• 24.09.2012, 18:23:19
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"Die Presse"-Leitartikel: Ein Achtzigjähriger als Alternative, von Oliver Pink

Ausgabe vom 25.9.2012

Utl.: Ausgabe vom 25.9.2012=

Wien (OTS) - Frank Stronachs Stärke ist, dass er eine Botschaft hat
und diese glaubwürdig verkörpert. Sein Manko, dass man sich einen
Staatsmann doch anders vorstellt.

Er sei "eine Art Genie und dabei auch immer ein bisschen Clown, alles
auf einmal", urteilt sein Biograf Wayne Lilley über Frank Stronach.
Eine schillernde Figur ist der Austrokanadier jedenfalls, das
garantiert ihm nun auch eine über jenes Maß hinausgehende
Medienberichterstattung, die einem Parteigründer in spe - und davon
gab es sogar in diesem Land zuletzt nicht wenige - grundsätzlich
gewährt wird.

Allerdings hat dieses Schillern im Fall Frank Stronachs stets auch
etwas leicht Operettenhaftes, angesiedelt irgendwo zwischen Jörg
Haider und Silvio Berlusconi. Wohl nicht zufällig ist er zur
Anlaufstelle für BZÖ-Dissidenten und den einen oder anderen vom
rechten Flügel der Sozialdemokratie geworden.

Bei allem Respekt vor dem wirtschaftlichen Erfolg des Gründers des
Global Players Magna und seinem vielfältigen Mäzenatentum haftet dem
in die politische Arena Strebenden doch der Makel an, nicht gerade
restlos seriös zu wirken. Das mag auch mit seinem wankelmütigen
Engagement in der Welt des österreichischen Fußballs zu tun haben.
Hochtrabenden Plänen folgte wenig Nachhaltiges. Zumal der Mann ja
auch noch andere Steckenpferde hat(te). Nun eben die österreichische
Politik.

Man sollte sich aber davor hüten, Frank Stronach leichtfertig und
naserümpfend ins Eck für überspannte Seniormillionäre mit viel
Tagesfreizeit und Sendungsbewusstsein zu stellen. Schon jetzt, vor
der Präsentation von Partei und Programm an diesem Donnerstag, liegt
er in den Umfragen bei rund zehn Prozent. Allein mit der Bewunderung
für die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Story ist das nicht zu
erklären. Sondern vielmehr mit der Sehnsucht der Wähler nach einer
Alternative, die nicht aus dem bestehenden politischen Establishment
kommt, auch, wenn gerade Stronach aus diesem immer wieder Berater und
Mitarbeiter für seinen Konzern rekrutiert hat - von Franz Vranitzky
bis Karl-Heinz Grasser.

Stronach formuliert einfach. Und sehr konzise ist sein Konzept bisher
auch noch nicht. Aber dennoch spricht hier einer deutlich aus, dass
wirtschaftlicher Erfolg kein Verbrechen, Budgetdisziplin keine
Nebensächlichkeit und die Verschlankung der Bürokratie notwendig ist.
Auch im Sinne des "kleinen" Arbeitnehmers.

Und der Zeitpunkt, in die Politik einzusteigen, könnte für Stronach
nicht besser sein: Bis auf die Grünen sind alle Parlamentsparteien
durch die im und rund um den U-Ausschuss publik gewordenen
Korruptionsdeals diskreditiert. Die von der ewigen rot-schwarzen
Koalition Ernüchterten warten ebenso schon länger auf eine
Alternative wie von der ÖVP enttäuschte Unternehmer. Und das mit
einem ähnlichen Programm aufwartende BZÖ wird von Stronach - obwohl
er noch nicht allzu viel sagt - locker übertönt und deswegen wohl den
Wiedereinzug in den Nationalrat verpassen.

Auffallend ist, dass von Stronachs Forderung nach einer
Wiedereinführung des Schilling zuletzt nicht mehr viel zu hören war.
Auch Stronach und seine Berater dürften von den niederländischen
Wahlen gelernt haben. Denn gegen das Establishment gerichtete
populistische Parteien mögen mit zuwanderungskritischen Parolen nach
wie vor Gehör finden (was der Auswanderer Frank Stronach bislang
freilich nie getan hat), aber beim Spiel mit dem Zusammenbruch der
Währung hört sich der Spaß für die Bevölkerung rasch auf. Denn das
mögliche Ende des Euro weckt existenzielle Ängste, mit denen man sich
dann doch lieber den etablierten Parteien anvertraut.

Allerdings ist das nun aktuelle Stronach'sche Modell nicht mehr als
ein Schilling-Etikett mit anderem Namen: Die europäische Währung soll
zwar weiterhin Euro heißen, aber es soll einen eigenen
Österreich-Euro, einen Spanien-Euro oder einen Deutschland-Euro geben
- mit unterschiedlichem Wert.

Die entscheidende Frage ist, ob die Wähler Stronach dieses
einigermaßen unausgegorene Konzept nachsehen - da sie die bestehenden
Verhältnisse für noch schlimmer erachten. Und sie sich weder in die
Arme der Großparteien flüchten noch in jene Heinz-Christian Straches
begeben wollen.

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