- 14.09.2012, 19:35:49
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DER STANDARD - Kommentar "Caritas des Finanzkapitals" von Andreas Schnauder
Notenbanken vergesellschaften Risiken und belohnen die Investoren
Utl.: Notenbanken vergesellschaften Risiken und belohnen die
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Wien (OTS) - Die Europäische Zentralbank tut es, die Bank of England,
die Bank of Japan und die US-Notenbank Fed sowieso. Sie drucken - aus
unterschiedlichen Motiven - Geld, mit dem diverse Anlagen gekauft
werden. Der Anstieg der Wertpapierkurse ist ebenso groß wie der Jubel
der Finanzinvestoren. Was den Verdacht nährt, dass die Notenbanken
hohe Risiken für die Allgemeinheit eingehen und obendrein kleine und
mittlere Einkommen durch höhere Inflation belasten, während der
Nutzen auf die feine, einflussreiche Gruppe der Finanzinvestoren
beschränkt bleibt.
Ökonomisch kann Ben Bernanke nicht viel vorweisen, wie die mäßige
US-Konjunkturlage zeigt. Der wegen seiner Geld-Abwürfe als
Helicopter-Ben bezeichnete Fed-Chef beteuert zwar, dass die
Interventionen die Wirtschaftsleistung deutlich angehoben hätten,
bleibt aber Beweise schuldig. Gegen ihn spricht: Die neuen Ankäufe
von Hypotheken-Papieren sind gar nicht neu, die Notenbank hat bereits
853 Milliarden Dollar in verbriefte Kredite gesteckt, ohne damit die
Nachfrage nach Krediten und den Preis von Häusern stabilisieren zu
können.
Stutzig macht der Umstand, dass das Platzen der kreditfinanzierten
Immobilienblase und der Crash der darauf basierenden Schuldenpapiere
in den USA der eigentliche Auslöser der Finanzkrise war. Nun hat es
den Anschein, dass die Fed genau diesen Zustand wieder herbeisehnt.
Höhere Aktien- und Häuserpreise bedeuten vermeintlich höhere
Sicherheiten für die Aufnahme neuer Kredite. Wohin das führen kann,
ist bekannt.
Europa setzt andere Schwerpunkte, die im Ergebnis aber ebenfalls auf
eine Bevorzugung von Anlegern und Finanzindustrie hinauslaufen. Die
nun in Aussicht gestellten Käufe von Anleihen angeschlagener Staaten
mögen zwar mittelbar deren Kosten für die Kreditaufnahme senken,
unmittelbar helfen sie aber den Investoren. Sie können ihre
wertgeminderten Papiere bei der EZB deponieren. Während die Notenbank
also die Risiken einer Staatspleite auf sich nimmt, ist das
Finanzkapital fein heraus.
Man muss nun nicht gleich über die bösen Spekulanten herfallen, eines
ist aber schon klar: Bei Anlegern handelt es sich in der Regel um die
Upper Class. Grosso modo hält global das oberste
Einkommenszwanzigstel 70 Prozent aller Finanzanlagen, dennoch kommt
es regelmäßig ungeschoren davon. Ähnlich lautet das Prinzip bei den
Rettungsschirmen. Zwar glauben die wenigsten Investoren, dass es viel
bringt, wenn die Schulden der Krisenstaaten auf alle europäischen
Steuerzahler aufgeteilt werden. Sie applaudieren aber dennoch, weil
mit Bail-outs ein Schuldenschnitt auf die eigene Veranlagung
vermieden wird.
Wie sehr das Kapital gehätschelt wird, zeigt übrigens auch die
Vorlage des Entwurfs zur Bankenunion. Eine gemeinsame Aufsicht lässt
sich offenbar übers Knie brechen, hängt doch davon ab, dass der
Rettungsfonds rasch angeschlagene Banken rekapitalisieren kann. Die
lange versprochene Regelung zur Abwicklung von Zombi-Banken wurde
hingegen auf den St.-Nimmerleins-Tag verschoben. Dabei sind es doch
gerade die Löcher in den Bankbilanzen, die Länder wie Spanien an den
Abgrund geführt haben.
Mit den jüngsten Schritten signalisieren Geld- und
Wirtschaftspolitiker dies- und jenseits des Atlantiks deutlich, dass
sie sich als Caritas im Dienste des Finanzkapitals verstehen.
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