- 06.09.2012, 11:01:11
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Lebenshilfe fordert den Systemwechsel: Weg frei zu Schule und Beruf!
Maßnahmen zur Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen
Utl.: Maßnahmen zur Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen=
Wien (OTS) - "Menschen mit Beeinträchtigungen müssen die gleichen
Möglichkeiten haben wie alle anderen, in der Schule und beim
Arbeiten", sagt der erste Vizepräsident mit Beeinträchtigung der
Lebenshilfe Österreich, Thomas Wagner, beim heutigen Pressegespräch.
Der Großteil der Jugendlichen mit intellektueller Beeinträchtigung
landet nach acht Jahren in einer integrativen Volks- und Hauptschule
oder Sonderschule in den Werkstätten der Behindertenorganisationen.
In der Regel sind sie bei ihren Eltern mitversichert, leben von
Familienbeihilfe und in weitere Folge von der Waisenpension. Für ihre
Arbeit bekommen sie ein Taschengeld. Die Rolle des ewigen Kindes wird
diesen jungen Erwachsenen zu eng. Sie fordern die Gleichbehandlung
bei der Ausbildung und am Arbeitsplatz.
"Die Systematik der Aussonderung zieht sich wie ein roter Faden
durch das Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen. Wir wollen weg
vom vorprogrammierten Weg, der von der Sonderschule direkt in die
geschützte Werkstätte führt. Menschen mit Beeinträchtigungen sollen
die Wahl- und Entwicklungsmöglichkeiten haben, die auch anderen ohne
Beeinträchtigung zur Verfügung stehen", erläutert
Lebenshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Germain Weber.
Inklusion in Lehrerausbildung gesetzlich verankern
Beim Thema Schule reklamiert sich die Lebenshilfe Österreich in
die laufenden Verhandlungen des Unterrichtsministeriums mit der
Lehrergewerkschaft hinein und fordert die gesetzliche Verankerung der
inklusiven Pädagogik in die Lehrerfortbildung. Anstatt
Sonderschullehrer auszubilden, soll ein Spezialfach für "Inklusive
Bildung" für alle Lehrer und Lehrerinnen angeboten werden. "Damit
statten wir eine neue Generation von Lehrkräften mit Kompetenzen aus,
mit denen sie Kinder mit und ohne Beeinträchtigung optimal im
Unterricht fördern", so Weber.
Wie es der Stufenplan der Lebenshilfe zur inklusiven Schule
vorsieht, betont Weber die Notwendigkeit zur schrittweisen Umsetzung
der inklusiven Schule. Damit ist untrennbar der Baustopp für neue
Sonderschulen verbunden. "Verabschieden wir uns endgültig von der
sinnlosen Aufspaltung des Schulsystems in Sonder- und Regelschule",
appelliert Weber an die Landesschulräte in den Bundesländern.
"Ich habe etwas gelernt und dafür werde ich bezahlt."
Wie Menschen mit Beeinträchtigungen zu einem inklusiven
Arbeitsplatz mit gerechter Bezahlung und sozialer Absicherung kommen,
veranschaulicht die Lebenshilfe anhand eines
Berufsausbildungs-Projektes aus der Steiermark. Drei Menschen mit
intellektueller Beeinträchtigung konnten erstmals ihre Ausbildung zum
Fachsozialhelfer abschließen, zwei von ihnen arbeiten bereits in den
Tagesförderstätten der Lebenshilfe Graz und Umgebung-Voitsberg.
Patrick Tersanski ist Schüler im ersten Ausbildungsjahr, davor hat er
in der Werkstätte für ein Taschengeld gearbeitet: "Ich war froh,
überhaupt etwas zu bekommen. Aber es ist schon gut, dass es diese
Ausbildung gibt, und ich damit die Chance bekomme, eigenes Geld zu
verdienen. Ich habe etwas gelernt, ich kann etwas und dafür werde ich
bezahlt."
Schule, Berufsausbildung und Arbeitsplätze für Menschen mit
Beeinträchtigungen
Einen Systemwechsel fordert die Lebenshilfe Österreich nicht nur
für die Schule, sondern auch in ihren eigenen Reihen und am
Arbeitsmarkt. "Wenn wir eine Schule für alle wollen, müssen wir in
der Folge auch Arbeitsplätze für alle, eben inklusive Arbeitsplätze
gestalten. Dies gilt für die Wirtschaft ebenso wie für uns. Wir gehen
die Selbstverpflichtung ein, unsere Tages- und
Beschäftigungsstrukturen neu auszurichten. Aus Nutzerinnen in
Werkstätten sollen Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer werden, an
inklusiv gestalteten Arbeitsplätzen mit kollektiv-vertraglichen
Entgelt und Ansprüchen aus der Sozialversicherung", erklärt Albert
Brandstätter, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich, und macht
auf einen zentralen Punkt aufmerksam: "Falls es am inklusiven
Arbeitsplatz doch nicht klappt, muss die Werkstätte für diese
Menschen nach wie vor offen stehen. Sie sollen auch hier ein Gehalt
bekommen und sozialversichert sein. Das Taschengeldsystem muss
fallen, ebenso die 50 % Grenze bei der Einstufung der
Arbeitsfähigkeit. Die Zukunft liegt in einem durchlässigen System,
das Menschen mit Beeinträchtigungen verschiedene Wahl- und
Entwicklungsmöglichkeiten bietet", so Brandstätter.
"Der Nationale Aktionsplan Behinderung sieht wichtige Schritte hin
zu einem inklusiven Bildungssystem und zur Entwicklung von Modellen
in Richtung durchlässiger Arbeitsmarkt vor. Sie müssen schnell
umgesetzt und mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet
werden", fordert Brandstätter abschließend.
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