Ärztekammer: 332 Millionen Einsparung durch Ambulanzentlastung (2/2)

"Transformationsfonds" zur Sicherung der Leistungsverlagerung

Wien (OTS) - Zur Gewährleistung der erforderlichen Umstrukturierung von den Spitalsambulanzen hin zu den Ordinationen forderte der Obmann der niedergelassenen Ärzte die Einrichtung eines "Transformationsfonds". Dieser Fonds sei jährlich mit dem Einsparungserlös aus den zu erwartenden Leistungsverlagerungen zu dotieren und den Krankenkassen zur Verfügung zu stellen. Steinhart:
"Mit diesem Geld sind die notwendigen Erweiterungen der Versorgungsstrukturen im niedergelassenen Bereich zu schaffen, also jene 1041 Kassenstellen und auch Gruppenpraxen, die unter anderem ein ausreichendes Leistungsangebot am Tagesrand, am Wochenende und an den Feiertagen vorzuhalten hätten. Natürlich müssen im Gegenzug damit die Kapazitäten und Kosten bei den Ambulanzen zurückgefahren werden."

Darüber hinaus müsse für die Zeit nach der Umstellung sichergestellt werden, dass die zusätzlich geschaffenen Kassenstellen respektive Gruppenpraxen auch dauerhaft weiter finanziert würden. Der Transformationsfonds sei also dauerhaft in die Budgets der Kassen zur integrieren.

Praxistaugliche Gruppenpraxen

Es habe sich in den letzten Monaten gezeigt, dass die geltenden Regelungen für Gruppenpraxen den organisatorischen und inhaltlichen Erfordernissen nicht gerecht würden. Das betreffe vor allem auch die neue gesetzliche Möglichkeit zur Gründung von Ärzte-GmbHs, die wegen zahlreicher Restriktionen nicht das halte, was sich der Gesundheitsminister erwartet. "Was die Ärztekammer von vorneherein befürchtet hat, scheint sich nun zu bestätigen. Die Gruppenpraxen werden in dieser Form einfach nicht ausreichend angenommen, um auch den gedachten Zweck der Ambulanzentlastung zu erreichen", argumentierte Steinhart. Dazu bedürfe es einiger grundsätzlicher Anpassungen, etwa was die Anstellung in einer Ärzte-GmbH betreffe oder eine Erleichterung des komplizierten Genehmigungsverfahrens. Zusätzlich würden insbesondere bunte Ärztekooperationen - also die fächerüberschreitende Zusammenarbeit von mehreren Ärzten in einer Praxis - finanziell diskriminiert, da die Krankenkassen dafür keine Finanzierung bereitstellten. Und gerade diese Form der Zusammenarbeit sei zur Entlastung der Spitalsambulanzen unabdingbar, erklärte der Bundeschef der niedergelassenen Ärzte.

Trendumkehr gefordert

Um den Trend des "anhaltenden" Austrocknens des niedergelassenen Bereiches entgegen zu wirken, sei es dringend notwendig, den Schritt von den "theoretischen Planspielchen und Lippenbekenntnissen" zur "politischen Praxis" zu gehen. Wie dringlich das "pragmatische Umdenken" sei, untermauerte Steinhart mit zwei Beispielen. So habe Oberösterreichs Landeshauptmann und Gesundheitsreferent Josef Pühringer im Wahlkampf den Fachärztemangel in seinem Bundesland beklagt und plakatiert. Nicht von ungefähr: Währenddessen im österreichweiten Schnitt auf 1000 Einwohner 2,6 Fachärzte kommen, sind es in Linz-Land nur 0,8 Fachärzte pro Einwohner, in sechs oberösterreichischen Gemeinden gibt es allerdings keinen einzigen Facharzt. Kinder-, Frauen-, Augen- oder HNO-Ärzte sind bisher in Allhalming, Eckendorf, Kematen, Neuhofen, Piberbach und St. Marien nicht zu finden.

Aber auch in Wien schaue es nicht besser aus, ergänzte Steinhart:
"Gegen den heftigen Widerstand des Hauptverbandes haben wir bisher zusammen mit der Gebietskrankenkasse das getan, was richtig ist. Wir haben auch in Gruppenpraxen investiert, mittlerweile gibt es siebzig davon, wobei wir viel mehr bräuchten." So hätte die Ärzteschaft weitere achtzig, dringend benötigte Gruppenpraxen geplant. Genehmigt würden sie allerdings nicht, denn die Kasse habe kein Geld mehr. Wenn gesundheitspolitische Entscheidungsträger Wartezeiten oder nicht ausreichend lange Öffnungszeiten bemängeln, sei das "nichts außer scheinheilig", so Steinhart.

Um die Missstände zu beheben und eine zeitgemäße, kostengünstige neue Versorgungsstruktur bei gleichzeitiger Entlastung der Krankenhäuser "zügig voranzutreiben", bot Steinhart sofortige Verhandlungen mit der von der Bundesregierung eingesetzten Steuerungsgruppe zur Gesundheitsreform an.

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