- 29.08.2012, 21:00:02
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"Auffangbecken für Enttäuschte" von Wolfgang Sablatnig, Tiroler Tageszeitung am 30. August 2012
Frank Stronachs bisher bekannte Mitstreiter haben vor allem eines gemeinsam: Sie sind vor ihrem Wechsel im Parlament nicht in Erscheinung getreten.
Utl.: Frank Stronachs bisher bekannte Mitstreiter haben vor allem
eines gemeinsam: Sie sind vor ihrem Wechsel im Parlament nicht
in Erscheinung getreten.=
Innsbruck (OTS) - "Ob Stronach ihnen eine große Rolle gibt, muss
sich erst weisen. "
Es ist kein Wunder, dass sich Robert Lugar dagegen wehrt, als
"Hinterbänkler" bezeichnet zu werden. Diese Bezeichnung hat ja
tatsächlich etwas Abfälliges. Mediale Sternstunden erleben die so
apostrophierten Abgeordneten nur dann, wenn sie entweder im Streit
aus ihrer bisherigen Partei scheiden, wenn sie gegen die Parteilinie
abstimmen oder wenn sie sich sonstige Fehltritte leisten. Die Arbeit
im Hintergrund, in den Gemeinden und Wahlkreisen, die diese
Hinterbänkler oft leisten, bleibt da in Zeitungen, Fernsehen und
Radio meist unbedankt; so viel mediale Selbstkritik muss schon sein.
Lugar tritt mit seinem Engagement für Frank Stronach nun auch
tatsächlich aus dem Schatten des Hinterbänklers heraus. Ebenso wie
Gerhard Köfer, der kein Niemand sein kann, sonst wäre der frühere
Rote nicht schon mehrmals als Bürgermeister der
15.000-Einwohner-Stadt Spittal an der Drau wiedergewählt worden.
Auch Erich Tadler und Elisabeth Kaufmann-Bruckmüller müssen sich in
ihrer Kammer und Kommunalpolitik in Szene gesetzt haben, sonst wären
sie nicht im Nationalrat gelandet.
Eines aber haben alle vier Abgeordneten gemeinsam, die bis jetzt bei
Frank Stronach angeheuert haben - ob sie Hinterbänkler sind oder
nicht: Sie sind Enttäuschte und haben mit ihrer bisherigen Partei
gebrochen. Diese wiederum muss zähneknirschend akzeptieren, dass sie
ihr Mandat mitnehmen, obwohl sie doch auf der Liste der Partei
gewählt worden waren. Aber so ist das eben mit dem freien Mandat -
oder der einzigen tatsächlichen Auswirkung dieses freien Mandats im
österreichischen Parlamentarismus.
Für Stronach haben seine bisher vier Mitstreiter vor allem die
Funktion, der neuen Partei das lästige Unterschriftensammeln vor der
Nationalratswahl zu ersparen. Den Brückenkopf im Parlament zu einem
Klub mit allen Rechten auszubauen, wird ihnen voraussichtlich aber
nur dann gelingen, wenn noch zwei Orange wechseln. Stronach wäre
dankbar, könnte er sich doch dann vor der nächsten Wahl auch in die
publikumsträchtigen TV-Debatten hineinreklamieren.
Ob die Gefolgsleute in diesem Wahlkampf noch vorkommen oder im
Schatten Stronachs verschwinden, ist offen. Im Fall des Falles
bleibt ihnen der Ausweg, als Hinterbänkler auch den neuen Klub zu
verlassen und so noch einmal ins mediale Zentrum zu rücken. Sie
hätten dann ja schon Übung darin.
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