- 19.09.2012, 13:23:38
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Ärztekammer: 332 Millionen Einsparung durch Ambulanzentlastung (2/2)
"Transformationsfonds" zur Sicherung der Leistungsverlagerung
Utl.: "Transformationsfonds" zur Sicherung der Leistungsverlagerung=
Wien (OTS) - Zur Gewährleistung der erforderlichen Umstrukturierung
von den Spitalsambulanzen hin zu den Ordinationen forderte der Obmann
der niedergelassenen Ärzte die Einrichtung eines
"Transformationsfonds". Dieser Fonds sei jährlich mit dem
Einsparungserlös aus den zu erwartenden Leistungsverlagerungen zu
dotieren und den Krankenkassen zur Verfügung zu stellen. Steinhart:
"Mit diesem Geld sind die notwendigen Erweiterungen der
Versorgungsstrukturen im niedergelassenen Bereich zu schaffen, also
jene 1041 Kassenstellen und auch Gruppenpraxen, die unter anderem ein
ausreichendes Leistungsangebot am Tagesrand, am Wochenende und an den
Feiertagen vorzuhalten hätten. Natürlich müssen im Gegenzug damit die
Kapazitäten und Kosten bei den Ambulanzen zurückgefahren werden."
Darüber hinaus müsse für die Zeit nach der Umstellung sichergestellt
werden, dass die zusätzlich geschaffenen Kassenstellen respektive
Gruppenpraxen auch dauerhaft weiter finanziert würden. Der
Transformationsfonds sei also dauerhaft in die Budgets der Kassen zur
integrieren.
Praxistaugliche Gruppenpraxen
Es habe sich in den letzten Monaten gezeigt, dass die geltenden
Regelungen für Gruppenpraxen den organisatorischen und inhaltlichen
Erfordernissen nicht gerecht würden. Das betreffe vor allem auch die
neue gesetzliche Möglichkeit zur Gründung von Ärzte-GmbHs, die wegen
zahlreicher Restriktionen nicht das halte, was sich der
Gesundheitsminister erwartet. "Was die Ärztekammer von vorneherein
befürchtet hat, scheint sich nun zu bestätigen. Die Gruppenpraxen
werden in dieser Form einfach nicht ausreichend angenommen, um auch
den gedachten Zweck der Ambulanzentlastung zu erreichen",
argumentierte Steinhart. Dazu bedürfe es einiger grundsätzlicher
Anpassungen, etwa was die Anstellung in einer Ärzte-GmbH betreffe
oder eine Erleichterung des komplizierten Genehmigungsverfahrens.
Zusätzlich würden insbesondere bunte Ärztekooperationen - also die
fächerüberschreitende Zusammenarbeit von mehreren Ärzten in einer
Praxis - finanziell diskriminiert, da die Krankenkassen dafür keine
Finanzierung bereitstellten. Und gerade diese Form der Zusammenarbeit
sei zur Entlastung der Spitalsambulanzen unabdingbar, erklärte der
Bundeschef der niedergelassenen Ärzte.
Trendumkehr gefordert
Um den Trend des "anhaltenden" Austrocknens des niedergelassenen
Bereiches entgegen zu wirken, sei es dringend notwendig, den Schritt
von den "theoretischen Planspielchen und Lippenbekenntnissen" zur
"politischen Praxis" zu gehen. Wie dringlich das "pragmatische
Umdenken" sei, untermauerte Steinhart mit zwei Beispielen. So habe
Oberösterreichs Landeshauptmann und Gesundheitsreferent Josef
Pühringer im Wahlkampf den Fachärztemangel in seinem Bundesland
beklagt und plakatiert. Nicht von ungefähr: Währenddessen im
österreichweiten Schnitt auf 1000 Einwohner 2,6 Fachärzte kommen,
sind es in Linz-Land nur 0,8 Fachärzte pro Einwohner, in sechs
oberösterreichischen Gemeinden gibt es allerdings keinen einzigen
Facharzt. Kinder-, Frauen-, Augen- oder HNO-Ärzte sind bisher in
Allhalming, Eckendorf, Kematen, Neuhofen, Piberbach und St. Marien
nicht zu finden.
Aber auch in Wien schaue es nicht besser aus, ergänzte Steinhart:
"Gegen den heftigen Widerstand des Hauptverbandes haben wir bisher
zusammen mit der Gebietskrankenkasse das getan, was richtig ist. Wir
haben auch in Gruppenpraxen investiert, mittlerweile gibt es siebzig
davon, wobei wir viel mehr bräuchten." So hätte die Ärzteschaft
weitere achtzig, dringend benötigte Gruppenpraxen geplant. Genehmigt
würden sie allerdings nicht, denn die Kasse habe kein Geld mehr. Wenn
gesundheitspolitische Entscheidungsträger Wartezeiten oder nicht
ausreichend lange Öffnungszeiten bemängeln, sei das "nichts außer
scheinheilig", so Steinhart.
Um die Missstände zu beheben und eine zeitgemäße, kostengünstige neue
Versorgungsstruktur bei gleichzeitiger Entlastung der Krankenhäuser
"zügig voranzutreiben", bot Steinhart sofortige Verhandlungen mit der
von der Bundesregierung eingesetzten Steuerungsgruppe zur
Gesundheitsreform an.
Grafiken unter "http://www.aerztekammer.at/Presseaussendungen
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