- 09.09.2012, 21:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Montag, 10. September 2012, von Mario Zenhäusern: "Ein Fünkchen Hoffnung"
Innsbruck (OTS) - Die Vorstöße der Landeshauptleute Burgstaller,
Voves und Platter könnten dafür sorgen, dass eine lösungsorientierte
Diskussion an die Stelle der bildungspolitischen Blockadepolitik der
Regierungsparteien tritt.
Tirols AHS-Direktoren steigen auf die Barrikaden. Der Vorstoß von
Landeshauptmann Günther Platter in Richtung einer gemeinsamen Schule
der 10- bis 14-Jährigen mache sie "fassungslos". Platters Vorstoß, so
er denn umgesetzt würde, löse keine Probleme, sondern schaffe
ungleich größere.
Diese Reaktion ist symptomatisch - und nicht auf die Direktoren
der allgemein bildenden höheren Schulen in Tirol beschränkt. Seit
Jahrzehnten spaltet das Thema Bildung Österreich in zahlreiche Lager.
Einig sind sich alle nur darin, dass das heimische Bildungssystem
Reformbedarf aufweist. Großen Reformbedarf sogar angesichts der
Tatsache, dass 27 Prozent der heimischen Jugendlichen nicht
sinnerfassend lesen können. Aber statt offensiv über
Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, werden seit Jahren nur Argumente
gesucht, warum der eine oder andere Vorschlag nicht in die Tat
umgesetzt werden kann oder darf.
Die Motive dieser Haltung sind unterschiedlich. Sie können
sachlich motiviert sein oder von Ideologie bestimmt wie bei den
beiden großen politischen Gegenspielern im Bildungsbereich, SPÖ und
ÖVP. Die beiden Regierungsparteien verharren seit Jahren in einer
Position der Destruktivität, in der es nur darum geht, um keinen
Preis von der eigenen Linie abzurücken.
Zuletzt ist einige Bewegung in die sonst starren Fronten gekommen.
Platters Vorschlag hat in der ÖVP für Unruhe gesorgt, die
Landeshauptleute Gabi Burgstaller (Salzburg) und Franz Voves
(Steiermark) wirbeln in der SPÖ Staub auf, weil sie sich offen für
sozial abgefederte Studiengebühren aussprechen. SPÖ-Chef Werner
Faymann hat jetzt angekündigt, den Parteitag mit der Frage
Studiengebühren befassen zu wollen. Dass dabei ein Ja herauskommt,
ist genauso wahrscheinlich wie ein Schwenk der ÖVP in Richtung
Gesamtschule.
Die Abweichler werden ihre Parteifreunde also nicht umstimmen.
Aber die Hoffnung lebt, dass ihr mutiger Vorstoß mehr ist als nur ein
Strohfeuer. Erstmals sind drei Landeshauptleute bereit, über
parteiideologische Gräben zu springen. Wenn ihr Beispiel Schule
macht, wenn irgendwann vielleicht auch die beiden wahren Machthaber
von SPÖ und ÖVP, Michael Häupl und Erwin Pröll, umschwenken, könnte
eine lösungsorientierte Diskussion an die Stelle der bisherigen
Blockadepolitik treten. Das kann nur im Sinne aller sein - auch der
jetzt noch fassungslosen Tiroler AHS-Direktoren.
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