "Der
Goldabbau vernichtet die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort in
Ghana. Das Land der Bauern und Bäuerinnen muss der Ausdehnung der
Iduapriem Goldmine von AngloGold Ashanti weichen. Viele haben
entweder keine oder nur eine geringe Entschädigung für den Verlust
ihres Ackerlands erhalten. Die Flüsse werden immer wieder durch die
Bergbauaktivitäten verseucht. Investoren müssen nach dem
Vorsorgeprinzip verfahren und nur investieren, wenn sie klar
ausschließen können, dass damit nicht Firmen unterstützt werden, die
in Land Grabbing und Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind.
Selbstverpflichtungen von Banken und Investmentfirmen werden dafür
nicht ausreichen."

Ein OECD Bericht zeigt, dass 44 Prozent aller Fonds mit Investitionen
in Ackerland und landwirtschaftlicher Infrastruktur aus Europa
stammen. Gemeinsam fordern van Schaik, Porstner, Reisenberger und
Küblböck alle Banken und Finanzinstitute dazu auf sich aus
Spekulationen mit Lebensmitteln sowie Land Grabbing zurückzuziehen.
Außerdem braucht es effektive Kontroll- und Regulierungsmechanismen
auf europäischer und internationaler Ebene.

* Der Raffeisen-Report zum Download: http://bit.ly/S1ddqL

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