- 29.08.2012, 11:58:31
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ÖGB-Achitz: Gesund leben muss sexy werden
Weder Geldstrafen noch der erhobene Zeigefinger helfen
Utl.: Weder Geldstrafen noch der erhobene Zeigefinger helfen=
Wien (OTS/ÖGB) - "Nur wer den Durchblick hat, kann seine
Eigenverantwortung für die Gesundheit wahrnehmen. Deshalb muss ELGA
so schnell wie möglich umgesetzt werden", sagte Bernhard Achitz,
Leitender Sekretär des ÖGB, heute, Mittwoch, bei den
Wirtschaftsgesprächen in Alpbach. Anreizsysteme wie reduzierte
Selbstbehalte kämen hingegen nur jenen zugute, die erstens
informiert sind und zweitens überhaupt die Möglichkeit haben, ihr
Leben gesund zu gestalten. "Für in die Selbständigkeit gezwungene
Botenfahrer, die 14 Stunden pro Tag unterwegs sind und zu ungesunder
Ernährung fast gezwungen sind, ist das SVA-Modell eher eine
Krankensteuer als ein Anreiz für ein gesünderes Leben", sagt Achitz.
Der ÖGB lehnt Selbstbehalte prinzipiell ab, weil sie die Menschen
davon abhalten, rechtzeitig zum Arzt zu gehen - "dadurch werden sie
chronisch krank, und die Kosten für das Gesundheitssystem steigen
unnötigerweise."
Der richtige Platz für Gesundheitsvorsorge: Schulen und Betriebe
Schon bei Kindern muss man in den Schulen Bewusstsein für ein
gesünderes Leben schaffen - und später am Arbeitsplatz. Achitz:
"Dort kommt man an sehr viele Menschen heran, besonders auch an
diejenigen, an denen sonstige Informations- und Aufklärungsarbeit
vorbeigeht. Der erhobene Zeigefinger nützt nichts, gesund leben muss
sexy werden. Teure Kampagnen nützen oft recht wenig, weil sie nur
diejenigen erreichen, die sich ohnehin für eine gesunde
Lebensführung interessieren, meist die höher Gebildeten.
Beschäftigte, die wenig verdienen, haben ein deutlich größeres
Krankheitsrisiko, ebenso Menschen mit geringerer Ausbildung."
Dafür gibt es viele Gründe: Arme haben schlechtere Jobs, die
gesundheitlich belastender sind. Sie müssen größere Angst haben,
ihre Arbeitsplätze zu verlieren - eine psychische Belastung, die
krank macht. Sie müssen in schlechteren Wohnungen leben. Sie können
sich nicht gesund ernähren, weil sie sich das ganz einfach nicht
leisten können. Achitz: "Daher besteht Gesundheitspolitik nicht nur
aus Spitäler bauen. Sozialpolitik ist immer auch Gesundheitspolitik,
denn Armutsbekämpfung ist die beste Krankheitsprävention."
Fürsorgepflicht der Arbeitgeber ernst nehmen
"Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers muss viel weiter gehen als
bisher. Nur so können teure chronische Krankheiten verhindert
werden. Eine Ursache dafür sind überlange Arbeitszeiten. Dagegen hat
der ÖGB ein Modell vorgelegt, das Überstunden reduziert, indem es
sie für die Betriebe teurer macht", so Achitz. Der ÖGB fordert
außerdem ein Präventions- und Gesundheitsförderungsgesetz, das die
Unternehmen in die Pflicht nimmt. Vor allem Rückenbeschwerden und
psychische Probleme gehen oft vom Arbeitsplatz aus, oder sie werden
durch die Arbeit verstärkt. Deshalb muss auch die Prävention am
Arbeitsplatz ansetzen.
Turnstunden für die Berufsschulen
Lehrlingen wird viel zu wenig die Möglichkeit geboten, Sport zu
betreiben und damit ein gesünderes Leben zu führen. "Es ist nicht
einzusehen, dass es ausgerechnet an den Berufsschulen keine
'Turnstunden' gibt. Sportunterricht muss in den Fächerkanon an
Berufsschulen integriert werden", fordert Achitz.
Bildungspolitik ist die beste Gesundheitsvorsorge
Bildung ist neben anderen sozialen Selektionskriterien der
wesentliche Faktor für künftige Berufs- und Einkommenschancen. Je
schlechter die Bildung, desto höher ist das Risiko, später einmal
arbeitslos zu werden, und auch länger arbeitslos zu bleiben. Deshalb
ist Bildung die beste Arbeitsmarktpolitik, und richtige
Arbeitsmarktpolitik ist die beste Armutsvermeidungspolitik. "Wir
müssen daher die Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen
verbessern - bei der Grundbildung, aber auch bei der Berufsbildung
und bei der Höherbildung. Hier ist die Politik gefordert", sagte
Achitz.
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