AVISO: Quadriga 13 zum "Wert der Bildung" Parlament lädt zu Diskurs über Bildungsthemen

Wien (PK) - Bildung als soziologisches, politisches und ideologisches Diskussionsthema behandelt die nächste Buchpräsentation der Reihe Quadriga, zu der Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute, am 25. September 2012, in das Palais Epstein lädt. Beleuchtet werden verschiedene Ansätze zur Gestaltung des Bildungssystems und deren gesellschaftlichen Auswirkungen. Auf Grundlage von vier aktuellen Publikationen zur Bildungsthematik diskutieren Heinz Bude (Professor für Soziologie), Renate Girmes (Erziehungswissenschafterin) und Konrad Paul Liessmann (Philosoph und Essayist), was den Wert der Bildung für unsere heutige Gesellschaft ausmacht.

Die Moderation der Diskussionsrunde übernehmen Zita Bereuter (FM4) und Peter Zimmermann (Ö1). Begrüßt werden die Gäste durch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer.

Veranstaltungsbeginn ist um 18.00 Uhr. Für die Teilnahme ist eine verbindliche Anmeldung unter veranstaltungen04@parlament.gv.at erforderlich.

Von Bildungspanik bis Elitedenken: die Bücher im Überblick

Heinz Bude: Bildungspanik. Was unsere Gesellschaft spaltet. Hanser 2011

Die soziale Dimension der Bildung nimmt Heinz Bude in "Bildungspanik - was unsere Gesellschaft spaltet" ins Visier. Ausgehend von der Bildungssituation in Deutschland merkt der Soziologe an, dass dort die soziale Herkunft eines Menschen zentral für die Art seines Bildungsabschlusses und folglich seiner gesellschaftlichen Stellung sei. Damit würde Bildung benutzt, um soziale Unterschiede auszuspielen. Als Konsequenz gehen Bude zufolge der Gesellschaft viele Potentiale verloren, was sich etwa im derzeitigen Fachkräftemangel der Wirtschaft ausdrücke. Eine Lösung dieses Problems sieht der Autor in der Schaffung von Einheitsschulen mit differenzierten, aber gleichrangigen Abschlüssen. In solchen Bildungseinrichtungen sollten SchülerInnen längere Zeit gemeinsam und voneinander lernen, so Bude. Für ihn beschreibt der Ausdruck Bildungspanik nicht zuletzt die gesellschaftliche Angst vor der Tatsache, dass durch eine ausgeweitete Bildungsbeteiligung in der Bevölkerung der einzelne Wert eines Abschlusses abnimmt. Eine Bildungspolitik, die sich auf das Abwerten sozial durchlässiger Bildungssysteme reduziert und nur Panik vor PISA-Tests schürt, laufe jedoch ins Leere, warnt Bude, denn Bildung sei ein ernstzunehmendes Grundrecht.

Renate Girmes: Der Wert der Bildung. Schöningh 2012

In "Der Wert der Bildung" entwirft Renate Girmes Bildungsräume, die -wie der Untertitel des Buches sagt - "menschliche Entfaltung jenseits von Knappheit und Konkurrenz" ermöglichen sollen. Die Erziehungswissenschafterin ruft dazu auf, Bildung neu zu erfinden und vor allem aus theoretischen bildungswissenschaftlichen Erkenntnissen auch praktische Konsequenzen zu ziehen. Der Leistungs-, Vergleichs-und Erfolgszwang im derzeitigen Bildungssystem evoziere Angst und Stress, so Girmes, gebe jedoch SchülerInnen und Studierenden nicht die Möglichkeit, sich ausreichend mit den Entwicklungen der Welt und der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Die intrinsische Neugier der Kindheit werde durch ein kapitalistisches Kosten-Nutzen-Kalkül ersetzt. Professionell und mit wissenschaftlicher Expertise gestaltete Bildungseinrichtungen, die Heranwachsenden das Recht auf Selbstbestimmung und Wahlfreiheit geben, wären für Girmes pädagogische Systeme, die unserer pluralen Wissensgesellschaft entsprächen. Sie verweist dabei auf das Internet als Medium, in dem der freie Zugang zu Wissen und die Verknüpfung von Inhalten gemäß dem idealen Bildungsraum der Autorin bereits existieren. Zentral in Girmes' pädagogischem Konzept steht die Freude am Tun, die Lernende motiviert, in unbekanntes Terrain vorzudringen.

Markus Hengstschläger: Die Durchschnittsfalle. EcoWin 2012

Das derzeitige Bildungssystem prangert Markus Hengstschläger in seinem Buch "Die Durchschnittsfalle" an, da Unterricht und Ausbildung vor allem auf das Erreichen eines durchschnittlichen Wissensniveaus der SchülerInnen und Studierenden ausgerichtet seien. Durch diese "Gleichmacherei" würden die Talente, die jede/r Einzelne besitzt, verschwendet, meint der Genetiker. Er sieht im Streben nach Anpassung an allgemein akzeptierte Normen die größte Gefahr für die gesellschaftliche Zukunft, weil dadurch Innovation verhindert werde. Hengstschläger definiert in diesem Zusammenhang den Elitebegriff neu:
für ihn stellt jedes Individuum mit seinen speziellen Fähigkeiten einen Teil der Elite dar. In unterschiedlichen Bereichen wie Sport, Handwerk, Kunst, Wissenschaft, Management und Politik zeigt Hengstschläger auf, dass individuelle Begabung der Schlüssel zum Erfolg ist. Der Mensch als Produkt seiner Anlage und Umwelt könne daher nur dann optimal gefördert werden, wenn das Bildungssystem erlaube, individuelle Lösungsansätze auszuprobieren und die Lernenden nicht nur zur Reproduktion von Gelerntem anhalte.

Alfred North Whitehead: Die Ziele von Erziehung und Bildung und andere Essays. Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Christoph Kann und Dennis Sölch. Suhrkamp 2012

Bildungsdebatten sind kein Phänomen der heutigen Zeit. Besonders im angloamerikanischen Raum gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts Auseinandersetzungen über die Organisation und Gestaltung schulischer und universitärer Bildungseinrichtungen. Das zeigt ein heuer in deutscher Übersetzung erschienenes Buch des britischen Mathematikers und Philosophen Alfred North Whitehead mit bildungsphilosophischen Texten, die erstmals 1967 gesammelt herausgegeben wurden. In seinen Essays "Die Ziele von Erziehung und Bildung" verbindet Whitehead mathematische Logik, Physik, Sozialphilosophie und Theologie mit Erziehungs- und Bildungsphilosophie. Whitehead hatte das britische Bildungswesen Anfang des vorigen Jahrhunderts selbst miterlebt und war aufgrund dieser Erfahrungen und seiner eigenen Lehrtätigkeit zur Erkenntnis gekommen, dass Begeisterung und Aktivität entscheidende Faktoren für den Erfolg eines Lernprozesses sind. Angepasst an den natürlichen Rhythmus menschlicher Entwicklung sind Whitehead zufolge Unterrichtsmethoden zu etablieren, in denen der vermittelte Inhalt lebendige Zusammenhänge mit praktischen Problemstellungen aufweist.(Schluss)

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