- 18.09.2012, 10:27:12
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Caritas zur Pflege: "Risiko Pflegebedürftigkeit muss solidarisch abgesichert werden"
Küberl und Landau fordern "gleiche Regeln für alle", Weichenstellung für Versorgung bei Demenz sowie reformierte Erbschaftssteuer als eine von vielen nötigen Finanzmaßnahmen
Utl.: Küberl und Landau fordern "gleiche Regeln für alle",
Weichenstellung für Versorgung bei Demenz sowie reformierte
Erbschaftssteuer als eine von vielen nötigen Finanzmaßnahmen=
Wien (OTS) - "Pflegefragen gehören jetzt nach der Sommerpause zu
jenen Themen, die ganz oben auf die Liste der heimischen Politik
müssen", fordert Caritas-Präsident Franz Küberl bei einem
Pressegespräch zum Thema "Pflege - quo vadis?" in Wien. Österreich
brauche ein zukunftsfähiges, nachhaltiges und bedürfnisgerechtes
Pflegesystem, das auf solidarischen Beinen stehe, ist Küberl
überzeugt: "Pflegebedürftigkeit ist ein Risiko, das alle Menschen in
diesem Land treffen kann. Betreuung und Pflege müssen daher auch
solidarisch abgesichert werden."
Um den steigenden Finanzierungsbedarf zu decken - das WIFO geht von
einem Anstieg der Gesamtkosten von geschätzten 3,9 Milliarden Euro
(2010) auf mindestens 5,4 Milliarden Euro im Jahr 2030 aus - fordert
der Caritas-Präsident als eine der vielen notwendigen Maßnahmen die
Einführung einer reformierten Erbschaftssteuer. Zudem müssten im
Pflegebereich endlich "gleiche Regeln für alle" gelten, so Küberl:
"Konkret heißt das beispielsweise: gleiche Behandlung von
Privatvermögen, wenn jemand in ein Pflegehaus übersiedelt, dieselben
Höchstgrenzen für mobile Betreuungs- und Leistungsstunden und vor
allem: Hände weg vom Einkommen der Kinder."
Zudem fehle es den Betroffenen derzeit an leistbaren und
niederschwellig verfügbaren, mehrstündigen Betreuungsdiensten,
plädiert Küberl für eine "Schließung der Betreuungslücken, die
zwischen den mobilen Diensten und 24-Stunden-Betreuung klaffe. Und
schließlich brauche es auch einen "Masterplan zur Vorbeugung von
Pflege- und Betreuungsbedarf". Laut einer WIFO-Studie liegt
Österreich im Vergleich der EU-27 bei der Lebenserwartung zwar an der
guten, siebten Stelle. Doch derzeit sind die ÖsterreicherInnen
vergleichsweise lange pflegebedürftig. Küberl. "Jetzt geht es darum,
alles dafür zu tun, dass die zusätzlichen Jahre auch gute Jahre
werden."
Landau: "Heute Weichen stellen für Betreuung demenzkranker Personen"
"Wir dürfen alte, pflegebedürftige Menschen nicht aufs Abstellgleis
stellen! Es gilt entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit
sich kein Mensch vor Alter und Pflegebedürftigkeit fürchten muss",
betont Michael Landau, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien. Aktuell
beziehen in Österreich rund 440.000 Menschen Pflegegeld. Durch die
fehlende Valorisierung des Pflegegeldes müssen die Betroffenen einen
erheblichen Verlust der Kaufkraft hinnehmen. Aus Sicht der Caritas
ist eine jährliche indexgebundene Anhebung des Pflegegeldes höchst an
der Zeit.
Als eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft sieht
Landau künftig die Versorgung demenzkranker Menschen: "Hier ist die
Politik gefordert, heute die Weichen für die Zukunft zu stellen,
damit Menschen mit Demenz eine krankheitsgerechte und bezahlbare
Pflege und Betreuung erhalten." Aktuell gibt es mehr als 110.000
Menschen in Österreich, die an einer Demenz leiden. Laut Prognose der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird sich die Anzahl der Erkrankten
alle 20 Jahre verdoppeln.
Caritas-Pflegeexpertin Gschaider:
"In der Caritas Steiermark bemühen wir uns um eine möglichst breite
Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegebereich",
sagt Maria Gschaider, Leiterin des Bereichs Betreuung und Pflege in
der Caritas Steiermark. So beziehen die Caritas-Schulungen die
Pflegehaus-Belegschaft von der Leitung bis zur Reinigungskraft mit
ein. "Wenn die Bedürfnisse des betreuten Menschen im Mittelpunkt
stehen, erfordert das eine Sensibilität aller dafür, was derjenige im
Augenblick wirklich braucht. Wenn ein Hauswart beispielsweise hört,
dass jemand ein Eis will, bedeutet das, dass er den Wunsch sofort an
das Pflegepersonal weitergeben soll." "Immer wieder gibt es auch
Schulungen, bei denen die Pflegekräfte selbst 24 Stunden in einem
Pflegewohnhaus verbringen - beispielsweise im Rollstuhl oder
überhaupt bettlägrig. Das hilft unseren Leuten, die Bedürfnisse der
Menschen in solchen Situationen noch besser zu verstehen", nennt
Küberl ein weiteres Beispiel.
Für den Pflegebereich würde sich Gschaider mehr staatliche Mittel
wünschen. Dafür könne sie gut mit "etwas weniger einengenden
Vorschriften leben, so die Caritas-Pflegeexpertin:
"Hygienevorschriften sind wichtig, aber derzeit dürfen wir mit den
Bewohnerinnen und Bewohnern im Pflegewohnhaus nicht einmal für alle
gemeinsam backen. Ein Pflegewohnhaus ist aber kein Krankenhaus,
sondern Lebensraum für alte Menschen."
Breite Angebotspalette
Die breite Angebotspalette der Caritas im Bereich der Betreuung und
Pflege alter Menschen reicht von Beratung über Besuchsdienste,
Hauskrankenpflege, Unterstützung pflegender Angehöriger, betreubares
Wohnen bis hin zu Senioren - und Pflegehäusern und Hospizbegleitung.
In 46 Senioren- und Pflegewohnhäusern werden über 4.500 Menschen
betreut. Die Mobilen Dienste leisten über 2,1 Millionen
Einsatzstunden im Jahr. Insgesamt sind bei der Caritas in diesem
Bereich österreichweit über 5.400 MitarbeiterInnen tätig.
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