- 25.09.2012, 09:51:17
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AVISO: Quadriga 13 zum "Wert der Bildung" Parlament lädt zu Diskurs über Bildungsthemen
Wien (PK) - Bildung als soziologisches, politisches und ideologisches
Diskussionsthema behandelt die nächste Buchpräsentation der Reihe
Quadriga, zu der Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute, am
25. September 2012, in das Palais Epstein lädt. Beleuchtet werden
verschiedene Ansätze zur Gestaltung des Bildungssystems und deren
gesellschaftlichen Auswirkungen. Auf Grundlage von vier aktuellen
Publikationen zur Bildungsthematik diskutieren Heinz Bude (Professor
für Soziologie), Renate Girmes (Erziehungswissenschafterin) und
Konrad Paul Liessmann (Philosoph und Essayist), was den Wert der
Bildung für unsere heutige Gesellschaft ausmacht.
Die Moderation der Diskussionsrunde übernehmen Zita Bereuter (FM4)
und Peter Zimmermann (Ö1). Begrüßt werden die Gäste durch
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer.
Veranstaltungsbeginn ist um 18.00 Uhr. Für die Teilnahme ist eine
verbindliche Anmeldung unter [email protected]
erforderlich.
Von Bildungspanik bis Elitedenken: die Bücher im Überblick
Heinz Bude: Bildungspanik. Was unsere Gesellschaft spaltet. Hanser
2011
Die soziale Dimension der Bildung nimmt Heinz Bude in "Bildungspanik
- was unsere Gesellschaft spaltet" ins Visier. Ausgehend von der
Bildungssituation in Deutschland merkt der Soziologe an, dass dort
die soziale Herkunft eines Menschen zentral für die Art seines
Bildungsabschlusses und folglich seiner gesellschaftlichen Stellung
sei. Damit würde Bildung benutzt, um soziale Unterschiede
auszuspielen. Als Konsequenz gehen Bude zufolge der Gesellschaft
viele Potentiale verloren, was sich etwa im derzeitigen
Fachkräftemangel der Wirtschaft ausdrücke. Eine Lösung dieses
Problems sieht der Autor in der Schaffung von Einheitsschulen mit
differenzierten, aber gleichrangigen Abschlüssen. In solchen
Bildungseinrichtungen sollten SchülerInnen längere Zeit gemeinsam und
voneinander lernen, so Bude. Für ihn beschreibt der Ausdruck
Bildungspanik nicht zuletzt die gesellschaftliche Angst vor der
Tatsache, dass durch eine ausgeweitete Bildungsbeteiligung in der
Bevölkerung der einzelne Wert eines Abschlusses abnimmt. Eine
Bildungspolitik, die sich auf das Abwerten sozial durchlässiger
Bildungssysteme reduziert und nur Panik vor PISA-Tests schürt, laufe
jedoch ins Leere, warnt Bude, denn Bildung sei ein ernstzunehmendes
Grundrecht.
Renate Girmes: Der Wert der Bildung. Schöningh 2012
In "Der Wert der Bildung" entwirft Renate Girmes Bildungsräume, die -
wie der Untertitel des Buches sagt - "menschliche Entfaltung jenseits
von Knappheit und Konkurrenz" ermöglichen sollen. Die
Erziehungswissenschafterin ruft dazu auf, Bildung neu zu erfinden und
vor allem aus theoretischen bildungswissenschaftlichen Erkenntnissen
auch praktische Konsequenzen zu ziehen. Der Leistungs-, Vergleichs-
und Erfolgszwang im derzeitigen Bildungssystem evoziere Angst und
Stress, so Girmes, gebe jedoch SchülerInnen und Studierenden nicht
die Möglichkeit, sich ausreichend mit den Entwicklungen der Welt und
der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Die intrinsische Neugier der
Kindheit werde durch ein kapitalistisches Kosten-Nutzen-Kalkül
ersetzt. Professionell und mit wissenschaftlicher Expertise
gestaltete Bildungseinrichtungen, die Heranwachsenden das Recht auf
Selbstbestimmung und Wahlfreiheit geben, wären für Girmes
pädagogische Systeme, die unserer pluralen Wissensgesellschaft
entsprächen. Sie verweist dabei auf das Internet als Medium, in dem
der freie Zugang zu Wissen und die Verknüpfung von Inhalten gemäß dem
idealen Bildungsraum der Autorin bereits existieren. Zentral in
Girmes' pädagogischem Konzept steht die Freude am Tun, die Lernende
motiviert, in unbekanntes Terrain vorzudringen.
Markus Hengstschläger: Die Durchschnittsfalle. EcoWin 2012
Das derzeitige Bildungssystem prangert Markus Hengstschläger in
seinem Buch "Die Durchschnittsfalle" an, da Unterricht und Ausbildung
vor allem auf das Erreichen eines durchschnittlichen Wissensniveaus
der SchülerInnen und Studierenden ausgerichtet seien. Durch diese
"Gleichmacherei" würden die Talente, die jede/r Einzelne besitzt,
verschwendet, meint der Genetiker. Er sieht im Streben nach Anpassung
an allgemein akzeptierte Normen die größte Gefahr für die
gesellschaftliche Zukunft, weil dadurch Innovation verhindert werde.
Hengstschläger definiert in diesem Zusammenhang den Elitebegriff neu:
für ihn stellt jedes Individuum mit seinen speziellen Fähigkeiten
einen Teil der Elite dar. In unterschiedlichen Bereichen wie Sport,
Handwerk, Kunst, Wissenschaft, Management und Politik zeigt
Hengstschläger auf, dass individuelle Begabung der Schlüssel zum
Erfolg ist. Der Mensch als Produkt seiner Anlage und Umwelt könne
daher nur dann optimal gefördert werden, wenn das Bildungssystem
erlaube, individuelle Lösungsansätze auszuprobieren und die Lernenden
nicht nur zur Reproduktion von Gelerntem anhalte.
Alfred North Whitehead: Die Ziele von Erziehung und Bildung und
andere Essays. Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Christoph
Kann und Dennis Sölch. Suhrkamp 2012
Bildungsdebatten sind kein Phänomen der heutigen Zeit. Besonders im
angloamerikanischen Raum gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts
Auseinandersetzungen über die Organisation und Gestaltung schulischer
und universitärer Bildungseinrichtungen. Das zeigt ein heuer in
deutscher Übersetzung erschienenes Buch des britischen Mathematikers
und Philosophen Alfred North Whitehead mit bildungsphilosophischen
Texten, die erstmals 1967 gesammelt herausgegeben wurden. In seinen
Essays "Die Ziele von Erziehung und Bildung" verbindet Whitehead
mathematische Logik, Physik, Sozialphilosophie und Theologie mit
Erziehungs- und Bildungsphilosophie. Whitehead hatte das britische
Bildungswesen Anfang des vorigen Jahrhunderts selbst miterlebt und
war aufgrund dieser Erfahrungen und seiner eigenen Lehrtätigkeit zur
Erkenntnis gekommen, dass Begeisterung und Aktivität entscheidende
Faktoren für den Erfolg eines Lernprozesses sind. Angepasst an den
natürlichen Rhythmus menschlicher Entwicklung sind Whitehead zufolge
Unterrichtsmethoden zu etablieren, in denen der vermittelte Inhalt
lebendige Zusammenhänge mit praktischen Problemstellungen
aufweist.(Schluss)
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